Eckernförde : Historischer Fassadenschmuck am Exer

Die Tonarbeiten aus dem Jahr 1869 als historische Zierde für den Neubau am Exer. Foto: Kühl
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Die Tonarbeiten aus dem Jahr 1869 als historische Zierde für den Neubau am Exer. Foto: Kühl

Trümmerteile des zerstörten Baldachin des Denkmals "Schlacht vor Eckernförde" als besondere historische Note in Neubaufassade integriert

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02. November 2012, 07:17 Uhr

Eckernförde | "Das muss was Altes sein", haben Julia und Armin Schulz gesagt, als sie die drei Tonteile in der Hinterhof-Hausfassade des Altbaus am Exer entdeckt haben. Daher erging der Auftrag an Bauleiter Jens Schumacher, die historischen Stücke zu sichern. Und daran haben die Bauherren gut getan: Denn die beiden Tonwappen und der Löwenkopf zierten einst tatsächlich ein altes Bauwerk - den Baldachin des Süderschanzen-Denkmals zur "Schlacht von Eckernförde" vom 5. April 1849. 23 Jahre später zerstörte die Sturmflut vom 13. November 1872 den Überbau, dessen Trümmer rund um den Obelisken verstreut herumlagen. Da ein Wiederaufbau offenbar nicht geplant war und die Bauteile von niemanden mehr benötigt wurden, hat der damalige Hausbesitzer vom Exer die drei ausgesuchten Trümmerteile an einer Hauswand verbaut. Das Denkmal selbst steht noch heute an Ort und Stelle im heutigen Kurpark: ein Obelisk mit vier darauf befindlichen Kanonenkugeln. Die Kanone ist nach Auskunft von Museumsleiter Dr. Uwe Beitz erst später dazugestellt worden.

Im Hinterhof am Exer fristeten die historischen Fundstücke bis dato ein Schattendasein. Das hat sich geändert: Die Handwerker trennten nun die Tonfiguren vorsichtig aus dem alten Mauerwerk heraus, deren feine Strukturen durch Sandstrahlarbeiten wieder zum Vorschein kamen. Seit kurzem zieren sie die vordere Fassade des schmucken Neubaus gegenüber der Stadtbücherei und geben ihm eine besondere historische Note. Und die soll noch durch eine weitere Aufarbeitung und Versiegelung des porösen Baustoffs sowie eine dezente Beleuchtung verstärkt werden. Zudem soll eine Schrifttafel interessierte Passanten über die Herkunft des Wandschmucks informieren.

Julia und Armin Schulz haben zur Identitätsklärung den Wissenschaftler und früheren Leiter des Volkskundemuseums, Dr. Heinrich Mehl, zu Rate gezogen. Zusammen mit der kundigen Stadtführerin Cäcilie Dronske sowie Musumsleiter Dr. Uwe Beitz und Restaurator Ralf Schröder machte sich Mehl auf die Suche nach dem Ursprung der jetzt gefundenen Denkmalteile. Nach ihren Recherchen handelt es sich um Teile des "sehr aufwendigen Denkmals ’Schlacht vor Eckernförde’", sagt Mehl, das 1869 eingeweiht worden ist, wie Museumsleiter Uwe Beitz auf EZ-Nachfrage ergänzte. Bauherr, so Beitz weiter, sei der frühere Eckernförder Bauschullehrer Germano Wanderley gewesen. Das Museum hat der Schlacht von Eckernförde (siehe auch Info-Katen) eine eigene, interessante und informative Abteilung gewidmet und dazu auch ein Sammelblatt mit den hier abgebildeten Aufnahmen herausgebracht, das im Museum erhältlich ist. Interesse wäre schon vorhanden gewesen, die Fundstücke im Museum zu präsentieren, sagte Beitz, das wäre aber nur mit Einverständnis der Eigentümer möglich gewesen.

Der Mittelteil des Denkmals, die Säule mit Inschriften und bekrönenden Kanonenkugeln aus dem Gefecht, steht heute noch an der Strandpromenade, das baldachinartiges Dach, "geschmückt mit Wappen und, an allen vier Ecken, mit steinernen Löwenköpfen" fiel dann der Sturmflut zum Opfer. Die erhaltenen Wappen zeigten nach Auskunft Mehls noch die "dänische" Form mit Blickrichtung der schleswigschen Löwen nach links. Erst nach 1864 hätten die Löwen nach rechts geschaut und nicht mehr, wie die Schleswig-Holsteiner sagten, dem holsteinischen Nesselblatt "ihr Hinterteil" entgegengereckt.

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