zur Navigation springen

ihre lieder, ihr leben : „Hilde“ Knef gibt sich die Ehre

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Schauspielerin Gilla Cremer beeindruckt das Eckernförder Theaterpublikum mit einer authentischen Darstellung des kantigen Weltstars aus Berlin. Zwei Stunden lang gab es am Donnerstag Hildegard Knef – wie sie war.

Wer kennt sie nicht – Hildegard Knef? Schauspielerin, Sängerin, Autorin – eigentlich schon tot seit 2002 und in Berlin begraben. Am Donnerstagabend war sie aber wieder da – auf der Bühne der Eckernförder Stadthalle, auf Einladung der Theatergemeinschaft Eckernförde. Dieses kleine Wunder vollbrachte Gilla Cremer, als freischaffende Schauspielerin, Autorin und Produzentin eigener Solostücke vielfach ausgezeichnet – und das nicht nur im Hamburger Theaterleben.

Für knapp zwei Stunden war Gilla Cremer ein Spiegelbild von Hildegard Knef, berichtete aus ihrem Leben, plauderte, holte die für sie wichtigen Menschen aus allen 76 Lebensjahren herbei, faszinierte mit unzähligen Einzelheiten aus dem unvergessenen wie einzigartigen Lebenslauf.

Selber schmal, recht groß und mit blondem Haar dem Knef-Typ sehr nahe, vermochte die Schauspielerin Cremer mit obendrein authentischer Kleidung dem Star verblüffend zu ähneln: helle Kleidung, Hüte, Sonnenbrille, ein wenig Vamp, ein wenig Marlene Dietrich, mit der „Hilde“ ja auch befreundet war. Dazu hatte Gilla Cremer eine überraschend modulationsfähige Stimme: Warm und dunkel, wenn sie Hilde zitierte oder ihre Lieder sang, beides gern mit Mikro. Eigene Ergänzungen zu Hildegard Knefs Leben, Überleitungen, Anekdoten, interpretierende Gedanken hörte man in Gilla Cremers Stimme und ohne Verstärker.

Schnell entwickelte sich auf der Bühne ein buntes Gesamtbild aus „Original-Knef“ und kongenialer, ergänzend begleitender Interpretation. Nach kurzer Zeit war beides eins geworden, und es entstand der Eindruck, man verbringe den Abend gemeinsam mit „Hilde“.

So saß „Hilde“ zu Beginn am Bühnenrand, schälte und schnitt Äpfel in eine Schüssel, erzählte dabei aus ihrer Kindheit und vom geliebten Großvater. Anschließend schickte sie die volle Schüssel durch die Besucherreihen, ein direkter Kontakt war hergestellt. Kein Wunder, wenn danach Berichte aus der Phase der Berufsfindung, von Schwierigkeiten als junge Schauspielerin während der Ausbildungsjahre mit Tanz-Sprach- und Spielunterricht absolut glaubhaft herüber kamen. Zwischendurch knef‘scher „O-Ton“ mit lustigen und wehmütigen Zitaten, oft typisch „Berliner Schnauze“, schnodderig, mit Herz auf dem rechten Fleck. Zwischendurch auch die ersten Lieder, begleitet von Gerd Bellmann am Flügel.

Es war wie ein Sog: Man wurde hineingezogen in dieses turbulente, aufregende Leben der so willensstarken wie auch sensiblen Frau. Eine Hollywood-Karriere, Liebhaber, die erste Ehe – und Gilla Cremer glänzt als abenteuerliche Knef, spricht mit amerikanischem wie russischem Akzent und schildert detailreich den Aufschrei Deutschlands, als Hilde, aus den USA zurückgekehrt, die „Sünderin“ im gleichnamigen Film spielt. Mit wenigen Sekunden Nacktheit bringt Hildegard Knef ordentlich Wind in die Prüderie der Nachkriegsdeutschen.

Mit David Cameron zieht die große Liebe in ihr Leben ein (1962 – 1976), Tochter Tinta wird geboren, 1970 erscheint die Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ – ein absoluter Renner und in 17 Sprachen übersetzt. Aber auch das Unglück lauert schon – mit Brustkrebs. David Cameron: „Ich liebe sie noch, aber ich mag sie nicht mehr.“ Liebe endet, Geld wird knapp. Sie mag nicht gern allein sein. Altern fällt schwer: „Draußen wird‘s Herbst und auch in mir …“ Face-Lifting, Krankheiten, Operationen, eine dritte Ehe. Und mit allem steht sie in der Öffentlichkeit, zumeist distanzlos kommentiert: „Die Knef“ als öffentliches Eigentum. Nach den bereits bekannten Chansons wie „Koffer in Berlin“ oder „Bel ami“ entstehen in dieser späten Zeit ihre ergreifendsten Liedtexte. „Illusionen“, „Ich bin zu müde, um schlafen zu gehen“ oder „ Ohne dich … hat der Regen keine Tropfen, ohne dich … hat die Nacht keinen Traum – bin ich fremd unter Fremden, bin ich Blatt ohne Baum.“

„Für mich soll’s rote Rosen regnen“, sang sie und wollte in ihrem Leben alles erreichen, willensstark und empfindsam, Glück und Trauer, Höhenflug und Absturz inklusive.

Gilla Cremers Theaterstück trägt dazu bei, dass Hildegard Knef unvergessen bleibt, dass sie auch heute noch mit ihrer Menschlichkeit so berührt.




zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert