Windkraft : Holzdorf fordert Prüfung der Umweltverträglichkeit

Links der Stromtrasse sieht die Planung Windkraftanlagen bis 200 Meter Höhe  vor.
Links der Stromtrasse sieht die Planung Windkraftanlagen bis 200 Meter Höhe vor.

Auf 13 Seiten hat die Gemeinde Holzdorf eine Stellungnahme zum geplanten Windpark Rieseby erstellt. Zahlreiche Fragen listen die Autoren auf und stellen fest, dass viele notwendige Daten nicht erfasst wurden. Sie fordern eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Dirk_Steinmetz-8463.jpg von
31. März 2014, 06:00 Uhr

Holzdorf | Im Windpark Rieseby sollen sechs Windkraftanlagen mit Höhen bis 200 Meter in einem Gebiet südlich und westlich Holzdorfs, nördlich Looses und östlich Riesebys entstehen. Nach Ansicht der Gemeinde Holzdorf, die im Rahmen der der Öffentlichkeitsbeteiligung eine 13-seitige Stellungnahme erarbeitet und abgegeben hat, wird die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung im Sinne einer Lastenverteilung unabdingbar als notwendig gefordert.

Intensiv hat eine Arbeitsgruppe von Bürgern und Gemeindevertretern unter fachlicher Begleitung durch ein Planungsbüro die vorliegenden Planungen und Gutachten betrachtet. Dabei stellten sie fest, dass die „Umweltprüfung der Betreiber lediglich Mindestanforderungen teilweise genügt, sie teilweise diese sogar unterschreitet“, heißt es in der Stellungnahme, die der EZ vorliegt.

Die detaillierte Betrachtung der Angaben von Betreiber- und Planerseite ergab beispielsweise, dass die „Daten für Schall und Schattenwurf auf generalisierten Annahmen beruhen, deren tatsächlicher Nachweis noch aussteht“, heißt es in der Stellungnahme. Darüber hinaus würden „visuelle Bedrängung“ und „Lichtverschmutzung“ durch die Anlagen nur am Rande oder nicht thematisiert. Auswirkungen der Windkraft auf den Tourismus würden zudem völlig willkürlich als nicht relevant bezeichnet, obwohl Holzdorf als kleine, aber traditionelle Tourismusgemeinde eine beachtliche Wertschöpfung aus dem Tourismus erziele. Hinsichtlich der Abstände der Windkraftanlagen zu Gebäuden, zu nächtlicher und täglicher Lärmbelastung durch die Windanlagen kommen die Holzdorfer zu der Feststellung, dass die Gutachter theoretische Aussagen festhalten, dass aber tatsächliche Auswirkungen auf die Menschen und ihre Immobilien vernachlässigt werden. Auch hier würde eine Umweltverträglichkeitsprüfung den Schutzbedarf des Menschen genauer erfassen.

Nach Ansicht der Autoren der Stellungnahme ist vor allem das faunistische Gutachten aus mehreren Gründen in Zweifel zu ziehen. Zwar würden auch hier vordergründig Mindeststandards im Gutachten erfasst, aber bei genauer Betrachtung, so die Autoren , „offenbarten sich Erfassungsmängel und teils widersprüchliche gutachterliche Aussagen.“ Bedenken über die Großanlage mitten im Naturpark Schlei eingebunden in einem Biotopverbund könnten mit dem Gutachten nicht zerstreut werden.

So würden Sichtungsprotokolle für lange Fristen durch ansässige Jäger und Naturbeobachter den Erkenntnissen der Gutachter der Betreiber in vielen Punkten entgegenstehen. Unterstützt würden die lokalen Naturbeobachter durch Angaben des Landesverband Eulen-Schutz in Schleswig-Holstein wie auch der Projektgruppe Seeadlerschutz. So müsse der Uhu als Brutvogel im Bereich Kollholz angesehen werden, auch wenn die Brut 2013 nach einer Störung abgebrochen werden musste.

Darüber hinaus liege das Plangebiet für die Windkraftanlagen „im Zentrum der sich überlappenden Streichbereiche der bekannten Seeadler-Vorkommen am Hemmelmarker See, bei Thumby sowie bei Füsing.“ Sowohl der Brutplatz Hemmelmark als auch bei Thumby befänden sich deutlich unter sechs Kilometer vom Plangebiet entfernt, und damit im Prüfbereich für Nahrungsflächen und regelmäßig genutzter Flugruten, heißt es in der Stellungnahme. Zudem sei im Kollholz, das unmittelbar nördlich an das Planungsgebiet angrenzt ein bekannter Seeadler Brutplatz, bei dem jederzeit eine Wiederansiedlung des Adlers möglich sei.

Neben den genannten Argumenten stellen die Autoren fest, dass vor allem Holzdorf und seine Bürger durch den geplanten Windpark betroffen sind.

Standpunkt

Die Bürger ernst nehmen

Die Entscheidung, auf Atomenergie zu verzichten, und den Verbrauch endlicher fossiler Energieträger zu reduzieren, ist leicht. Keiner mag die Gefahren der Atomenergie oder die Auswirkung des steigenden Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre ignorieren. Und auch die Wahl der Alternativen mit Wind, Wasser und Sonne scheint leicht. Gut, die technische Entwicklung ist noch nicht optimal. Andererseits waren die Autos vor 50 Jahren auch noch nicht so effektiv im Benzinverbrauch. Die technische Entwicklung braucht immer Zeit. Ungleich schwerer fällt die Entscheidung, wo „saubere Energie“ gewonnen werden soll. Standorte für beispielsweise Windkraftanlagen müssen gut überlegt werden. Ihre Auswirkung auf die Landschaft, auf die Menschen, die sicher gerne „weg vom Atomstrom“ unterschreiben, muss zwingend berücksichtigt werden. Man kann sehr gut verstehen, wenn sich Menschen nach Recht und Gesetz gegen einen so massiven Eingriff in ihr Leben, in ihre Existenz, wehren, wenn 600 Meter entfernt von ihnen 200 Meter hohe Windkraftanlagen entstehen sollen. Wenn das Gesetz dies zulässt, stellt sich die Frage, ob es richtig sein kann. Damit die Belastungen für alle erträglicher sind, müssten Vorgaben nach transparenter Prüfung geändert werden. Und wenn dies zum Ergebnis hat, dass Abstandsflächen erhöht werden müssten, dann sind im dort eben keine Windkraftanlagen möglich. Dann muss die neue Energie dort produziert werden, wo Umwelt und Menschen nicht vergleichbar beeinträchtigt werden. Warum nicht die neue Energie über weite Strecken fördern, Öl und Gas werden auch über Kontinente bewegt?

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