Textwerkstatt-Lesung : Hobby-Autorinnen und ihr Blick auf die Zeit

„Das Literarische Quartett Schwansens mit seiner Leiterin Ann-Kristin Jahrmann (v. li.): Regina Deuter, Ulla Engel, Jannine Angerer und Ute Hörcher.
„Das Literarische Quartett Schwansens mit seiner Leiterin Ann-Kristin Jahrmann (v. li.): Regina Deuter, Ulla Engel, Jannine Angerer und Ute Hörcher.

Lesung der „Textwerkstatt“-Autorinnen der Kappelner Bücherei im Café Hof Schwansen. Texte zum Thema „Zeit“.

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30. Mai 2018, 06:49 Uhr

Brodersby | Elizabeth George, Paul Auster, Juli Zeh, Orphan Parmuk, Astrid Lindgren – sie alle haben etwas gemeinsam. Sie sind Autoren, die von den vier aktuellen „Textwerkstatt“-Autorinnen der Kappelner Bücherei gerne gelesen und für ihre Art, Geschichten zu erzählen, bewundert werden. „Seit ich aktiv schreibe, lese ich ganz anders, schaue genau auf die Texte“, erklärt Regina Deuter, wie sich ihre Art zu lesen durch die eigene Autorenschaft verändert hat. Sie gehört zusammen mit Jannine Angerer, Ulla Engel und Ute Hörcher zu den vier Autorinnen der von Ann-Kristin Jahrmann an der Kappelner Bücherei geleiteten „Textwerkstatt“. Kürzlich luden sie gemeinsam in das Café Hof Schwansen, um ihre eigenen Text vorzustellen.

Bereits die erste Lesung des literarischen Quartetts hatte sich guter Resonanz erfreuen können und auch jetzt waren die Räume des Cafés gut besucht. Die Autorinnen hatten jeweils eine Erzählung anlässlich des Leseabends verfasst, die sich inhaltlich mit dem Thema „Zeit“ beschäftigt. Innerhalb der gemeinsamen literarischen Arbeit an den eigenen Texten spielt die Charakterisierung von Figuren, die Entwicklung des Plots, das Schreiben von Dialogen und das Finden der richtigen Erzählperspektive ebenso eine Rolle, wie das richtige Maß an Spannung.

Ulla Engel führte mit ihrer Erzählung „Schön“ konzentriert vor, wie eine ungewöhnliche Erzählperspektive Neugierde bei den Zuhörern erwecken kann. Eine ältere Dame, wohl im Altenheim ob der eigenen starken Pflegebedürftigkeit untergebracht, ist sich über ihren aktuellen Aufenthaltsort nicht im Klaren. Ihr Pflegebett nimmt sie innerhalb der Erzählung als „dunkle, stickige Kammer“ wahr, aus der sie das Pflegepersonal vergessen hat, hinaus zu lassen. Während sie auf jemanden wartet, der sie aus dem unfreiwilligen „Arrest“ befreit, sinniert sie über die amourösen Abenteuer und Lieben ihres Lebens und wird sich darüber bewusst, dass sie in ihrem Leben immer mehr auf die wahre Liebe als auf eine Versorgungsverbindung gesetzt hat und nun in diesem „dunklen Kasten“ unfreiwillig gefangen ist. Erst am Ende der Erzählung löste Autorin Engel auf, dass die Zuhörer den Irrungen und Wirrungen einer Traumerzählung der alten Dame aufgesessen sind, die sich im Altenheim befindet und nun vom Pflegepersonal mit einem „Guten Morgen, wie geht es uns denn?“ aus ihrem Schlaf geweckt wird.

Die weiteren Erzählungen waren: „Carpe diem oder Genieße des Tag“ von Jannine Angerer, Regina Deuters „Einfach so“, Ute Hörchers’ Text „Bescheidenheit“ und Ann-Kristin Jahrmanns „Wozu bist du geboren?“.

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