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Auflösung : Hilfe im Todesfall – Ära geht zu Ende

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

36 Mitglieder beschließen einstimmig die Auflösung des 1923 gegründeten Unterstützungsvereins Loose und Umgebung. Jedes der 144 Mitglieder bekommt mehr ausbezahlt, als es eingezahlt hat, stellt der Vorstand fest. Auszahlung ab Ende 2014 geplant.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Eine Ära geht zu Ende: Der Unterstützungsverein Loose und Umgebung wird aufgelöst. Im 90. Jahr seines Bestehens votierten 36 anwesende Mitglieder auf einer letzten Mitgliederversammlung für die Auflösung. „Damit hat Loose etwas Altes, Gewachsenes verloren“, sagte Hans Kock, der viele Jahrzehnte im Vorstand des 1923 gegründeten Vereins aktiv war. Dem konnte Vorsitzender Rolf Kühl, seit 1961 im Vorstand aktiv, nur zustimmen. „Aber es war eine richtige Entscheidung, mir blutet das Herz jetzt nicht“, sagte er ebenso deutlich.

Zugleich beauftragten die Mitglieder den Vorstand einstimmig, eine Auszahlungstabelle zu erstellen, in der jedes Mitglied sehen kann, welcher Betrag ihm ausgezahlt wird. Berücksichtigt wird dabei die Dauer der Mitgliedschaft, um vorhandene Überschüsse auszuschütten. „Sicher ist, jeder bekommt mehr ausbezahlt, als er eingezahlt hat“, versicherte Kühl.

1923 als Unterstützungsverein für die Bürger und Landarbeiter in Loose und der Güter gegründet, haben sich die Bedingungen zu heute grundsätzlich geändert. „Die Leute hatten damals kein Bargeld, da war so eine Nachbarschaftshilfe im Todesfall ganz wichtig“, berichtete Kühl im Rückblick. Viele machten mit. 1923 wurden 35 Reichsmark als Sterbegeld ausgezahlt.

Heute sei das anders. Die Gründe für die Auflösung des kleinen Versicherungsvereins mit zuletzt nur noch 144 Mitgliedern liegen auf der Hand, mussten Vorstand und Geschäftsführerin Ilse Diedrichsen feststellen. „Es war nicht möglich, neue und vor allem junge Mitglieder zu gewinnen“, sagte Kühl. Zudem sei das Produkt wirtschaftlich nicht mehr so attraktiv gewesen, wie es noch in den ersten Jahrzehnten war. Bei Jahresbeiträgen nach Alter gestaffelt ab 3,50 Euro bis 7,50 Euro werden im Todesfall 255 Euro gezahlt.

Angesichts der Entwicklung hatte Hans Kock bei der Mitgliederversammlung im Juni den Vorschlag für eine Auflösung ins Gespräch gebracht. Er sei lange Zeit gegen eine Auflösung gewesen, der Verein sei ein Teil Looses, aber er habe seine Meinung geändert. Es fehle der Nachwuchs, der für einen Fortbestand nötig sei. Vor etwa zehn Jahren sei die Wende gewesen, erinnerte er sich, ab da ging die Zahl deutlich herunter. In guten Jahren, wie 1988, zählte der Verein 311 Mitglieder, ergänzte Diedrichsen. Selbst vor zehn Jahren waren es noch rund doppelt so viele wie heute, fuhr Kock fort. Nur magere Zinsen für die sicheren Anlagen der Mitgliedsbeiträge als auch die Sorge vor einem Wertverlust der Sparguthaben hätten ihn zum Umdenken bewogen. Über das frühestens Ende 2014, Anfang 2015 ausgezahlte Geld könne dann jedes Mitglied selber verfügen. Gleich wohl konnte Kock jeden verstehen, der an dem Verein festhalten wolle. Dann müssten diese Personen aber auch ehrenamtliche Verantwortung übernehmen. Neben den fehlenden Mitgliedern sei es nämlich auch immer schwerer gewesen, Vorstandsmitglieder und Helfer zu finden, ergänzte Kühl.

Aktiv wurde versucht Mitglieder zu werben, berichtete Kühl von den Bemühungen. Um attraktiver zu sein, hatten sie erreicht, die Prämie zu verdoppeln oder zu verdreifachen, um damit auch ein höheres Sterbegeld auszahlen zu können. Junge Mitglieder hätte das aber nicht nennenswert gebracht. Die wählten andere Formen der Geldanlage und hätten andere Ansprüche. Kühl dankte den Mitgliedern, ehemaligen Vorstandsmitgliedern und den Kassierern, die alle ehrenamtlich im Einsatz waren. „Die Arbeit hat viel Spaß gemacht, ich habe es gerne für Loose und die Gemeinschaft gemacht“, sagte er.

Dank an den Vorstand und die Helfer brachte auch Wilfried Langusch zum Ausdruck. Viele Jahrzehnte seien sie im Einsatz gewesen, was mit Geld nicht aufzuwiegen sei.

In seinem Rückblick erinnerte Kühl an Otto Jedamski, der von 1961 bis 1995 Geschäftsführer war. Seine Tochter Ilse Diedrichsen übernahm das Amt dann. Bis Mitte der 70-Jahre gab es keine festen Mitgliedsbeiträge und Verwaltung. Gab es einen Todesfall, ging der Kassierer mit einer Zigarrenkiste von Mitglied zu Mitglied und sammelte den Beitrag an, um die Gesamtsumme der betroffenen Familie auszuzahlen.

Zeitplan zur Vereinsauflösung

> Beschluss der Mitgliederversammlung

> Erstellung einer Auszahlungsliste

> Wirtschaftsministerium als Aufsichtbehörde prüft die Unterlagen

> Grünes Licht nach erfolgreicher Prüfung

> Ein Jahr Wartezeit vor Vereinslöschung,

bis dahin keine Beitragserhebung in 2014, keine Neuaufnahmen und keine Vertragsveränderungen.

> Bei Sterbefällen vor Wartezeitende Auszahlung nur vertragliches Sterbegeld

> Ende 2014/Anfang 2015 Auszahlung

> Bestätigungsprotokoll ans Ministerium

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