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aus dem Schöffengericht : Heroin verschenkt: Bewährung für 27-Jährigen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein Fleckebyer hat Heroin an Mitbewohner vergeben und einem Bekannten viermal die Droge gespritzt.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2016 | 06:34 Uhr

Eckernförde | Mit einem Geständnis setzte sich gestern das Verfahren am Schöffengericht fort, bei dem einem 27 Jahre alten Mann aus Fleckeby vorgeworfen wurde, im Jahr 2014 Marihuana, Ecstasy und Heroin an andere, zum Teil noch Minderjährige abgegeben zu haben. Während der Angeklagte in der letzten Verhandlung behauptete, sich nicht daran erinnern zu können, einem Bekannten auf dessen Aufforderung hin viermal Heroin gespritzt zu haben, räumte er diese Taten jetzt ein.

Vier Zeugen wurden diesmal gehört, nachdem drei andere schon beim letzten Verhandlungstag ausgesagt hatten. In der Wohngemeinschaft des damals werktätigen Heroinabhängigen gingen mehrere Leute ein und aus. Unter anderem ein damals 13-Jähriger, der dort zwar Marihuana geraucht hatte, aber nicht wusste, woher es stammte. Ebenso ging es einer damals 15-Jährigen, die jetzt aussagte. Die Joints hätten damals die Runde gemacht. Wer sie gebaut hatte, wusste sie nach eigener Aussage nicht.

Ihr Bruder war es, auf dessen Aussage bei der Polizei sich die Anklage hauptsächlich stützte, doch folgte bei der letzten Verhandlung plötzlich eine Kehrtwende. Er habe in seiner Aussage übertrieben, um seine Schwester dort herauszuholen. In Wirklichkeit sei alles gar nicht so schlimm gewesen.

Jetzt sagte auch einer der ehemaligen Mitbewohner des Angeklagten aus, der nach eigenen Angaben „so gut wie jede Droge“ genommen habe. Er gab zu, dass er und der Angeklagte sich damals gegenseitig mit Heroin ausgeholfen haben. Ähnlich verlief es bei einem anderen Mitbewohner.

Nach den Aussagen weiterer Zeugen, von denen einer einräumte, von dem Angeklagten Heroin erhalten zu haben, sahen es Richter und Schöffen als erwiesen an, dass der 27-Jährige damals in insgesamt 13 Fällen Heroin an andere Personen abgegeben hat. „So richtig zugeben mochte keiner was, so richtig abstreiten aber auch keiner“, sagte der Richter. Angeklagt waren ursprünglich 37 Fälle, darunter das Abgeben von Marihuana an den damals 13-Jährigen und an die 15-Jährige, was jedoch aufgrund der Zeugenaussagen nicht bestätigt wurde. Hier erfolgte ein Freispruch.

Der Angeklagte hatte im August 2014 eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz erhalten. Da die jetzt verhandelten Taten noch vor diesem Zeitpunkt lagen, verrechnete das Gericht die neue Strafe zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Damit kam es der Forderung der Staatsanwaltschaft nach, die Verteidigung hatte eine Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten gefordert.

Für den Angeklagten hat gesprochen, dass er nach den Ereignissen im Jahr 2014 eine Drogentherapie erfolgreich abgeschlossen hat, er seither nicht mehr strafrechtlich aufgefallen ist und an diesem Tag ein Teilgeständis abgelegt hatte. Auch hat er nicht mit den Drogen gehandelt, sondern sie unentgeltlich abgegeben. Dennoch wurde ihm auferlegt, dass er für die Dauer der Bewährungszeit alle drei Monate einen Drogentest absolvieren und im Falle einer Arbeitslosigkeit 150 Sozialstunden ableisten muss. Richter Tiedemann machte deutlich: „Das ist ein letzter Warnschuss: Wenn ähnliche Fälle wieder auftreten, ist Ihnen nicht mehr zu helfen.“

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