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Historische Zunftzeichen und erbauliche Werbeschilder

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auf den Spuren der Eckernförder Handwerkskunst: Zeichen von Standesbewusstsein und Selbstvertrauen

von
erstellt am 11.Apr.2014 | 16:26 Uhr

In früheren Jahrhunderten machten Handwerker auf ihr Angebot aufmerksam, indem sie ein typisches Werkzeug oder Produkt vor ihrer Ladentür zeigten. Die uns noch vertrauten Werbezeichen waren die der Gaststätten und Friseure. Ein über der Tür des Gasthauses aufgehängter Krug zeigte an, dass frisches Bier oder junger Wein angeliefert worden war. Vergleichbar ist der Zinnteller, auf dem die „Bartscherer“ und „Haarschneider“ den Rasierschaum anrichteten – der Kunde wusste, dass es jetzt Heißwasser und frischen Rasierschaum gab und er im Laden willkommen war. Vor dem Friseursalon Nissen in der Kieler Straße Süd hing einst ein solches „Rasierbecken“, später wurde es durch einen ovalen Spiegel mit der Inschrift „Hans Nissen Friseurmeister“, in den 1970er Jahren schließlich durch einen Neonkasten ersetzt; letztgenannte Zeichen sind inzwischen in „Zopfs Friseurmuseum“ nach Neu-Ulm gewandert.

Eckernförde kannte manche solcher Werbezeichen, doch sie sind allesamt verschwunden. An ihrer Stelle leuchten jetzt meterlange Neonanzeigen mit Designerschrift an den Geschäften. Am längsten hat sich die „Brezel“ als traditionelles Werbemotiv der Bäckereien erhalten. Der Name geht auf das lateinische Wirt brachium (Arm) zurück: Die Form mit großem mystisch-religiösen Hintergrund erinnert an über der Brust gekreuzte Arme. Heute sind noch zwei schmiedeeiserne Ausleger mit Brezelzeichen im Stadtmuseum zu sehen: von der Bäckerei Fritz Raabe (humorvoll mit einem schwarzen Raben ergänzt) und von der Bäckerei Nikolaus Struck, Bergstraße 20. Ein ähnlich vertrautes Motiv ist der Schlüssel, Zeichen der einst so wichtigen Schlosserzunft. Auch hier ist das letzte Exemplar ins Museum gewandert: ein handgeschmiedeter Ausleger in neubarocker Form mit einem angehängten Schlüssel und einem Schriftband mit der Bezeichnung „Chr. Hinrichsen“. Es soll aus den Jahren um 1873 stammen und für eine kurz nach der verheerenden Flut neu erbaute Werkstatt am Pferdemarkt 16 (Quartier I / 142) geworben haben. Christian Hinrichsen hieß auch ein Schlosser, der nach 1945 von diesem Werkplatz aus von Haus zu Haus ging, um Reparaturen auszuführen; sein Ökelname: Klingelheini.

Seit 1936 schmückt das Zunftzeichen der Tischler – Hobel, Zirkel und Lineal – als Arbeit in Backstein die ehemalige Werkstatt Hans Riel in der Gartenstraße. 1961 zog der Obermeister der Eckernförder Tischlerzunft mit seinem Betrieb in die Noorstraße. Ein vor wenigen Jahren von Herbert Retzlaff geformtes Symbol der Tischler ist auch im Eingangsbereich der Tischlerei Vosgerau + Retzlaff angebracht.

Mit Sympathie ist anzumerken, dass man in Eckernförde auch moderne Werbeschilder „gewagt“ hat, die der alten Tradition folgen. So hängt im Bereich „Ferienappartments“ von Café Heldt ein ovales Schild, das der Maler Falko Windhaus mit einem passenden Motiv geschmückt hat: Ein Schläfer mit Zipfelmütze liegt im Bett, über ihm wacht der Mond, unter ihm wartet eine Tasse mit dem Morgenkaffee. Und in der Schleswiger Straße findet sich am Haus des Raumausstatters Ingo Harwerth als Zunftzeichen der Möbelmacher ein schön stilisiertes Sofa. Historische Form und moderne Technik in Verbindung schließlich zeigt die Brezel vor der Vollkornbäckerei Kornkraft in der Langebrückstraße, die nachts in hellem Neonlicht erstrahlt.

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