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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 12:36 Uhr

Hochschule prüft Ausbildungsgang

vom

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Altenholz | "Die Polizei sucht Nachwuchs mit Grips", "Zu schlaff, zu ungebildet: Polizei fehlt der Nachwuchs", "Polizeinachwuchs bereitet Probleme" oder "Möchtegern-Polizisten sind dümmer, als die Polizei erlaubt - 97 Prozent fallen beim Eignungstest durch" - Schlagzeilen wie diese zeichneten ein falsches Bild von den Nachwuchskräften der Polizei, kritisiert Professor Hartmut Brenneisen, Dekan des Fachbereichs Polizei an der Hochschule für Verwaltung und Dienstleistung (FHVD) am Rehmkamp. Er ist von der Leistungsfähigkeit und Qualität der angehenden Kommissare überzeugt. Vielmehr stellt er die Verfahren, an denen Bewerber gemessen werden, in Frage.

Von den 85 neuen Studierenden, die gestern an der FHVD im Fachbereich Polizei willkommen geheißen wurden, hätten 13 ein abgeschlossenes Studium, 13 eine abgeschlossene Berufsausbildung, und 16 weitere hätten schon mal ein Studium aufgenommen, wenn auch nicht abgeschlossen. Volljuristen mit zweitem Staatsexamen seien ebenso darunter wie Wirtschaftswissenschaftler und Lehramtsabsolventen, stellt Brenneisen fest. Das spreche für die Qualität der Studierenden. Es sei nun an der Hochschule zu ermitteln, ob die Ausbildung noch optimal aufgestellt ist, welche Vorkenntnisse der einzelne mitbringt, ob sie im Studium und bei der späteren Verwendung berücksichtigt werden können. Wer beispielsweise Wirtschaftswissenschaften studiert habe und als Kommissar im Bereich Wirtschaftskriminalität eingesetzt werde, der könnte im Studium des Polizeivollzugsdienstes weniger draufsatteln müssen, wenn seine Vorkenntnisse anerkannt würden, führt der Professor aus.

Die Erstsemester erhalten deshalb erstmals einen Fragebogen, der Aufschluss über ihren bisherigen Werdegang und ihre Motivation für einen Einstieg bei der Polizei geben soll. Es gebe zwar bereits einige Doktorarbeiten zu dem Thema. doch überzeugten sie ihn nicht, sagt Brenneisen. "Wir wollen für Schleswig-Holstein selbst etwas machen", erläutert er und kündigt an, auf die Fragebögen Bachelorarbeiten folgen zu lassen und die Befragung auch auszudehnen auf ehemalige Studierende mit der Zusatzfrage, ob sich ihre Erwartungen an den Beruf erfüllt haben.

Melanie Riedel-Kirmes aus Wahlstorf, hat das Auswahlverfahren, das alle neuen Studierenden als schwer empfanden, gemeistert und als Offizier bei der Bundeswehr bereits ein abgeschlossenes Politik-Studium hinter sich. Die Polizei wäre schon vor Jahren ihre Alternative zur Bundeswehr gewesen. Doch als sich Anfang 2000 die Chance für Frauen bot, zum Bund zu gehen, schlug sie diesen Weg ein. Sie hätte jetzt Berufssoldat werden können mit guten Aufstiegschancen, entschied sich aber dagegen, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beim Bund sehr schwer geworden sei. Die vergangenen drei Jahre unterrichtete sie selbst an der Marine-Unteroffiziersschule in Plön. Dass sie nun selbst wieder die Schulbank drückt, sei schon eine Umstellung, räumt die 32-Jährige ein. Aber sie freue sich auf das bevorstehende Studium. Genauso geht es auch Daniel Burmester, Jurist mit zweitem Staatsexamen, der schon als Anwalt gearbeitet hat. Weil ihn das Strafrecht mehr und mehr interessierte, bewarb er sich für das Studium Polizeivollzugsdienst. Der 31-jährige Kieler erwartet eine größere praktische Komponente, als ein Jurist am Schreibtisch sie jemals haben könnte, erklärt er. Auch Yvonne Marquardt aus Kiel hat ein Diplom in der Tasche. Die 24-jährige Psychologin hat sich schon immer für Rechtspsychologie und Vernehmenstechniken interessiert und hofft, später im Bereich operativer Fallanalysen arbeiten zu können. Sie freut sich darauf, an der FHVD mehr praktische Dinge zu machen, als sie es vom bisherigen Studium gewohnt war.

Merle Sievers und Kai Genz haben gerade ihr Abitur gemacht und sind über ein Praktikum bei der Polizei zu ihrer Berufswahl gekommen. Die Vielfalt der Aufgaben und die Möglichkeit, zwischen den einzelnen Bereichen wechseln zu können, reizt die 20-Jährige aus Tappendorf. Den 19-jährigen Owschlager fasziniert die Komplexität des Berufs, das Zusammenspiel von Theorie und Praxis und der Kontakt mit vielen Menschen. Im Studium freut er sich auf die Vielfalt der Fächer: "Ich will hier viel mitnehmen, um für den Polizeialltag gerüstet zu sein", sagt der angehende Schutzpolizist.

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