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zinsniveau : Hohe Dispozinsen auch für Eckernförder Bankkunden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförder Banken liegen über dem von Stiftung Warentest berechneten durchschnittlichen Dispozinssatz.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 06:01 Uhr

Die Dispozinsen vieler Geldinstitute sind deutlich zu hoch. Das zumindest ist das Ergebnis einer Erhebung von Stiftung Warentest im September dieses Jahres. Stiftung Warentest untersuchte die Dispozinsen von 1504 Banken: Wer mit seinem Girokonto ins Minus gerät, muss mit Zinsen von bis zu 14,25 Prozent rechnen. Daneben ermittelten sie Zinsunterschiede zwischen den Banken von fast zehn Prozentpunkten. Der durchschnittliche Dispozins betrug 10,65 Prozent.

Bei den vier Eckernförder Geldinstituten Eckernförder Bank, Förde Sparkasse, Hypovereinsbank und Commerzbank liegt der Dispozins zwischen 11,15 und 12,05 Prozent und damit über dem von Stiftung Warentest errechneten Durchschnittszins. Doch warum? Die Geldinstitute können derzeit nämlich für weniger als ein Prozent Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen – die hatte den Leitzins im September auf ein Rekordtef von 0,05 Prozent gesenkt.

Warum also ist der Dispozinssatz so hoch? „Der Dispokredit ist ein besonderes Angebot“, antwortet Dirk Thode von der Förde Sparkasse. „Er dient dazu einen kurzfristigen Kreditbedarf zu decken und so die Zeit bis zum nächsten Zahlungseingang zu überbrücken.“ Ähnlich die Commerzbank: Der Dispozinssatz decke die Risikokosten für einen Kredit rund um die Uhr ab. So ist es auch bei der Eckernförder Bank, doch betont Pressesprecherin Nicole Stoltenberg, dass zwar Dispozinsen, aber keine Zinsen bei einer Überziehung über den Dispo hinaus berechnet werden. Fest steht: Der Dispozinssatz ist an einen Referenzzinssatz gekoppelt. Steigt der Referenzzins, so steigt auch der Dispozins. Wie jedoch der Dispozinssatz genau kalkuliert wird, geben die Banken nicht preis.

Der hohe Dispozinssatz ist eine Praxis, die vor allem Verbraucherschützer scharf kritisieren. „Der niedrige Leitzins hat sich nicht in einem niedrigen Dispozins niedergeschlagen“, sagt Michael Herte, Leiter des Referats Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Banken finden immer wieder Ausreden dafür, warum ein Dispokredit im Vergleich zu anderen Darlehen so teuer ist. Oft geben sie an, dass die hohe Flexibilität des Dispos und die fehlende Absicherung – Kredit ohne Sicherheiten – sich im Preis ausdrücken müsse.“

Kunden können das Darlehen flexibel abrufen und zurückzahlen, wann sie wollen. Diese Flexibilität birgt für die Banken jedoch Risiken, die ihren Preis haben – die Dispozinsen fallen dadurch mitunter viermal so hoch aus wie bei anderen Darlehen, etwa solchen zur Baufinanzierung, die derzeit schon um die zwei Prozent zu haben sind.

Es sei aber fraglich, ob diese Argumentation überzeugt, so Herte. „Banken verdienen eine Menge Geld mit derart hohen Zinsen.“ Ein fairer Dispozins sollte nach Auffassung des Verbraucherschützers deutlich unter zehn Prozent liegen. Laut Herte gebe es derweil jedoch keine Tendenzen, dass die Banken etwas in diese Richtung unternehmen.

Welche Möglichkeiten haben also Verbraucher, sich gegen diese Zinspraxis zu wehren? „Verbraucher können ihre Bank ‚sanktionieren‘, indem sie ihr Darlehen auf sogenannte Kleinkredite oder Konsumdarlehen umschulden und so ihr Giro-Darlehen refinanzieren“, so Herte. Für diese Produkte erheben Geldinstitute oftmals Zinsen unter zehn Prozent. Daneben könne man sich im Internet über alternative Online-Angebote informieren, die oft ebenfalls geringere Dispozinsen anbieten.


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