zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 04:56 Uhr

Hollmanns kritische Abschiedsworte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Scheidender CDU-Ratsherr kritisierte Zersplitterung in der Ratsversammlung und fehlende Entschlusskraft. Dirk Willi Möller rückt nach

von
erstellt am 31.Mai.2017 | 06:01 Uhr

Eckernförde | Mit einer klaren Botschaft hat sich Ratsherr Jörg Hollmann (CDU) am Montagabend nach 19 Jahren aus der Ratsversammlung verabschiedet. Hollmann wird als stellvertretender Landesgeschäftsführer der CDU nach der Kommunalwahl 2018 beruflich kürzer treten und sich mit seiner Frau mehr um sein zweites wirtschaftliches Standbein, der Vermietung von Ferienwohnungen in Büsum, kümmern und in seine Heimatstadt ziehen. Bürgervorsteherin Karin Himstedt (CDU) würdigte Hollmanns Verdienste um die Stadt, für die er bereits 2013 mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille ausgezeichnet wurde. Sie erinnerte auch an seinen Einsatz als Kreistagsabgeordneter und Hauptausschussvorsitzender für den Erhalt der Kinderstation und Geburtshilfe der Imland-Klinik in Eckernförde sowie die Sanierung der Kreisfinanzen – „das war zum großen Teil dein Werk.“

In seiner Abschiedsrede vor der Ratsversammlung dankte Hollmann allen Ratskollegen und Mitarbeitern der Verwaltung. Es habe immer Spaß gemacht, „um die Sache zu streiten, aber dabei die Dinge trotzdem voranzubringen.“ Es seien „starke Charaktere“ dabei gewesen, blickte er auf seine fast 20-jährige Zeit als Ratsmitglied zurück. „Das hat das Miteinander hier ausgezeichnet: In der Sache hart kämpfen, ab und zu vielleicht auch mal hart diskutieren, aber sich hinterher immer wieder in die Augen gucken können.“ Die Zuverlässigkeit sei ihm dabei besonders wichtig gewesen. „Zuverlässigkeit heißt, sich gegenseitig zu vertrauen und zu seinem Wort zu stehen.“ Das bedeute auch, im politischen Meinungsbildungsprozess „nicht populistisch einzuknicken und die Fahne nach dem Wind zu drehen“, wenn es mal „ein bisschen Gegenwind“ gibt. Zuverlässigkeit sei eine Tugend, so Hollmann, „diese ist leider in den letzten Jahren ein wenig verloren gegangen.“

Er sei ein „großer Verfechter der repräsentativen Demokratie“. Eckernförde habe jahrzehntelang sehr gute Erfahrungen mit „klaren Mehrheiten“ und „klaren Entscheidungen“ gemacht. Viele Jahre sei die SPD führend gewesen, seit 2003 dann die CDU. „Das hat Eckernförde bis 2013 gut getan.“ Die Stadt habe sich in diesen Zeiten gut entwickelt, die Infrastruktur sei ausgebaut worden, es seien viele Angebote in der Kinderbetreuung und an den Schulen hinzugekommen, in der Kultur und Umweltpolitik habe Eckernförde sich landesweit eine Vorbildfunktion erarbeitet – man sprach von der „Boomtown Eckernförde“.

Es sei „deutlich zu erkennen“, dass die nach der Kommunalwahl 2013 eingetretene Zersplitterung in sieben Parteigruppierungen der Ratsversammlung nicht gut getan habe. „Es wird viel geredet – aber entschieden zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger wird kaum noch etwas“, kritisierte Hollmann. In den vergangenen fünf Jahren sei man beispielsweise „mit unserem Kino kein Stückchen vorangekommen. Und somit hat unsere Jugend auch noch keinen neuen Skaterpark.“ Auch bei der Nooröffnung „will es auch nicht mehr so richtig vorangehen“. Jeder möge das für sich bewerten, „mich hat es in letzter Zeit nachdenklich gemacht“.

Sein Kreistagsmandat und den Vorsitz im Hauptausschuss wird Hollmann bis 2018 ausüben. Dort werde er sich weiter für die Interessen Eckernfördes einsetzen. Zum Beispiel in den Haushaltsberatungen, um die Kreisumlage bei 31 Prozent zu halten, wovon auch Eckernförde profitiert. Vor allem aber müssten alle Eckernförder zusammen kämpfen, um die Geburtsstation zu erhalten und den Krankenhausstandort insgesamt zu sichern. „Leider ist die Eckernförder Lobby im Krankenhaus nicht allzu groß.“ Es gebe keinen Eckernförder im Aufsichtsrat. „Selbsternannte Heilsbringer“, die die Geburtsstation retten wollten, würden leider „immer mehr Unruhe und Zwietracht“ schaffen. Gegenseitige Schuldzuweisungen erschwerten die Lösung der Probleme zusätzlich, so Hollmann. „Jetzt müssen wir uns nach den Aussagen aus dem Sozialministerium und der Ärztekammer gemeinsam auf das Machbare konzentrieren und nicht noch unerfüllbare Forderungen aufstellen.“

Als Nachfolger steht ab sofort Dirk Willi Möller bereit. Der 50-jährige Niederlassungsleiter für Dachdeckerbedarf war bislang bereits bürgerliches Mitglied für die CDU im Bauausschuss . Entsprechend „gestählt“, so Himstedt“, werde er nun auch in der Ratsversammlung „leichtes Spiel“ haben.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen