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Ungewöhnliche Aktion : Hindenburgstraße symbolisch umbenannt

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Gewerkschaften wählten "Straße der Demokratie" provisorisch als neuen Namen.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 07:31 Uhr

Eckernförde | Die Gewerkschaften fordern einen neuen Namen für die Hindenburgstraße. Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben sie ihrer Forderung nun Nachdruck verliehen: Gestern gaben sie der Straße symbolisch einen neuen Namen. An der Ecke Windebyer Weg überklebten sie das Straßenschild. Nun erwarten sie Reaktionen der Parteien. Ruthard Wagner und Werner Riesch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Albert Leuschner aus dem Verdi-Vorstand und Fritz "Itze" Jahn vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gingen gestern Nachmittag frisch ans Werk: Sie gaben der Hindenburgstraße kurzerhand den Namen "Straße der Demokratie". Dazu befestigten sie den Ausdruck auf Papier mit Klebestreifen an dem Schild.

Damit stellen die Gewerkschafter die Parteien auf die Probe. Anfang der Woche haben sie ihre Forderung an die Fraktionen der Ratsversammlung geschickt. "Hindenburg war ein Antidemokrat, den die Stadt Eckernförde schon zu lange geehrt hat", steht in dem Schreiben, das der Eckernförder Zeitung vorliegt. Fritz Jahn (IG Metall), Ruthard Wagner (GEW) und Horst Kunze (Verdi) zeichnen verantwortlich dafür.

Weiter heißt es in dem Schreiben: "Mit der Benennung einer Straße nach Persönlichkeiten wird diesen Menschen eine besondere Ehre zuteil." Als Reichspräsident in der Weimarer Republik habe er sich zum "Steigbügelhalter des Nationalsozialismus" gemacht, als er Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannte. "Aus diesem Grund muss die Hindenburgstraße aus Sicht des DGB-Ortsverbandes zwingend umbenannt werden." Albert Leuschner sagte nun dazu: "Die Zeit für die Änderung ist reif." Wie die Zeitzeugen des Nationalsozialismus schwänden auch die Verfechter umstrittener Straßennamen.

Die Gewerkschafter haben noch keinen Vorschlag für eine neue Bezeichnung. "Der Name soll einen Menschen würdigen, der sich um Demokratie und Menschenrechte verdient gemacht hat", so Albert Leuschner.

Anwohner Manfred Koch hält nichts von der Aktion. "Wenn die Straße umbenannt wird, muss ich mich ummelden. Wer bezahlt mir das?", fragte er gestern. Den Namen empfindet er nicht als Ehrung für den Reichspräsidenten. "Die politische Vergangenheit sollte man nicht verstecken." Ruthard Wagner sagte dazu: "Wir wollen mit der Aktion Denkanstöße geben. Dass nicht jeder das Vorhaben gut findet, ist uns klar."

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