Herpes hält Stall in Atem

War jeden Tag im Einsatz: Kathrin Kohrt verabreichte den Pferden mehrmals täglich Medikamente. Foto: Smit
War jeden Tag im Einsatz: Kathrin Kohrt verabreichte den Pferden mehrmals täglich Medikamente. Foto: Smit

Pferdebesitzer auf Hof Kruse bangen um ihre Tiere / Große gemeinsame Reinigungsaktion schweißt zusammen

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03. Juni 2011, 06:07 Uhr

Osdorf | "Hurra! Es ist geschafft!" - Die Erleichterung war allen anzumerken, als sie mit Mistgabel und Desinfektionsspray bei der groß angelegten Reinigungsaktion durch die Ställe liefen. Etwa acht Wochen hatte Kathrin Kohrt vom Hof Kruse samt Familie, Freunden und Einstellern böse zu kämpfen gehabt. Ein Herpes-Virus ging um und verbreitete Fieber und Lähmungen unter den 36 Ponys und Pferden - vor allem aber auch Angst um die Vierbeiner bei ihren Besitzern.

"Mit einem scheinbar harmlosen Infekt fing alles an", erinnert sich Kohrt. Dann sei zwei Wochen lang alles ruhig gewesen, bis plötzlich jeden Tag vier bis fünf Tiere Fieber bekamen. Sobald der Verdacht auf einen Virus aufkeimte, wurde Blut abgenommen. Sofort wurde Quarantäne im Stall verhängt, Fremdreiter wurden fortgeschickt. Als der Befund "Herpes" kam, breitete sich eine Panik aus. Alle wussten, dass die Krankheit im schlimmsten Fall zu Lähmungen und Tod der Tiere führen konnte. "Der Zusammenhalt im Stall war vorher schon gut, aber die Sorge hat alle noch mehr zusammenrücken lassen", sagt Kohrt und lobt, wie die einzelnen Einsteller teilweise mehrmals täglich auf dem Hof eintrafen, um ihr Pferd zu versorgen. Sie selbst war jedoch am meisten eingespannt. Bei jedem Tier musste zwei Mal am Tag Fieber gemessen und drei Mal täglich das Anti-Herpes-Mittel Aciclovir in den Mund gespritzt werden. Der Virus ist nicht vom Pferd auf den Menschen übertragbar, dennoch mussten sich alle nach jedem Besuch gründlich desinfizieren, um eine weitere Ausbreitung im Stall zu vermeiden. Trotzdem waren fast alle Tiere betroffen. "Kein Wunder. Wenn ein Pferd einmal schnaubt, werden die Viren bis zu 50 Meter weit getragen", erklärt die Expertin. Drei Pferde zeigten die gefährlichen Lähmungserscheinungen und mussten zusätzlich an eine Infusion angeschlossen werden. Ein Pferd war gesundheitlich vorbelastet und hat den Virus nicht überlebt. Ansonsten ist die Sache für die Einsteller auf Hof Kruse glimpflich ausgegangen. Nicht zuletzt wegen des unermüdlichen Einsatzes von Tierärztin Maike Jatho aus Stubbendorf, die sich Rat bei zahlreichen Kollegen im Umland holte. "Maike hat wirklich alles getan, was möglich war. Sie war immer zur Stelle, das war totaler Einsatz und auch für sie eine große nervliche Belastung", lobt Kohrt.

Als Anfang Mai die Quarantäne aufgehoben werden konnte, drückten alle Einsteller ihren Dank an die Betreiberin und die Tierärztin mit Geschenken auf einer bunten "Herpes-Go-Home"-Party aus. Auch bei der großen Stallreinigungsaktion war die Stimmung fast ausgelassen. "Ich bin so froh, dass alles überstanden ist", erklärt Monika Baumgart aus Osdorf, die ihren Haflinger "Julius" auf dem Hof hat. "Es war furchtbar. Alle hatten Angst, und auf dem ganzen Hof roch es mehr nach den Medikamenten als nach Stall", sagt sie. Voller Dankbarkeit für Kathrin Kohrt zeigt sich auch Elvira Schulze aus Osterby. Ihre Hannoveraner Stute "Gandina" hat alles gut überstanden. "Was Kathrin hier geleistet und wie sie jeden Tag alle Tiere versorgt hat, ist gewaltig und beispiellos", lobt sie. Richtig schlimm erwischt, hatte es die Oldenburger Stute "Velvet". "Das war nur schrecklich. Ich musste mich mit dem Gedanken vertraut machen, sie einschläfern zu lassen", erinnert sich ihre Besitzerin Birgit Mahnke aus Felm. "Ich hatte richtig Angst um ,Calimero", sagt auch Maj-Brit Luverdos. Die Zwölfjährige hat eine Reitbeteiligung auf dem Pony.

Inzwischen sind alle Tiere wieder wohlauf. "Wir haben viel Konditions- und Muskelaufbau betrieben, halt wie Krankengymnastik", erklärt Kathrin Kohrt. "Aber jetzt laufen sie, Gott sei Dank, alle wieder normal", sagt sie erleichtert.

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