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Bundeswehrbeamte : Hilferufe wegen Arztrechnungen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wegen Personalmangels sind bei der Bundeswehr bis heute 50 000 Beihilfeanträge unbearbeitet geblieben. Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Beamten der Bundeswehr kritisiert außerdem die Unterbesetzung von Beamtenposten.

Die Unterbesetzung von Beamtenposten und die unbearbeiteten Beihilfeanträge: Bei der Mitgliederversammlung des Verbands der Beamten der Bundeswehr (VBB) am Dienstagabend im EMTV-Heim hat der Bundesvorsitzende Wolfram Kamm die Probleme der Beamten angesprochen, die er mit der jüngst gewählten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in allernächster Zukunft erörtern will. Vor allem habe die mit der Bundeswehrreform einhergegangene Auslagerung der Personalabrechnung eine Situation dramatischer Unterversorgung bei vielen im Ruhestand befindlichen Kollegen verursacht. So habe die fehlende personelle Besetzung im Bereich des Finanzministeriums dazu geführt, dass im Oktober vergangenen Jahres mehr als 80 000 Beihilfeanträge unbearbeitet blieben. Der Verband habe regelrechte Hilferufe aus den Reihen der betroffenen Beamten erhalten, die ihre Krankenhaus- und Arztrechnungen nicht bezahlen konnten. Mittlerweile sei der Stand der unbearbeiteten Anträge auf rund 50 000 zurückgegangen, doch würden monatlich 22 000 neue Anträge gestellt und davon jeweils nur 20 500 bearbeitet werden, sodass ein erneutes Anwachsen der Rückstände vorhersehbar sei.

Kamm kritisierte weiter die abzusehende gravierende Unterbesetzung der Beamtenposten in der Bundeswehr. Aktuell seien 600 Stellen im mittleren und gehobenen Dienst nicht besetzt. Diese Zahl werde in den nächsten fünf Jahren aufgrund von Altersausscheiden und ausbleibendem Nachwuchs auf über 4000 ansteigen. Die Bundeswehrreform sehe vor, die freiwerdenden Stellen durch ausscheidende Zeitsoldaten, nachdem sie einen sechswöchigen Intensivkurs durchlaufen hätten, zu besetzen. Kamm hält diese Lösung, schon angesichts der Tatsache, dass Beamte der Bundeswehr allein für den mittleren Dienst eine zweijährige Laufbahn-Ausbildung durchlaufen müssten, für vollkommen abwegig. Generell gebe es, die Bundeswehrreform betreffend, noch viel Gesprächsbedarf.

Heiner Petersen, Vorsitzender der Standort-Gruppe Eckernförde, dankte bei der Versammlung allen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement. Er würdigte es umso mehr, weil die Arbeit in Verband und Personalräten durch die Bundeswehrreform nicht einfacher geworden sei. In solch erschwerten Bedingungen sehe er auch einen Grund für den anhaltenden Nachwuchsmangel innerhalb des Verbands. Ideen, um den Verband und die Standort-Gruppe für jüngere Nachwuchsbeamte attraktiver zu machen, habe er selbst derzeit nicht.

Aufgrund mangelnden Interesses haben im vergangenen Jahr außer der Jahreshauptversammlung und den turnusmäßigen Vorstandssitzungen keine weiteren Verbandsaktivitäten stattgefunden. Lediglich hatte der stellvertretende Vorsitzende für die Truppe, Michael Jung, traditionsgemäß der Standortfeuerwehr bei einem Besuch für ihren Dienst an den Feiertagen gedankt. Die Standort-Gruppe des VBB zählt derzeit 276 Mitglieder, davon 96 Senioren.

Insgesamt 95 Jahre treue Zugehörigkeit wurden gewürdigt: Klaus-Georg Iken und Klaus Günter Michelsen wurde für 25 Jahre Mitgliedschaft die Ehrennadel in Gold durch den Bundesvorsitzenden Wolfram Kamm und Bereichsvorsitzenden Peter Maschmeyer verliehen. Bernd Siegfriedt, Sven Diedrichsen und Michael Jung erhielten für ihre 15-jährige Zugehörigkeit die Ehrennadel in Silber.


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erstellt am 23.Jan.2014 | 16:07 Uhr

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