zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

18. Oktober 2017 | 15:37 Uhr

Geburtstag : Hochzeit während des Fronturlaubs

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hermann Ulrichs feiert heute seinen 100. Geburtstag/ Als erster aus seinem Dorf besuchte er das Gymnasium

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 09:06 Uhr

Altenholz | Von seiner Generation gibt es nur noch wenige. Grund genug, auf das ereignisreiche Leben von Hermann Ulrichs zurückzublicken, der heute seinen 100. Geburtstag feiert. „Alles begann 1917 in der Landesfrauenklinik in Danzig-Langfuhr“, sagt der Rentner. Doch seine Kindheit verbrachte er nicht in Danzig sondern in Lübtow in Hinterpommern. Dort stand das elterliche Gut. „Nach Stettin waren es 300 Kilometer und nach Berlin sogar 500“, erklärt Ulrichs die Lage seiner Heimat. Von der Dorfschule hatte es zu dieser Zeit noch niemand auf ein Gymnasium geschafft. Doch dann kam er. Als erster durfte er die Preußische Kadettenanstalt in Köslin besuchen. „Das kostete damals 100 Mark im Monat. Davon hätte mein Vater auch vier vollwertige Knechte beschäftigen können“, so Ulrichs.

Jedoch war sein erstes Zeugnis eine Enttäuschung. „Da waren etliche mangelhafte Noten drauf“. An diesem Punkt plagten ihn das erste Mal große Zweifel, doch auch der Kämpfer in ihm wurde wach. Auf dem nächsten Zeugnis war keine mangelhafte Note mehr. Im Gegenteil, Ulrichs bekam ein volles Stipendium. „An diesem Punkt konnte ich die guten Gene meiner Eltern einfach nicht weiter unterdrücken“, scherzt Ulrichs.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen wurde er aus der Schule rausgeschmissen. „Angeblich hatten wir den Wachtdienst vernachlässigt“. Sein Abitur machte er dann 1936 in Plön. „Planmäßig“, wie er stolz betont. Nach der Schule begann für ihn der Zweite Weltkrieg. Sein Ziel war die Kavallerie. Auch hier zeigten sich seine herausragenden Fähigkeiten. Schon im ersten Jahr seiner Ausbildung bekam er wegen seines hohen Wissensstandes über Taktik und Formation fünf Tage Sonderurlaub. Reiten lernte er von Kurt Hasse. Der mehrfache Goldmedaillengewinner der olympischen Spiele 1936 im Springreiten bescheinigte ihm, ein sehr guter Reiter zu sein. „Darauf bin ich auch heute noch sehr stolz“, betont Ulrichs. Im Krieg selber wurde er in Polen, Frankreich und in Russland eingesetzt und dabei fünf mal zum Teil schwer verwundet. Jedoch lernte er auch seine Ehefrau Ursula Ulrichs, geb. Mentzel kennen. Die Verlobung wurde per Brief besiegelt, als er an der Ostfront war. Am Heiligabend 1944 schließlich heiratete er seine Frau während eines Fronturlaubes. Bei der Ostoffensive der Roten Armee schließlich wurde er schwer verwundet und landete über Umwege in der Nähe von Oldenburg. „Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass meine Eltern und meine Frau getötet wurden“. Doch es kam anders. Eines morgens standen sie vor ihm in Oldenburg. Sie konnten fliehen und liefen rund 850 Kilometer zu ihm. „Diese Freude kann sich keiner vorstellen“. Von diesem Zeitpunkt an kümmerte er sich um die Verwaltung von landwirtschaftlichen Betrieben und konnte auch hier große Erfolge feiern. Bis zu dem Zeitpunkt, als er in Altenholz selbst einen Hof kaufte. Diesen vergrößerte er von anfangs 20 Hektar auf knapp 195. Aktuell wird der Hof von seinem Sohn, Jesko, bewirtschaftet. Nebenbei hat er auch noch die Wählergemeinschaft Altenholz gegründet und war jahrelang im Kirchenvorstand aktiv. Heute ist sein Leben etwas ruhiger geworden. Er liest gerne und viel. Dabei diskutiert er offen über brisante Themen. Nur seine Passion, die Jagd wird er zum 31. März aufgeben. „Es wird doch etwas anstrengend“, sagt er und lacht. Mit ihm zusammen feiern seine fünf Kinder, acht Enkel und zwei Urenkel.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen