Unruhige Nacht : Hochwasser hält Eckernförde in Atem

Ein mächtiger Wasserschwall hat das Hafenbecken gestern Abend bis an den Rand gefüllt.
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Ein mächtiger Wasserschwall hat das Hafenbecken gestern Abend bis an den Rand gefüllt.

Der Pegel steigt auf 1,70 über Normal Null – der Hafen ist bis an den Rand gefüllt. Knapp 100 Hilfskräfte sind von 20 bis 2 Uhr im Einsatz.

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06. Januar 2017, 06:35 Uhr

Eckernförde | Es stand spitz auf knopf. Je später der Abend, desto höher der Pegelstand im Eckernförder Hafen: 6,50, 6,60, 6,70 Meter – 1,70 Meter über Normal Null, Höchststand in der Nacht zu gestern. „Wir hatten bis 1 Uhr steigendes Wasser“, sagte der Eckernförder Wehrführer Meint Behrmann, der den Hochwassereinsatz von 20.30 bis 2.30 Uhr rund um den Hafen leitete und dabei knapp eine Hundertschaft zu koordinieren hatte. Was sich beim krisenerprobten Wehrführer so sachlich und unspektakulär anhört, entbehrte nicht einer gewissen Dramatik: der Hafen war voll bis zum Rand. Hier und da – vor allem vor dem Yachtsportgeschäft von Thomas Nielsen auf der Borbyer Seite neben der Holzbrücke –, schwappte die Ostsee über die Kaimauer. Ein überspülter Schaltkasten begann zu qualmen und musste vom Netz genommen werden. Mehr Wasser hätte nicht kommen dürfen, dann wäre Eckernförde buchstäblich abgesoffen. Die „Wanne“ war zwar voll, sie reichte an diesem Abend aber gerade so aus, um eine Überflutung und damit große Schäden zu verhindern. Ein Glücksfall war es, dass der Wind im Hafen erstens schwach und zweitens aus Nord, Nord-Ost kam und somit kein Wasser in den Hafen geblasen wurde. Draußen auf See und an der mecklenburgisch-vorpommerschen Küste ging es deutlich stürmischer zu.

Um 20.30 Uhr wurden die Einsatzkräfte mit dem Überschreiten der mittleren Hochwasserlinie von 6,28 Meter an den Hafen geschickt – Polizei, Freiwillige Feuerwehr Eckernförde, Technisches Hilfswerk Eckernförde und Louisenlund, städtischer Bauhof und Stadtgärtnerei, DRK-Betreuungsgruppe und Ordnungsamt. Da das Hochwasser angekündigt worden war, wurde bereits weit vorher Vorarbeit geleistet: Auf dem Bauhof wurden 1500 Säcke mit Sand gefüllt – rund 1100 wurden am Abend und in der Nacht von den Einsatzkräften auf Anforderung im Hafengebiet vor Türen und Zugänge gelegt. Die Hauseigentümer, Geschäftsinhaber und -pächter waren heilfroh über die schnelle und effiziente Hilfe. „Sensationell, das hat perfekt geklappt“, lobte Yachtsport-Inhaber Thomas Nielsen die Helfer, der neben ihm stehende Oliver Träger, Betreiber der Siegfried-Werft, nickte zustimmend. Auch Christian Lechten war froh, dass das THW seine Tapas-Bar „Tempation“ an vorderster Front der Hafenspitze mit Sandsäcken gesichert hat – sein Lokal ist nicht gegen Hochwasser versichert.

Vereinzelt musste die Feuerwehr Keller leerpumpen. Die Polizei war ab 21 Uhr mit Lautsprecherdurchsagen im gesamten Hafengebiet unterwegs und hat die Anwohner und Restaurantbesucher an der Schiffbrücke und im Vogelsang gebeten, ihre Fahrzeuge aus dem hochwassergefährdeten Gebiet zu entfernen. Dem kamen sie auch nach und parkten in höhergelegene Straßen um. Das war auch der Zeitpunkt für Oliver Träger, seinen Gäste in der Siegfried-Werft zu empfehlen, doch lieber den Heimweg anzutreten. Er selbst, seine Mitarbeiter, Gero von Gersdorff aus der Eigentümerfamlilie und Mitarbeiter seines Bauunternehmens packten anschließend kräftig mit an und unterstützten die Einsatzkräfte bei der Gebäudesicherung. Überhaupt gab es bei diesem Einsatz viele Berührungspunkte zwischen den Anliegern und den Helfern. „Das haben wir so auch noch nicht erlebt“, sagte ein zufriedener Einsatzleiter Meint Behrmann.

Das Hochwasser hat auffallend viele Eckernförder an den Strand und den Hafen gelockt. Sie wollten sich das Naturereignis, das in dieser Intensität zuletzt 2006 und 1996 vorgekommen war, nicht entgehen lassen.

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