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Herr Holm und die gezielte Ansprache der ersten Reihe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Kabarettist Dirk Bielefeldt hat als Polizist „Herr Holm“ die Stadthalle zum Grölen gebracht. Besonders die Zuschauer in der ersten Reihe band der Komiker ständig mit ins Geschehen ein.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2014 | 06:14 Uhr

Eckernförde | Den Abend in der Stadthalle hatte sich Herr Stahl aus Rieseby wohl anders vorgestellt: schön in der ersten Reihe sitzen, genüsslich dem fesch uniformierten „bürgernahen Beamten“ Herrn Holm bei seinen Belehrungen zusehen, denken ‚Zum Schießen...!’ und sich vor Lachen den Bauch halten. Nix da. Herr Stahl wurde gleich zu Beginn verhaftet – im übertragenen Sinne.

Name des Programms: „Alle Achtung.“ Dass das mehr Warnung als Kompliment ist, wurde sofort klar: Das freundlich-beiläufige „Ich komm mal runter zu ihnen“ lässt den ausverkauften Saal jubeln – ab der zweiten Reihe. Alle anderen rutschen tief in ihre Sitze. Vergeblich. Es trifft Herrn Straßburger: „Was sind Sie von Beruf?“ „Verteidigungsbeamter.“ „Wie soll denn ein Beamter verteidigen?“ Es trifft dessen Sitznachbarn: „Sie scheinen auch vom Lande zu sein. Was machen Sie?“ „Ich bin Agraringenieur.“ „Ok, ich nenn’ das Soldat und Bauer.“ Zur Dame daneben: „Sie sind die Frau? Warum machen Sie dann so eine wegwerfende Handbewegung?“ Und es trifft Herrn Stahl („Wie der Eisen“) – und wird ihn immer wieder treffen and diesem Abend: „Was machen Sie beruflich?“ „Post.“ „Sie machen also beruflich Post.“ Der Saal grölt. Dann lässt er von seinen Gästen ab – vorerst; der in schickes Schill-Blau gekleidete Schlaks und Polizist auf Zeit. Es gibt ein Powerpoint-Seminar (Kartenmaterial und Zeigestock, das war einmal) zur Tatverdächtigenbelastungszahl, die binnen Sekunden von 0,1 auf 99 Prozent umspringt. Gäbe es doch Bösewichter allüberall: die, die rückfällig würden, die, die es selber noch nicht wüssten; dann, ach, das latent bedrohliche Umfeld: Rieseby, Noer, Betrug, Diebstahl, Geldwäsche – „Da kann man die ganze Zahl doch noch verdoppeln!“

Dirk Bielefeldt alias Herr Holm wiegt sich in den Knien, stakst herum wie ein Storch, echauffiert sich durch Unglaubliches wie den digitalen Fortschritt („NSA, Vorratsdatenspeicherung, ASP, ESP, Navigationsgerät mit Ansagerin. Dabei hat Sie bisher doch noch nie eine weibliche Stimme ans Ziel gebracht.“) Er gestikuliert sich empört bis gut informiert von der Pinkelzielhilfe zum Anti-Agressionstraining, vom MAPS (Mobile Action Prevention Set) zur dazu gehörigen BeleuKaE, der Beleuchtung mit Kameraeinheit.

Auf eine Leinwand übertragen erscheinen gefährdete Jugendliche: die kleine (Playmo-)Maike, ein volltrunkener Sohn, Motorradfahrer, dann, plötzlich, ein Exhibitionist unterm Denkmal, eine ferngesteuerte Rettungshubschrauberdrohne: Verkehrskasper at its best.

Lars und Maike Tüxen aus Osterby sehen Herrn Holm zum dritten Mal und sitzen wohlweislich in der Mitte des Saals. Sie lachen: „Leute anschnacken gehört zum Programm. Aber wir kommen voll auf unsere Kosten!“ Mit der Polizeibauchrednerstaffel PoBaustT („...außerordentlich erfolgreich bei der Verkehrserziehung“) und der übellaunigen, popelnden Puppe Didi geht ein Abend zu Ende, der Lungen und Adern wieder freigespült hat, so wurde hier gelacht.

Auch Herr Stahl bekommt noch einmal sein Fett weg. Didi glotzt in die erste Reihe: „Ist er das? Der Typ im karierten Hemd?“ „Ja.“ „Der sieht doch ganz normal aus.“ Schallendes Gelächter. Tja, Ausfallswinkel ist eben gleich Einfallswinkel, wie Herr Holm schon in der Physik des finalen Abschüttelns erläutert, Input gleich Output. Und setzt nach: „Ist das klar geworden, Herr Stahl?“


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