Wenn ein Angehöriger stirbt : Hilfe – wenn die Trauer kommt

Wenn ein Angehöriger stirbt, mit dem man lange zusammengelebt hat, fällt das Weitermachen schwer. Hier kann Trauerarbeit helfen. Sie zu erhalten ist das Ziel eines neugegründeten Fördervereins.
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Wenn ein Angehöriger stirbt, mit dem man lange zusammengelebt hat, fällt das Weitermachen schwer. Hier kann Trauerarbeit helfen. Sie zu erhalten ist das Ziel eines neugegründeten Fördervereins.

Förderverein für Trauerarbeit Schwansen gegründet / Verein will Finanzierung der professionellen Arbeit sichern

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19. Dezember 2017, 06:14 Uhr

Wenn ein Angehöriger stirbt, dann ist die Trauer bei den Hinterbliebenen groß. Nicht nur die Familien trauern dann, sondern auch Freunde, Nachbarn, Kollegen und bei Kindern ihre Kindergartengruppen oder Schulklassen. Sie einfühlsam auf ihrem ganz eigenen individuellen Trauerweg zu begleiten und Halt zu geben, dies hat sich Petra Blümel (52) zur Aufgabe gemacht.

Um diese Arbeit und die Stelle der Trauerarbeit in Schwansen zu erhalten, hat sich ein Förderverein gegründet. Im September wurde der Förderverein für Trauerarbeit Schwansen gegründet. Der eingetragene Verein hat auch die Gemeinnützigkeit beantragt, die grade läuft. „Mit dem Verein wollen wir die Finanzierung der Stelle sichern und das Angebot erhalten“, sagt Pastor Martin Krumbeck aus Karby. Er wurde zum Vorsitzenden gewählt. Dem Vorstand gehören an: Margarete Salzburg, Andrea Jedich, Dr. Rolf Reinicke und Angela Lins.

Blümel begann 1998 als Honorarkraft mit der Trauerarbeit in Schwansen. Dies ging auf die Initiative der Kirchengemeinden Borby-Land, Karby, Kosel, Rieseby, Sieseby und Waabs zurück. „Das ist vermutlich einzigartig im Land“, sagt Blümel, dass Kirchengemeinden eine professionelle Trauerbegleitung ermöglichen. Die gelernte Krankenschwester machte eine Zusatzausbildung und weitere Fortbildungen. Zugleich arbeitete Blümel ehrenamtlich im Hospiz.

Im Jahr 2002 wurde eine Festanstellung aus der Trauerarbeit. Träger ist der Verein für evangelische Beratungsarbeit unter dem Dach des Diakonie- Werks. Mit im Boot auch hier die Kirchengemeinden in Schwansen, die die Stelle nach ihren Möglichkeiten finanziell unterstützen. Die Finanzierung wird aber immer schwerer, erklärt Krumbeck. Die Gründung des Vereins soll eine absehbare Finanzierungslücke von rund 10 000 Euro im Jahr schließen.

Während die Hospizarbeit schon sehr viel mehr im Gespräch ist und ein Brennpunktthema ist, erklärt Blümel, so sei die Trauerarbeit „noch ein kleines Licht“. „Das Leben geht auf den Tod zu“, sagt Pastor Krumbeck und meint, dass das Leben und der Tod zusammen gehören. Zur Trauerarbeit gehöre, dass Menschen den Tod wörtlich „begreifen müssen“. Eine Beerdigung, bei der der Sarg oder das Urnengrab mit Erde abgedeckt werde, sei ein aktive Akt des Begreifens, erklärt der Pastor.

So wie der Mensch mit Hilfe auf die Erde kommt (Hebamme), so benötige er auch bei seinen Gehen Hilfe, macht Blümel den Wert der Trauerarbeit deutlich. Für sie geht es in der Trauerarbeit in erster Linie nicht darum, schnell Trost zu spenden, sondern die „Untröstlichkeit von einem Menschen in einem Verlusterleben wahrzunehmen, zu akzeptieren und auszuhalten.“ Das verlange von einem Begleiter eine große Offenheit, eine starke Präsenz und eine „Verfügbarkeit“. Nur so entsteht Vertrauen, das „Raum öffnet, um die Wunden des Verlustes anzuschauen und neue Energie zu finden“, hat Blümel beobachtet. Ziel sei es, mit einem engen sozialen Netzwerk den Trauernden Halt zu geben. Alleine könnten sie das auch nicht schaffen.

In der Gesellschaft hat ein starker Wandel stattgefunden. Das Bild von Familie hat sich gewandelt. „Das muss man viel größer sehen“, sagt Blümel und bindet das Umfeld der Trauernden mit ein. Gerade wenn Kinder versterben, dann komme es darauf an, die Freunde und die Klassenkameraden und auch deren Eltern einzubinden, ergänzt Krumbeck. Trauerarbeit könne aber auch bei Feuerwehrmännern nötig sein, die nach Einsätzen Erlebtes verarbeiten müssen. Trauer hat viele Gesichter.

„Unsere Vision ist, die Trauerarbeit zu erhalten, gegebenenfalls auszubauen“, sagt Krumbeck. Der Jahresbeitrag sind 24 Euro, mehr ist willkommen. Mitglied kann jeder werden, einfach an die Schwansener Gemeindepastoren wenden oder direkt an Martin Krumbeck.

>Infos bei Pastor Martin Krumbeck, Tel. 04644/371. Spenden sind willkommen auf dem Konto mit der IBAN DE 41 2105 0170 1003 0894 20 bei der Fördesparkasse.

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