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Eckernförder Zeitung

18. Dezember 2017 | 04:49 Uhr

schwarzer humor : Herrlich komisch und makaber

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wie erhöht mandie Sterblichkeitsrate eines Ortes? Joachim Thomsen und Stefan Greve finden es als Bestattungsunternehmer in ihrem neuen Stück heraus.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2015 | 05:57 Uhr

Eckernförde | Zwei Millionen Euro zu erben – wer wünscht sich das nicht? Wenn das nur so einfach wäre. Für Hermann, Sohn eines Bestattungsunternehmers, und Harald, seinen Vetter, mit dem er schon als Kind in den Särgen und auf Friedhöfen gespielt hat, scheint die Sache jedenfalls sehr schwierig zu sein. Hermanns Vater stirbt. Der Bestattungsunternehmer hinterlässt ein Testament mit sehr genauen Anweisungen. Der etwas einfältige Hermann, der in seinem Leben nie etwas anderes als Leichenhallen, Särge und Friedhöfe kennengelernt hat und sich in dieser Umgebung äußerst wohl fühlt, und Harald, der immerhin für ein paar Semester die Universität besucht hat und mehr den weltlichen Dingen zugewandt ist, erben die Firma gemeinsam und erhalten zwei Millionen Euro. Letzeres aber nur unter einer Bedingung, die es wahrlich in sich hat: Innerhalb eines Jahres sollen die beiden die Zahl der Bestattungen verdoppeln – also statt bisher 200 jetzt 400 Tote unter die Erde bringen.

„Arven – Graven – Halleluja“ ist eine bittersüße schwarze Komödie auf Plattdeutsch, die neueste Produktion des Dreamteams Joachim Thomsen und Stefan Greve. Fünf Jahre ruhte der 90-minütige Zweiakter mit dem Untertitel „Dat swatte Lustspiel; nix för Bangbüxen“ in der Schublade, bis die beiden Schauspieler selbst reif zu sein schienen, sich an diesen Stoff zu wagen. Denn noch immer werde das Thema Sterben und Tod in unserer Gesellschaft tabuisiert, so der Autor Greve. Das gelte besonders für die plattdeutsche Theaterlandschaft. „Schwarzer Humor im plattdeutschen Bereich ist selten“, erklärt Greve.

Der hochdeutsche Titel lautet „Gestatten – wir bestatten“ – und das tun die beiden denn auch nach Kräften. Stets die magische Zahl 400 vor Augen, verfällt Harald als der Kopf des Unternehmens auf äußerst abstruse Ideen, um an potenzielle Kunden zu kommen. Das Zauberwort Effizienz setzt sich in seinem Kopf fest. Zwar scheut er selbst den Umgang mit dem Sterben und vermeidet Wörter wie Sarg und Tod – das hindert ihn aber nicht daran, methodisch vorzugehen. Da wird der Polizeifunk abgehört, um an Unfallopfer zu gelangen, im Baggersee wird die Leine des abgesicherten Schwimmbereichs manipuliert, im Krankenhaus wartet Hermann – und dann ist da noch Opa Schmidt, der den beiden keine Ruhe lässt.

Dem Zuschauer muten Thomsen und Greve einiges zu. Was aber auf den ersten Blick makaber erscheint, ist beim zweiten herrlich komisch und wunderbar. Wer den britischen Humor liebt, liegt mit dieser Komödie genau richtig.

>Aufführungstermine:

Premiere: 4. September, 20 Uhr, Stadthalle, Eintritt 9 Euro, Einlass ab 19 Uhr

24. Oktober, 20 Uhr, Carls Showpalast

25. Oktober, 17 Uhr, Carls Showpalast

Karten im Vorverkauf bei Schuhmachermeister Joachim Thomsen, Kieler Straße 81

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