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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 17:38 Uhr

Historische Backstein-Architektur

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gebäude um 1900 prägen den in Eckernförde vorherrschenden Baustil mit roten Ziegel / Noch viele gut erhaltene Beispiele in der Stadt

von
erstellt am 02.Aug.2017 | 06:50 Uhr

Auch wenn die gotische St. Nicolai-Kirche ein imposanter Bau aus Backsteinen ist, in Eckernförde wirklich prägend für dieses Baumaterial sind Gebäude um 1900. Altes Seminar / Finanzamt von 1885, Willers-Jessen-Schule von 1892, Kreishaus von 1894 und Alte Bauschule von 1900, Diederichsen Stiftung / Waldorfschule 1913 - 1915, Pestalozzi-Schule von 1921 oder, ein letztes Beispiel, das Rundsilo von 1931 sind von geschickten Handwerkern errichtet, die kunstvolle Maurer-Techniken beherrschten und mit Backsteinen sogar Inschriften schufen (Amtsgericht von 1922). Vieles davon wird der sogenannten Heimatschutz-Architektur zugeordnet, die seit der Gründung eines Schleswig-Holsteinischen Landesvereins zum Thema ab 1908 versuchte, regionale Bauformen zu schützen beziehungsweise neu zu entwickeln.

Backsteine oder Ziegel (von lateinisch tegere = bedecken) werden seit mindestens 7000 Jahren aus Ton oder tonhaltigem Lehm geformt und bei 900 Grad in Öfen gebrannt. Ein historisch beispielhafter Bau ist das babylonische Ischtar-Tor im Pergamonmuseum zu Berlin. Die große Mehrheit der Ziegel sind schlichte Rechtecke, daneben aber gibt es glasierte Baustücke, die Straßenfronten gliedern oder Fenster und Türen einfassen. Besonders dekorativ gestaltete Ziegelelemente werden Terrakotten genannt, sie zeigen florale Muster oder Schmuckmotive aus Gotik und Barock. Besonders wertvolle Stücke können noch „handgemacht“ bezeichnet werden, zumeist aber sind auch sie Massenprodukte, die Bauherren, Architekten und Maurermeister aus Katalogen heraussuchten.

Das Ziegelmaterial für Eckernfördes Großbauten stammen wohl aus Werkstätten in Dänemark, nach den 1860er Jahren aus Preußen und speziell Berlin. Im dänischen Broagerland lagerte in den zahlreichen Seen steinfreier Lehm ab, wichtiger Rohstoff für die zahlreichen Ziegeleien der Region. In Cathrinesminde hat sich eine große Ziegelei mit Ringofen und Knetmühle erhalten und dient heute als Museum. Im westlichen Brandenburg ist ein großes Ziegelei-Museum in Glindow zu besichtigen. In unserer Region gab es Ziegel-Herstellung, unter anderem in Borgwedel. Am Boden der Schlei soll dort heute noch ein gesunkenes, mit Ziegeln gefülltes Transportschiff aus dem frühen 19. Jahrhundert liegen.




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