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Eckernförder Zeitung

18. Oktober 2017 | 08:13 Uhr

Hilfe für Auguste kommt aus Südafrika

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

1963 wanderte Klaus Naeve nach Johannesburg aus – bei einem Besuch seiner Heimat Groß Wittensee ließ er 1000 Euro für den Mühlenverein da

Rund 9500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Groß Wittensee und Südafrika. Karl Naeve aber fuhr Schiff. Vor genau 50 Jahren beschloss der damals 23-Jährige, sein Glück in Johannesburg zu suchen. Drei Wochen dauerte die Überfahrt. Der Wittenseer blieb, machte sich mit der Herstellung von Kühlanlagen selbstständig – mit großem Erfolg. Seine Wurzeln aber hat der 75-Jährige nie vergessen, den Kontakt zu Heimat und Freunden nicht abreißen lassen. Bei seinem jüngsten Besuch in Groß Wittensee drückte der Unternehmer seine Verbundenheit mit einer ganz besonderen Geste aus: 1000 Euro spendete er dem Mühlenverein zur Erhaltung der Mühle Auguste.

„Die Hölzer der Flügel sind marode und müssen dringend repariert werden“, erklärt der Vereinsvorsitzende Hans-Claus Schnack. Um nicht so viel Angriffsfläche für den Wind zu bieten, wurden deshalb bereits die Jalousien abgebaut. „Das hat schon 2000 Euro gekostet“, sagt Eigentümer Hans-Heinrich Lemke. Für die Instandsetzung fehlten jetzt nochmal um die 12 000 Euro. „Deshalb sind wir natürlich unglaublich dankbar für die großzügige Spende von Klaus“, betont Schnack.

Eher bescheiden nimmt der Geldgeber Lob und Dank zur Kenntnis: „Nu maak mal nich to veel dor ut“, sagt er bloß. Das Plattdeutsche hat Klaus Naeve nicht verlernt, auch nicht nach 50 Jahren in Südafrika. Kein Wunder, schließlich bleibt der 75-Jährige im Training. Einmal in der Woche – jeden Sonntagmorgen – telefoniert er mit Norddeutschland. Wen er halt so an die Strippe kriegt. „Wenn man ihm was erzählt, sagt er meist ‚dat weet ick doch all‘“, sagt Schnack lachend. Und was er nicht aus persönlichen Gesprächen mitkriegt, das erfährt er aus der Heimatzeitung. „Die lesen hier für mich mit, und wenn sie meinen, mich interessiert etwas, dann faxen sie mir die Berichte runter“, erklärt der Auswanderer. So bleibe er immer auf dem Laufenden.

Seine Entscheidung hat Klaus Naeve nie bereut. Einmal – 1968 – sei er für die Sommermonate zurückgekommen, um in seiner ehemaligen Firma in Süddeutschland auszuhelfen. Als er damals zu Besuch in Groß Wittensee war, warf er einen Blick gen Himmel, erinnert sich der zweifache Vater. „Da kreisten die Zugvögel vor ihrem Aufbruch nach Süden. Und ich dachte: Da geh ich mit.“ Von da an war klar: Südafrika wird sein neues Zuhause.

1971 lernte er seine Ehefrau kennen. Gemeinsam bauten sie sich ein Geschäft auf. Was einmal mit Reparaturarbeiten in einer Johannesburger Garage begann, ist heute ein großes, in Südafrika bekanntes Unternehmen – die Klaus Engineering Group. Klaus Naeve hat es geschafft – ein schickes Anwesen in einem schönen Johannesburger Viertel, ein großes Auto und Swimmingpool. Alle ein, zwei Jahre aber, da besucht er seine alte Heimat. Und wenn dort um Hilfe gebeten wird, muss er keine Sekunde überlegen. „Ick help you“, hatte er schon beim Telefonat mit dem Ehrenvorsitzenden des Mühlenvereins, Klaus-Detlef Naeve, in einer Mischung aus Platt und Englisch angekündigt. Nun hofft er, dass sich weitere Sponsoren für Augustes Reparatur finden: „Die Mühle ist das Wittenseer Wahrzeichen und muss weiter erhalten bleiben.“

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