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Stadthalle : Hiobsbotschaft: Attika ist marode

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stadt muss sich kurzfristig um die Erneuerung der Fassadenplatten an der Stadthalle kümmern. Sanierungskosten: rund 600 000 Euro.

Rost und Risse in den Fassadenplatten der Attika der Stadthalle, dazu möglicherweise in Teilbereichen nicht fachgerecht ausgeführte Arbeiten an den Betonkonsolen der Trägerkonstruktion bringen die Stadt in Zugzwang: Die mit großen Waschbetonplatten bewehrte Dachumrandung der Stadthalle droht auseinanderzubrechen, und die in Teilen schadhafte Aufhängung der Betonträger bietet keine Gewähr mehr für dauerhafte Sicherheit. „Es besteht dringender Sanierungsbedarf in einem Teilbereich der Stadthalle“, sagte Bürgermeister Jörg Sibbel am Mittwochabend im Bauausschuss. Die Kosten bezifferte er auf 600  000 Euro.

Das Thema „Zukunft der Stadthalle“ war kurzfristig per Dringlichkeitsantrag in die Tagesordnung aufgenommen worden. Grund war das fünfte Gutachten im Rahmen des von der Stadt beim Ingenieurbüro Reichenberger in Auftrag gegebenen Monitorings für die in die Jahre gekommene Fassadenkonstruktion der 1972 erbauten Stadthalle. Was Klaus Reichenberger und Bauingenieur Frank Richter zutage förderten, beunruhigte den Bürgermeister und Bauamtschef Roy Köppen zutiefst: Korrodierte Bewehrungseisen und poröse Betonplatten, die bei leichten Hammerschlägen abplatzten und zu Boden fielen und vor allem die nach eingehenderen Untersuchungen festgestellten „deutlichen Rissbildungen“ in den massiven Betonkonsolen hinter den Platten ließen die Alarmglocken schrillen. Das Rathaus sieht akuten Handlungsbedarf, die umlaufende Attika müsse umgehend saniert werden, um weitere Schäden zu vermeiden und die Sicherheit zu gewährleisten , sagten Sibbel und Köppen.

Seit 2008 hat das Büro Reichenberger die Fassadenplatten der Stadthalle im Blick. Schon damals gab’s Rissbildungen mit Betonabplatzungen. „Eine zeitnahe Sanierung ja, aber kein dringende Veranlassung“, sagte Richter bei der Präsentation der Schäden im Ratssaal. Seit 2013 registrierte der Gutachter jedoch vermehrt Rissbildungen an der Wasserseite der Attika, die 2014 noch stärker wurden. „Ich könnte Ihnen hunderte Bilder zeigen“, so Richter. Die wenigen, die er zeigte, genügten, und seine Beschreibungen reichten aus, um den Eindruck zu verfestigen, dass die Attika dringend saniert werden muss. Demnach sind die rund 200 laufenden Meter Fassadenplatten komplett abgängig. Während dieser Schaden offensichtlich ist, sorgen die Risse in den tragenden Betonkonsolen für größere Unruhe. „Wir können nicht sagen, wie lange sie noch halten“, sagte Klaus Reichenberger. Auch sei nicht zu klären, wie alt die Risse schon sind. Die endoskopisch aufgenommenen Videos zeigten jedoch, dass die Konsolen teilweise „nicht ordentlich aufgesetzt sind“, erklärte Projektleiter Frank Richter. Stahldörner sind zu sehen und Mörtelpolster, auf denen die schweren Betonträger „hingesackt“ seien. „Das Problem ist: Die Konsolen versagen plötzlich“, betonte Reichenberger. Mit anderen Worten: Um möglichen Schäden vorzubeugen, müssten die mit Rissen durchsetzten Teile so schnell wie möglich durch neue ersetzt werden, um einer teil- und zeitweisen Sperrung der Stadthalle zuvorzukommen. Der Bürgermeister kündigte an, nach dieser ersten „Wasserstandsmeldung“ im Bauausschuss im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzwesen am 19. April über die Sanierung und deren Finanzierung zu sprechen.

Auch die Ausschussmitglieder waren nach diesem Vortrag beunruhigt. „Ist das ein Totalschaden oder nicht?“, wollte Sören Vollert (Die Grünen) wissen. „Ja“, antwortete Klaus Reichenberger nach einer kurzen Besinnungspause. Das gelte allerdings nur für die Attika, relativierte Bürgermeister Sibbel. Die Stadthalle selbst sei nicht gefährdet. Auch Rainer Beuthel (Die Linke), der stellvertretende Ausschussvorsitzende Thorsten Peuster und Georg Siebert (Bürger-Forum) hakten nach und brachten eine voll umfassende Überprüfung der Konstruktion ins Spiel. Die sei aber nicht nötig, so Sibbel und Köppen, weil es keine Hinweise auf weitere Schäden gebe. „Was technisch nötig ist, machen wir“, sagte der Bürgermeister. „Der Schaden ist erkannt, wir arbeiten an der Lösung“, so Köppen, der keine Notwendigkeit sieht, „in weitere Bereiche reinzugehen“. Mit der Sanierung betrete die Stadt Neuland, weil die Attika zum einen kurzfristig erneuert und gleichzeitig so konstruiert werden muss, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt auch eine neue „Restfassade“ aufnehmen kann. Die schadhaften Konsolenteile müssten abgesägt, die Konstruktion statisch gesichert und dann erneuert werden. Die geschätzten Sanierungskosten von 600  000 Euro müssten für die Arbeiten ausreichen.

Darüber hinaus hat das Bauamt die Kosten für die energetische Sanierung der Gebäudehülle einschließlich Attika, aber ohne Haustechnik ermittelt und drei Varianten durchgerechnet. Eine Sanierung nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 koste 3,23 Millionen Euro, nach der EnEV 2016 3,58 Millionen und nach EnEV 2016 minus 20 Prozent 3,95 Millionen Euro, referierte Timm Orth. Eine „Sanierung de luxe“, so der Bürgermeister, sei dabei „keineswegs so dringlich, wie manche angenommen haben“. Es gebe „keine zwingende Notwendigkeit, diese Mittel zeitnah einzusetzen“.

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erstellt am 15.Apr.2016 | 06:36 Uhr

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