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Mensch des Jahres 2014 : Hilfe im Kampf gegen die Sucht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Marianne Derlien aus Brekendorf engagiert sich seit fast 40 Jahre für das Blaue Kreuz.

von
erstellt am 01.Nov.2014 | 06:06 Uhr

Jedes Jahr wählen die Leser des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages den Mensch des Jahres. Die Eckernförder Zeitung stellt ihre Kandidaten vor, die sie für die Wahl ins Rennen schickt. Heute: Marianne Derlien.

Ob bei Geburtstagsfeiern im Familienkreis, einem öffentliche Empfang – ein Gläschen Sekt zum Anstoßen scheint Gang und Geben zu sein, es gehört einfach dazu. Das hat Marianne Derlien in ihrer fast 40-jährigen Tätigkeit als Suchthelferin immer wieder feststellen müssen. 1979 sprach sie den damalige Pastor der Kirchengemeinde Hütten, Rudolf Lehmann, ob sie sich ein Ehrenamt als Suchthelferin vorstellen könne. Die Brekendorferin willigte ein. Marianne Derlien nahm an Fortbildungen teil und ließ sich innerhalb von zwei Jahren vom Blauen Kreuz zur ehrenamtlichen Suchthelferin ausbilden. Als Küsterin war Marianne Derlien schon damals eng mit der Kirchengemeinde verbunden.

Schnell hatte Marianne Derlien ihre ersten alkoholkranken Patienten. Sie nahm sich viel Zeit für Gespräche, hörte sich ihre Sorgen und Nöte an, begleitete sie bei Gruppensitzungen und sprach auch, wenn gewünscht, mit dem Arbeitgeber. Auch nach einer Reha hielt sie den Kontakt mit ihnen. Einige, die längst „trocken“ sind, melden sich noch heute.

Etwa 40 Patienten betreute Marianne Derlien jedes Jahr. Nicht allen konnte sie helfen, aber vielen. „Der Wille und die Bereitschaft muss von den Patienten kommen“, betont sie. Dann sei sie auch Tag und Nach für sie da gewesen. Probleme in der Ehe und im Beruf, Tod, Scheidung, das seien oftmals die Ursachen gewesen, dass Menschen anfangen zu trinken. Mehr Männer als Frauen seien es gewesen, die jüngsten 19 Jahre, viele aber über 60, 70. „Einsamkeit ist heute ein großes Problem“, sagt Marianne Derlien. Viele ihrer Patienten seien allein gewesen, einige lebten in Heimen.

2006 baute sie gemeinsam mit der Pastorin Susanne Jensen das Blaue Kreuz in Osdorf auf – eine Anlaufstelle für Menschen aus dem Dänischen Wohld. 1998 bekam sie aufgrund ihres langjährigen ehrenamtlichen Engagements vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog den Verdienstorden der Bundesrepublik verliehen.

Für Marianne Derlien selbst war Suchthilfe nicht immer einfach. Oftmals sei sie auch von Patienten beschimpft worden, die nichts von ihrer Hilfe nichts wissen wollten. „Mein Glaube war ein großer Halt“, sagt sie, ebenso ihr mittlerweile verstorbener Mann.

In diesem Jahr wurde Marianne Derlien 70. Zum Ende des Jahres will sich die Brekendorferin Stück für Stück aus der Suchthilfe herausziehen. „Mittlerweile gibt es für Betroffene viele Anlaufstellen“, sagt sie, das sei früher anders gewesen „Die Patienten, die ich derzeit betreue, werde ich weiter betreuen“, versichert sie. Neue werde sie aber nicht mehr annehmen.


❍Die Abstimmung für den Mensch des Jahres beginnt am kommenden Sonnabend. Wer für Marianne Derlien stimmen möchte, wählt zwischen dem 1. und 12. November die Telefonnummer 01375/80 40 12 30 04 oder schickt in diesem Zeitraum eine SMS mit dem Inhalt „shz ez 4“ an die Nummer 42020. Auch übers Internet unter www.shz.de/menschdesjahres kann dann abgestimmt werden.

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