Borbyer Dorfplatz : Holtorf macht den Laden dicht

 und Christina und Carsten Holtorf.
und Christina und Carsten Holtorf.

Fleischer Carsten Holtorf schließt zum 5. Juli aus gesundheitlichen Gründen sein Ladengeschäft. Party-Service, Mittagstisch, Großkundenbetreuung und Verkauf auf Bestellung laufen aber weiter.

Arne_Peters-8499.jpg von
13. Juni 2015, 05:53 Uhr

Eckernförde | Es ist ein harter Schlag für Borby: Die Fleischerei Holtorf schließt in drei Wochen ihr Ladengeschäft. Gesundheitlichen Gründen sei dieser Schritt geschuldet, sagt Inhaber Carsten Holtorf. Und kündigt gleich an: „Es geht weiter... nur anders.“

Gleich vorweg gesagt: Die Schließung des Ladens hat keinen Einfluss auf die anderen Standbeine der Fleischerei: Der Party-Service läuft weiter wie gehabt, auch die Belieferung von Gastronomie-Betriebe und Groß-Kunden, es gibt weiterhin täglich einen Mittagstisch, und auch der Brötchenautomat bei der Firma Punker wird weiterhin bestückt. „Wir produzieren weiterhin“, sagt Carsten Holtorf. „Auch für den ganz normalen Kunden, der hier im Laden seinen Aufschnitt und sein Schnitzel geholt hat. Er muss ihn in Zukunft nur einen Tag vorher bestellen.“

Dem 44-Jährigen fällt der Schritt nicht leicht, er sieht aber keine Alternative. Die Gelenke machen nicht mehr mit, in den vergangenen fünf Jahren hatte er fünf Operationen. Kein Wunder: „Seit 28 Jahren bin ich im Beruf, seit 17 Jahren an sieben Tagen in der Woche, und das von 5 bis 19 Uhr.“ Ständiges Stehen und immer wiederkehrende Bewegungen bei der Fleisch- und Wurstproduktion fordern ihren Tribut. Nun möchte Carsten Holtorf seine Arbeitszeit auf eine erträgliche Stundenzahl reduzieren, auch um mehr Zeit für die Familie zu haben.

Am 1. August 1987 begann Carsten Holtorf seine Fleischereilehre in dem Unternehmen, das er später übernahm. Zuvor führte Wilhelm Berg die Fleischerei, davor dessen Onkel. „Wie lange es die Fleischerei hier schon gibt, weiß ich gar nicht“, sagt Carsten Holtorf, „aber das Haus steht seit 1898, und seitdem gibt es bestimmt auch den Betrieb.“ Er ist stolz auf seine Arbeit: „Wir arbeiten noch nach dem handwerklichen Prinzip.“ Milcheiweiß komme ihm nicht in die Wurst, auch keine zusätzlichen Bindestoffe.

Mit Voll- und Teilzeitkräften beschäftigt der Fleischermeister 15 Angestellte. Fünf müssen sich nun einen neuen Job suchen, darunter seine Frau Christine. Der ein oder andere hat schon einen gefunden. „Ohne den Laden lässt sich anders arbeiten“, so Holtorf. „Es ist alles besser planbar.“ Einfach mehr Personal einstellen, würde seiner Meinung nach nichts nützen. „Ich wäre wegen des Ladens ja doch den ganzen Tag im Betrieb.“

Für den Borbyer Dorfplatz ist das ein harter Schlag. Schon seit 2012 steht der Lindenhof leer, ab 5. Juli schließt der Laden der Fleischerei Holtorf. Übrig bleiben die Tischlerei Pinn und die Richard-Vosgerau-Schule, die Leben in das Herz Borbys bringen.

Seinen Laden will Carsten Holtorf umbauen zu einer Partyservice-Ausgabe. „Der Tresen kommt weg, dafür installieren wir eine Einschweißstraße.“

Nun hofft er darauf, dass die Kunden Verständnis dafür haben. Am 4. Juli ist der letzte Verkaufstag im Laden.

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