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Flüchtlinge lernen Mülltrennung : Hilfe bei den Hürden des Alltags

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde bietet Infokurse zum Thema Mülltrennung und Recycling für Flüchtlinge an

von
erstellt am 15.Okt.2015 | 06:52 Uhr

Die leere Milchtüte in den gelben Sack, die Essensreste in die braune Tonne und die Fernsehzeitung von letzter Woche in die blaue Tonne. Die getrennte Erfassung und Verwertung von Verpackungen, Pappe und Papier, Bioabfall, Restmüll, Glas und Sperrmüll – ist keineswegs weltweit üblich und verbreitet. Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen sind Mülltrennung und Recycling fremd. „Der Wert des Mülls wird anderswo nicht gesehen“, sagt Aenne Thode von der Volkshochschule Rendsburg, in vielen Kulturen ist Müll eben Müll.“ Die Fachbereichsleiterin für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) begleitete gestern wieder Asylbewerber zu der Veranstaltung „Alles Müller – oder doch nicht?“ bei der Abfallwirtschaft in Borgstedt. Aenne Thode, die selber einige Zeit in Tunesien lebte, weiß wovon sie spricht. Dort würden sich am Straßenrand die Mülltüten tagelang stapeln. „In Deutschland ist Mülltrennung zum Kulturgut geworden“, sagt AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt. Auf die Frage, welchen Beitrag sie für den Umweltschutz leisten, würden die meisten sagen, „ich trenne meinen Müll“. Finanziell unterstütze die AWR bereits Sprachkurse, auch habe sie schon seit langem Sortieranleitungen in verschiedenen Sprachen im Angebot. Der Kursus sei nun aber eine praktische Hilfe, das System der deutschen Mülltrennung verständlich zu machen.

Gestern fand der mittlerweile vierte Infotag bei der AWR statt, um bei Menschen anderer Nationen das Bewusstsein für Mülltrennung zu wecken. „Irgendwann werden sie eine eigene Wohnung beziehen“, sagt Aenne Thode. Spätestens dann müssten sie wissen, was wo hinein gehört. „Ansonsten ist der soziale Frieden der Hausgemeinschaft gestört“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Aenne Thode spricht die Flüchtlinge direkt bei den Sprachkursen an der VHS an. Acht bis zehn Kurse mit zu 20 Personen würden dort pro Semester stattfinden. Dann muss sie die Fahrt zur AWR nach Borgstedt organisieren, dabei wird sie von ehrenamtlichen Fahrern unterstützt.

Geleitet werden die Kurse von AWR-Mitarbeiter Joachim Gerke. „Die Deutschkenntnisse sind sehr unterschiedlich“, sagt er. Gestern kümmerte sich Aenne Thode um Dolmetscher für Albanisch, Kurdisch, Arabisch sowie für Dari (Afghanistan) und Farsi (Iran). Die 15 Frauen und Männer besuchen derzeit einen so genannten Staff (Startpaket für Flüchtlinge)-Kursus, in dem die Menschen die erste Orientierung im neuen Alltag lernen. Bei fortgeschrittenen Kursen wird Deutsch gesprochen. Joachim Gerke arbeitet mit vielen Bildern, um die verschiedenen Müllfraktionen zu zeigen. Am Ende des zwei- bis dreistündigen Kursus müssen die Teilnehmer bereit gestellte Materialien den richtigen Tonnen zuordnen.

„Wenn die Menschen verstehen, warum sie den Müll trennen sollen, dann entsteht Akzeptanz und sie handeln entsprechend“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Das werde auch schon Kindern im Wissen- und Erlebniszentrum bei der AWR, der AW-Erle, vermittelt. Das Verständnis dafür führte auch zum Umdenken.

Der Wert von Recycling wird den Flüchtlinge auch dadurch deutlich, dass durch die Einnahmen des jüngsten Flohmarktes auf dem Recyclinghof Sprachkurse finanziert werden konnten. Gebrauchte Sachen wurden dort wieder zu Geld gemacht.Rund 3300 Euro kamen dabei zusammen. „Bei Kosten von knapp drei Euro pro Deutschstunde konnten dafür fünf Personen 200 Stunden Unterricht bekommen“, verdeutlichte Aenne Thode. In anderen Kulturen sei es undenkbar, dass gebrauchte Sachen weiter verkauft werden.

„Die Kursteilnehmer lernen über Wort, Bild und Schrift“, erläuterte Aenne Thode. „Und bei der abschließenden Führung durch die Sortieranlage auch über den Geruch“, sagte Hohenschurz-Schmidt.

 

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