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Keime in der Schlei : Holmer Strand droht endgültiges Aus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Badestelle Fleckeby/Götheby bleibt auch 2014 wegen Keimbelastung geschlossen. Diffuse Einträge und statistische Berechnungen treiben Werte nach oben. Die Gemeinde fürchtet negative Folgen für den Tourismus und erwägt eine endgültige Abmeldung.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2013 | 06:03 Uhr

Eines steht fest: Auch 2014 wird die Badestelle am Holmer Strand an der Schlei geschlossen bleiben. Dies gab René Kinza, Ordnungsamtleiter beim Amt Schlei-Ostsee, Dienstagabend im Umwelt- und Tourismusausschuss bekannt. Erneut habe der E.coli-Wert über dem Grenzwert der EU-Badewasserrichtlinie gelegen. Schon in diesem Jahr musste aufgrund der hohen Keimbelastung ein Badeverbot ausgesprochen werden (wir berichteten). Vor allem diffuse landwirtschaftliche Einträge in die Hüttener Au und die Osterbek seien dafür verantwortlich, so Kinza. Der Fachmann hob zudem Probleme der statistischen Berechnung hervor, die aus dem Messsystem resultiere.

„Die EU-Richtlinie wurde 2006 um das Vierfache verschärft“, so Kinza. So wurde der Grenzwert von 2000 fäkalcoliformen Bakterien je 100 Milliliter auf 500 gesenkt. Zugleich finde keine jährliche Betrachtung mehr statt. „Es werden die letzten vier Jahre berücksichtigt, indem aus allen Proben ein Mittelwert gebildet wird. Liegt dieser über dem Grenzwert, gilt der Ort als ungeeignet zum Baden.“ Ausreißer ziehen das Gesamtergebnis herunter, zeigte der Kinza anhand der Zahlen vergangener Jahre. So einen gab es etwa 2010: „Da lag der Wert einmal bei 800, davor und danach war er teilweise sogar bei 10 oder 35 – das ist topp“, erklärte Kinza vor dem neu eingesetzten Ausschuss unter Leitung des Vorsitzenden Hans-Georg Kruse (SSW). „Ich habe schon deutlich schlechtere Zahlen gesehen, aber die 800 verfolgt uns eben vier Jahre lang.“

Allein auf Statistik wollte der Fachmann die Probleme an der Badestelle aber nicht schieben. Auch nach alter Richtlinie habe man immer mal kritische Werte gehabt. „Hüttener Au und Osterbek entwässern 80 Quadratkilometer vor allem landwirtschaftliche Fläche. Da gibt es reichlich diffuse Einträge.“ Der Vermutung eines Bürgers, die schlechte Wasserqualität könne durch Schadstoffeinträge aus ehemaligen Mülldeponien an der Au resultieren (wir berichteten), werde der Kreis zudem zeitnah nachgehen, versprach Kinza. Die Untere Wasserbehörde (UWB) wolle je zwei Proben entnehmen – unmittelbar vor und hinter den Deponien. „Ein Probe kostet 1500 Euro, weil man nicht weiß, wonach man sucht und deshalb alle möglichen Tests durchführt“, so Kinza. Solange keine Ergebnisse vorliegen, beteilige er sich nicht an Spekulationen. In der Vergangenheit habe es jedoch keine Hinweise auf Schadstoffe in der Au gegeben.

„Schadstoffe und Nährstoffe trenne ich sehr“, betonte Bürgermeisterin Ursula Schwarzer (SPD) Dienstagabend. Die Möglichkeiten der Gemeinde, die Wasserqualität der Schlei zu verbessern, seien eingeschränkt. „Wir liegen am Ende des Vorfluters und können die Einleitungen außerhalb unserer Grenzen nicht aufhalten.“

Ähnlich beurteilte auch der Ordnungsamtsleiter die Situation. „Es hilft aber nichts zu sagen, ‚dass kommt ja nicht von uns‘. Den Urlaubsgast, der in Fleckeby nicht baden kann, interessiert das nicht.“ Er empfahl dem Umwelt- und Tourismusausschuss deshalb, über eine dauerhafte Abmeldung des Holmer Strandes als Badestelle nachzudenken. Ursula Schwarzer kündigte in diesem Zusammenhang eine Einwohnerversammlung an. „Erstmal warten wir aber jetzt die Ergebnisse der Proben an den Deponien ab.“

Das Entfernen von Kammlaichkraut, das auch in der Schlei die Sicherheit von Badegästen gefährdet, wurde durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises innerhalb der Badegebietsgrenzen genehmigt, teilte René Kinza darüber hinaus im Rahmen der Sitzung mit.

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