Untersuchung in Fleckeby : Historische Gießform aber keine frühen Siedlungen gefunden

Otto West hat den anstehenden Unterboden genau im Blick, während Baggerfahrer Kim Marquardsen die Baggerschaufel mit Gefühl führt.
Otto West hat den anstehenden Unterboden genau im Blick, während Baggerfahrer Kim Marquardsen die Baggerschaufel mit Gefühl führt.

Bei einer archäologischen Voruntersuchung einer Wohnfläche der Gemeinde Fleckeby wurde eine bronzene Gießform entdeckt.

Dirk_Steinmetz-8463.jpg von
23. August 2020, 14:07 Uhr

Fleckeby | Eine bronzene Gießform für einen christlichen Anhänger etwa aus dem Jahr 1500, eine Ein-Pfennigmünze aus dem Jahr 1900, Nägel und Knöpfe – die Funde bei archäologischen Voruntersuchungen auf einer sechs Hektar großen Ackerfläche östlich von Götheby-Holm waren nicht umfangreich. Hinweise auf Siedlungs- und Lagerplätze aus der Steinzeit (vor über 4000 Jahren), der Bronze- (vor 3000 Jahren) oder der Eisenzeit (vor 2000 Jahren) haben Steffen Hauck und Otto West im Dienst des Archäologischen Landesamtes nicht entdeckt.

Steffen Hauck mit der Hälfte einer Gussform für einen kirchlichen Anhänger etwa von 1500.
Steinmetz
Steffen Hauck mit der Hälfte einer Gussform für einen kirchlichen Anhänger etwa von 1500.
 

Die Gemeinde Fleckeby hat die Fläche erworben und beabsichtigt dort eine wohnbauliche Erweiterung der Gemeinde. „Wir sind noch vor der Aufstellung des B-Plans“, erklärt Bürgermeister Rainer Röhl. Und so beobachteten Bürgermeister Röhl, Fleckebys Bauausschussvorsitzender Hans-Georg Kruse und Christian Meyer vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Eckernförde, ob und was die Archäologen beim Blick in die Erde entdecken. Denn sollten sie bei der routinemäßigen Voruntersuchung Hinweise auf historische Siedlungen und Gräber finden, dann müsste nach einer Lösung gesucht werden, um den Auflagen des Denkmalschutzes gerecht zu werden.

„Wir finden mit den Gemeinden und Vorhabenträgern eine Lösung“, sagt Steffen Hauck, der seit über 25 Jahren in Norddeutschland archäologische Untersuchungen betreibt. Eine Lösung wäre beispielsweise, bestimmte Fundbereiche aus der Überplanung auszuklammern, oder aber es könnten Grabungen erfolgen, um Funde sicherzustellen, bevor gebaut wird. Dies sei immer ein Einzelfall, der in Übereinstimmung mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden muss, macht der Fachmann deutlich.

Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

Entweder noch bevor B-Pläne aufgestellt werden, so wie in Fleckeby, oder aber im Zuge der Aufstellung eines B-Plans wird das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) als Träger öffentlicher Belange eingeschaltet. Im ALSH wird dann geschaut, ob es bekannte Denkmale oder Hinweise auf Verborgenes in dem maßgeblichen Bereich gibt und eine Voruntersuchung mit Suchgräben dafür nötig erscheint.

In Götheby war das der Fall. Die Nähe zum Osterwall, dessen weiterer Verlauf unbekannt ist, die Nähe zu Haithabu und auch zu den bereits ermittelten Steinzeitsiedlungen in Kosel waren Anlass, das Prüfteam einzusetzen.

Insgesamt wurden drei zwei Meter breite Suchgräben angelegt.
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Insgesamt wurden drei zwei Meter breite Suchgräben angelegt.
 

Die legten drei Suchgräben mit einem zwei Meter breiten Bagger an. Dabei musste Baggerfahrer Kim Marquardsen von der Firma Pagel & Paasch aus Güby genau so viel Mutterboden abtragen, bis der anstehende Unterboden offen lag. Und während die Erde abgekratzt wurde, beobachteten Otto West und Steffen Hauck die freigelegte Oberfläche genau. Doch da war nichts zu entdecken, weder Brand- oder Müllgruben, Urnen (für Gräber), noch Hinweise auf Holzbalken (für Gebäude) waren zu finden. „Das ist nur guter Sand“, erklärt Christian Meyer.

Den Fundort der Gussform markierte Enno Schloßer mit einem Stab.
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Den Fundort der Gussform markierte Enno Schloßer mit einem Stab.
 

Und auch wenn die Archäologen in dem anstehenden Boden keine Hinweise auf menschliche Tätigkeiten fanden, so zeugten die Funde von zwei Mitgliedern der Detektoren-Gruppe Schleswig-Holstein von früherer menschlicher Anwesenheit. Die Fundstücke stammen aus dem Mutterboden und lassen keine Rückschlüsse auf den ursprünglichen Standort zu. Durch die Ackerarbeit mit dem Pflug wurde vieles bewegt, verteilt und auch beschädigt, erklärt Steffen Hauck. Dennoch helfen die Funde der ehrenamtlichen Sondengänger, das Wissensbild des Standortes durch ihre Funde zu erweitern.

Einen Volltreffer landete Enno Schloßer aus Geltorf

Er konnte in wenigen Zentimetern Tiefe eine Hälfte einer Gießform aus etwa dem Jahr 1500 finden. „Das ist ein Exot“, sagt er glücklich, auch wenn er sie, wie alle Funde, die älter als aus dem Jahr 1650 sind, dem ALSH aushändigen muss. „So etwas zu finden, ist der Kick“, sagt der Geltorfer. Verzweifelt versuchten er und Regina Köhler aus Schülp die zweite Hälfte der bronzenen Gussform zu finden. Doch der Zufall wäre wohl zu groß gewesen. „Das ist schon ein sehr, sehr seltener Fund und etwas Besonders“, erläutert Archäologe Steffen Hauck die Bedeutung des Bronzestücks. Wie es dort hin kam, bleibt ein Rätsel.

Die Gussform für einen kirchlichen Anhänger
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Die Gussform für einen kirchlichen Anhänger
 

Regina Köhler hat 2019 einen Zertifizierungskurs für Sondengänger beim ALSH gemacht und damit die Lizenz erworben, nach Dingen im Mutterboden mit einem Metalldetektor zu suchen (https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/ALSH/Detektorinfos/ detektorinfos_node.html)

Ohne das Zertifikat sei das Sondieren nicht zulässig

Alles was älter als 1650 ist, muss abgegeben werden. Zusätzlich markieren die Finder die Fundstellen digital und informieren das ALSH über die Funde, die diese in eine Datenbank einpflegen. Tauchen im Laufe der Zeit mehrere Funde in einer Region auf, ergeben sich für die Fachleute Zusammenhänge, die möglicherweise weitere gezieltere Untersuchungen sinnvoll erscheinen lassen, erklärt Steffen Hauck. Für sie ist die Voruntersuchung in Götheby abgeschlossen. Die zwei Meter breiten Gräben werden wieder verschlossen, damit der Acker bis zu seiner weiteren Nutzung wieder bewirtschaftet werden kann.

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