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Herzmassage im Takt zu Bee Gees „Stayin’ alive“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Imland-Klinik will den Menschen die Angst und Unsicherheit vor einer Wiederbelebung nehmen.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2015 | 06:32 Uhr

Eckernförde | Diese Zahl ist erschreckend: Untersuchungen haben ergeben, dass bei einem Verkehrsunfall nur 17 Prozent der Passanten helfen. „Der Rest fährt vorbei oder gafft“, sagt Achim Gördel, Oberarzt für Anästhesie an der Imland-Klinik in Rendsburg. Er stand gestern mit der Krankenschwester Anna Sieh-Böhrnsen und Dominic Loof von der Rettungswache in Eckernförde von 9 bis 18 Uhr an der Holzbrücke, um den Leuten die Angst vor der Wiederbelebung zu nehmen.

Das ist auch nötig: „Viele Menschen denken, dass sie bei der Wiederbelebung etwas falsch machen könnten“, sagt Achim Gördel. Dabei ist alles besser, als nicht zu helfen: „Selbst wenn man jemandem bei der Wiederbelebung eine Rippe bricht – wenn man gar nicht hilft, stirbt der Mensch.“

Noch vor einigen Jahren hat man den Menschen mit Herzstillstand im Wechsel zweimal beatmet und 15 mal das Herz massiert. Das ist passé. „Wenn sich der Mensch gerade übergeben hat oder blutverschmiert ist, scheut man sich verständlicherweise davor“, so Gördel. „Aber das ist auch nicht nötig, denn es ist noch genügend Sauerstoff im Blut, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken.“ Das Blut muss nur zirkulieren, und dafür genügt die Herzmassage.

Als allererstes sollte man einen hilflosen Menschen ansprechen, an den Schultern rütteln und überprüfen, ob er bei Bewusstsein ist, dann horchen, ob er noch atmet – etwa zehn Sekunden lang. Wenn nicht, sollte umgehend der Notruf unter der Telefonnummer 112 erfolgen. Im Anschluss sollte man sofort mit der Herzmassage beginnen. Dazu gehört: Brustkorb freimachen, einen Handballen auf die Mitte der Brust legen, den anderen Handballen darüber. Anschließend mit geraden Armen mit den Schultern über den Druckpunkt gehen und fest drücken. Dabei nicht aus den Armen die Kraft nehmen, sondern aus dem Oberkörper. Wie fest man drücken sollte? Etwa fünf Zentimter sollte der Brustkorb eingedrückt werden. Oder: „Bis die Rippe knackt“, sagt Achim Gördel. Er vergleicht das Herz mit einem Schwamm. „Diesen Schwamm muss man auspressen.“ 100 Mal sollte man pro Minute zudrücken. „Am besten zum Takt vom Lied Stayin’ alive von den Bee Gees.“ Wer sich auch zutraut, den Bewusstlosen zu beatmen, kann ihm im Wechsel zweimal in den Mund blasen und 30 mal drücken.

„Jeder kann helfen“, sagt Achim Gördel. „So toll und einfach ist das. Und der hilflose Mensch hat eine bis zu dreimal höhere Überlebenschance.“ Er erinnert daran, dass 70 Prozent aller Herzstillstände im Haushalt stattfinden. Es könnte also auch die Mutter, das Kind oder der Partner sein, den es trifft. Und sollte es die ungeliebte Schwiegermutter sein, sagt er, muss man während des Wiederbelebens nicht unbedingt „Stayin’ alive“ singen. „Der Takt von Highway to Hell tut es dann auch.“

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