zur Navigation springen

bürgerentscheid : Holzdorfer können am 10. Mai über Höhe und Abstand von vier geplanten Windrädern abstimmen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gemeindevertretung bestätigt einstimmig ihr Votum für Windkraft – entgegen der Meinung ihres Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Bürger für die Gemeinde Holzdorf. 711 Holzdorfer erhalten Mitte April Post vom Amt

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2015 | 07:15 Uhr

HOLZDORF Die Weichen für den Bürgerentscheid für den Windpark Holzdorf sind gestellt. Am Sonntag, 10. Mai, werden die Bürger an die Wahlurne gerufen. Folgende Fragestellung wird zur Abstimmung gebracht: „Sind Sie dafür, dass der von der Gemeindevertretung Holdorf am 25. September 2014 verabschiedete Aufstellungsbeschluss über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 2 „Windpark Holzdorf“ für das Gebiet zwischen den Gemeindestraßen Bösby und und Staunerhütten sowie nördlich der Gemeindestraße Grünlund dahingehend ergänzt wird, dass die Höhen dieser Anlagen auf 100 Meter begrenzt und der Mindestabstand der Anlagen zur Wohnbebauung auf 650 Meter festgelegt wird?“ Als Abstimmungsort hat die Gemeindevertretung im Rahmen ihrer Sitzung am Montagabend den Jugendraum der Sporthalle Seeholz festgelegt. Nach Angaben des Amtes Schlei-Ostsee sind 711 Holzdorfer ab 16 Jahre aufgerufen, dort von 8 bis 18 Uhr ihr Kreuz zu machen.

Harmonie herrschte bei der Sitzung im Gasthof Blumenthal – jedenfalls unter den Gemeindevertretern, die alle der Interessengemeinschaft Bürger für die Gemeinde Holzdorf angehören. Alle Beschlüsse in Bezug auf den Windpark Holzdorf fielen einstimmig.

Vorab hatten die Initiatoren des Bürgerbegehrens, Karin Kruse, Michael Rösch und Günter Koch, Gelegenheit, ihre Gründe darzulegen. 150 Meter hohe Windkraftanlagen (WKA) stellen nach Meinung der Initiatoren „beträchtliche Störfaktoren“ dar. Eine Lärmzone von drei Kilometern um die die WKA, eine gleich große Zone mit „merkbarem Lichtwechsel“ und eine Nachtbefeuerung bedeuteten „wesentliche Einflussfaktoren auf die Lebensqualität“ dar, was für Mensch und Natur gelte, erklärte Michael Rösch und betonte besonders das Vorkommen des Seeadlers in diesem Gebiet. Die Initiative plädiert für WKA mit einer Höhe von 100 Metern und einem Mindestabstand zur Wohnbebauung von 650 Metern.

Besonders unverständlich ist für die Initiative die Argumentation der Gemeindevertretung. Bei der Planung des Windparks Saxtorf im benachbarten Rieseby habe sie „die oben genannten Gründe als nicht hinnehmbare Störfaktoren“ aufgelistet. „Es ist kaum verständlich, dass dieselbe Gemeindevertretung bei einem Windpark auf eigenem Gebiet offenbar ganz andere Maßstäbe anlegt“, so Rösch.

Ohne einen einzigen Einwand vonseiten seiner Fraktionskollegen stellte Bürgermeister Dirk Radeck die Standpunkte der Gemeindevertretung vor. „Die Gemeinde ist sich der Auswirkungen der Windkraftanlagen auf die unmittelbar angrenzende Wohnbebauung bewusst“, sagte Radeck und wies darauf hin, dass die verbindlichen Grenzwerte des Bundes-Immissionsschutzgesetzes nicht überschritten würden. Die gewünschte Reduzierung der Höhe der WKA auf 100 Meter führe nicht gleichermaßen zur proportionalen Verringerung der Immissionen, so der Bürgermeister: „Bei kleineren Windkraftanlagen muss keine Verbesserung an den Einzelhäusern im Außenbereich eintreten.“ Bei 100 Meter hohen WKA betrage der gesetzliche Mindestabstand 400 Meter, bei einer Höhe von 150 Metern liege der Abstand bei mindestens 450 Metern.

Nach Ansicht des Gemeinderats werde der Tierschutz durch eine Veränderung der Höhe nicht verbessert. Besonders für Fledermäuse steige das Kollisionsrisiko. Dem Argument der Initiatoren des Bürgerbegehrens, Windkraftanlagen mit einer Höhe von 150 Metern schadeten aufgrund der Landschaftszerstörung dem Tourismus, entgegnete der Bürgermeister, sich auf Analysen berufend: „Windkraftanlagen haben einen positiven Symbolcharakter, sie stehen für eine umweltfreundliche Stromerzeugung.“

Vier 150 Meter hohe Windkraftanlagen sind im Windpark Maasleben geplant. Einer der Grundeigentümer ist Hilmar Kellinghusen von Gut Maasleben. Dort sollen drei Anlagen errichtet werden. Der Gutsbesitzer verlas in der Einwohnerfragestunde eine Stellungnahme hinsichtlich der Höhenreduzierung der WKA. „Eine Rentabilität des Windparks ist bei 100 Metern nicht mehr gegeben“, so Kellinghusen, „insofern muss die Frage nicht nach der Höhe gestellt werden, sondern lauten: Wollen Sie einen Windpark, ja oder nein?“

Der Investor, die Firma Prokon aus Itzehoe, befinde sich zwar zurzeit im Insolvenzverfahren, stehe aber zu ihren Planungen, in den Windpark Holzdorf zu investieren, sagte Kellinghusen auf Nachfrage der EZ. Im Vorvertrag mit der Firma sei nach Ablauf einer Frist von 20 bis 25 Jahren ein kompletter Rückbau der Anlagen vorgesehen. „Wichtig für uns“, so der Gutsbesitzer, „die nächste Generation soll selbst entscheiden, ob sie Windkraft möchte oder nicht“, erklärte der 54-Jährige und betonte, dass er in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde ein Ökokonzept für Teilflächen seines Gutes erarbeitet habe.

Für die Planung und Durchführung des Bürgerentscheids ist das Amt zuständig. Fünf Wochen vor der Abstimmung liegt das Abstimmungsverzeichnis vor. Spätestens drei Wochen vor dem 10. Mai werden die Benachrichtigungskarten verschickt, erläutert der Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee, Gunnar Bock, das Vorgehen. Das bedeutet, dass die Holzdorfer Mitte April Post vom Amt in ihren Briefkästen vorfinden werden. Wie beim Bürgerentscheid Rieseby werde der Wahlbutton auf der Website des Amtes wieder rechtzeitig aktiviert, so Bock. Der Gemeinderat bestimmte Thomas Wagner als Vorsteher des Abstimmungsvorstands.

 

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen