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Sanierung Dachreiter St. Nicolai : Herzstück ist der Kaiserstiel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Alte Handwerkskunst ist für die Instandsetzungsarbeiten des Dachreiters der St.-Nicolai-Kirche erforderlich. Etliche Gratsparren werden durch neue Eichenbalken ersetzt.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 05:06 Uhr

Eckernförde | Eingehüllt in weiße Gaze, nahezu unsichtbar für den Passanten, steht der 18 Meter hohe Dachreiter der St.-Nicolai-Kirche seit dem 31. August auf dem Boden. Mithilfe zweier Kräne war das sechs Tonnen schwere Wahrzeichen von St. Nicolai vom Dachstuhl der Kirche gehoben worden (wir berichteten). Der Grund: Architekt Dietrich Fröhler hatte im Zuge der Sanierungsarbeiten der Kirche derart massive Schäden am Dachreiter festgestellt, die von außen in rund 50 Metern Höhe ohne Gefahr für die Handwerker nicht mehr zu beheben waren – wie noch bei der Sanierung 1954.

1568 wurde der Dachreiter, der die goldene Kugel und den Wetterhahn trägt, auf der Ostwand des ehemaligen Westturmes errichtet. Herzstück ist der sogenannte Kaiserstiel, die Mittelsäule, auf der das sich in die Höhe verjüngende Achteck ruht. Feuchtigkeit hat dem Eichenholz im Laufe der Jahrhunderte zugesetzt. Kondenzwasser sammelte sich in Ritzen oder auf Eisenbeschlägen. „Holzfäule hat einige Eichenbalken massiv erfasst“, erklärt Architekt Fröhler.

Bereits beim Abnehmen wurde der schiefe Turm gerichtet. „Mithilfe zweier Senklote haben wir die Abstände der Gratsparren zum Kaiserstiel gemessen und den Dachreiter ausgerichtet“, sagt Malte Matt. Der 32-jährige Geselle der Zimmerei Schäfer wendet alte Handwerkskunst an, um den historischen Turm zu sanieren. Zapfenverbindungen der neuen Querebenen, die aus trockenem Eichholz bestehen, werden mit Holznägeln gesichert. Fünf Querebenen sind zu sanieren, drei befinden sich noch unter dem Dach von St. Nicolai, eine neue wird noch unter der abgeschnittenen Ebene hinzugefügt, um eine Verbindung herzustellen.

Bei den Arbeiten wurde die goldene Kugel geöffnet. Zum Vorschein kamen drei Bleikartuschen, die Zeugnis von Arbeiten am Dachreiter ablegen. In der Kartusche von 1897 befinden sich zwei Ausgaben der Eckernförder Zeitung. Ein Foto des Eckernförder Fotografen Walter Baasch vom eingerüsteten Dachreiter und ein Bericht des Dachdeckers Kleinfeld aus Kiel über die Neueindeckung befinden sich in der Kartusche von 1954. Auf dem Wetterhahn ist der Name des Herstellers, des Eckernförder Kupferschmiedes Lorenz Christoph Petersen, der von 1805 bis 1872 lebte, zu sehen. Ein Zeichen dafür, „dass auch in der Mitte des 19. Jahrhunderts Arbeiten am Dachreiter durchgeführt wurden“, sagt Fröhler. Versehen mit neuen Gratsparren, einer neuen Dachschalung und einer neuen Kupfereindeckung soll der Dachreiter rechtzeitig zur Adventszeit wieder an gewohnter Stelle sein. Wetterhahn und Kugel erhalten eine neue Blattgoldauflage.

„Es ist eine spannende Zeit“, sagt Anke Siemsen, stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates. Sie sei dankbar, dass sie an der Sanierung, „dieser gewaltigen Aktion“, teilnehmen dürfe. Architekt Dietrich Fröhler wird jeden einzelnen Schritt der Kirchensanierung in einer Bauakte für die Nachwelt festhalten. „Die folgenden Generationen haben es dann bei anfallenden Reparaturen leichter.“

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