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Holocaust-Überlebende: „Es darf nie wieder passieren“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Radiojournalistin Magdalena Kemper präsentiert einzigartige Tondokumente in der Stadtbücherei

von
erstellt am 16.Feb.2016 | 06:47 Uhr

Im Rahmen der LesArt-Reihe in der Stadtbücherei hat die Berliner Radiojournalistin Magdalena Kemper das Hörbuch „Als Kind wünschte ich mir goldenen Locken“ vorgestellt. Während ihrer Zeit beim Sender Freies Berlin (SFB) und später dem Radio Berlin Brandenburg (rbb) hat sie Gespräche mit Holocaust-Überlebenden geführt. Zusammengefasst wurden sie in einer Kassette mit vier CDs veröffentlicht. Beispielhaft hatte sie für diesen Abend fünf Ausschnitte aus elf Gesprächen ausgewählt. Dokumente, die durch verbindende Worte Magdalena Kempers noch an Eindringlichkeit gewannen.

Gespräche mit Überlebenden zeigten Lebensgeschichten auf: Mit bewegter Stimme wurden erlebte Gräuel, die Ausgrenzung und Verfolgung im eigenen Land geschildert. Bedrohung, Deportation und brennende Synagogen gehörten damals zum Alltag. Immer dabei: Die fragende Magdalena Kemper aus den Lautsprechern, und live mit einleitenden, erklärenden Kommentaren.

Elf Gespräche sind in dem Hörbuch (das von der Stadtbücherei ausgeliehen werden kann) dokumentiert. Sie zeigen Mittel und Wege des Überlebens, auch wie die Fotografin Giselle Freund das Frühjahr 1933 überlebte: „Als Hitler kam, war alles sofort anders. Es wurde vergewaltigt, gedroht und getötet. Die Nazis misshandelten Freunde, haben sie halb totgeschlagen!“ Beklemmende Worte. Für Hilde Domin („Das Schreiben hat mir das Leben gerettet“) waren „Herz, Kopf und Rückgrat die wichtigsten Körperteile“.

Gerhard Klein, damals Kinderstar, der schon im jungen Alter von 13 Jahren mit einem Auftrittsverbot belegt wurde, fragte sich als Überlebender „Alle tot, warum habe ich überlebt?“ Die Schriftstellerin Salomea Genin schildert das Leben als Jüdin mit vielen Privilegien in der Nachkriegs-DDR und erkannte spät: „Ich folgte den falschen Göttern.“ Sie empfand die Partei als Familienersatz.

Ein großer Teil der Interview-Partner haben ihre Erfahrungen in Büchern veröffentlicht. So erkannte auch Inge Deutschkron in „Ich trug den gelben Stern“ in dem Buch „Mein Leben nach dem Überleben“: „Man muss immer nur kämpfen. Irgendwie kommt doch etwas raus.“ Um die 160 000 Juden lebten seinerzeit in Berlin, etwa 1600 überlebten versteckt. Wie auch Margit Friedlander, die in eindringlichen Worten das lebensgefährdende Tun und die Gefahren ihrer „Verstecker“ schildert. Jetzt, im Alter von 94 Jahren, klärt sie in Schulen über die damalige Zeit auf. Für alle Schicksale gilt, dass aus ihren Erlebnissen in der Vergangenheit eindringliche Mahnungen für die Zukunft abzuleiten sind. Nicht nur sie ist überzeugt: „Es darf nie wieder passieren!“


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