Hermann Hesse: Seine Gedanken über das Alter

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30. Juli 2015, 17:43 Uhr

Schon lange bevor Hermann Hesse sein hohes Alter erreichte, dachte er über diese Lebensphase nach. Er sagte: „Altsein ist eine schöne und heilige Aufgabe wie Jungsein – vorausgesetzt, dass sie mit Ehrfurcht und Sinn vollzogen wird. Wer diese Lebensstufe fürchtet und hasst, ist kein würdiger Vertreter des Altseins. Traurig wäre es, sich dem Verfall hinzugeben.“

Die teuersten Gaben im Alter sind der Schatz an Bildern, die man nach einem langen Leben im Gedächtnis trägt, denn das Leben musiziert weiter. Alter und Verkalkung machen Fortschritte, manchmal will das Blut nicht mehr so richtig durchs Gehirn fließen, aber man wird auch gelassener und nimmt alles nicht mehr so ernst.

Im Rückblick auf sein Leben hob Hesse die zweite Lebenshälfte hervor, die Zeit reich an Kämpfen, reich an Anfeindungen, an Not und schließlich an allzu vielen Erfolgen. Aber die Kraft zum Überstehen dieser Lebensphasen resultierte aus den ersten stilleren Jahren des Friedens, die er erleben durfte.

Dem Alter gebührt Stille und bedarf auch Beschäftigung mit dem Tode. „Diese Gedanken sind kein Wahn und auch keine hübsche Phantasie, sie sind real und gehören zu meinem Leben.“

Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,

jeder Morgen Abend werden.

Ewiges ist nicht auf Erden

Als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will

Einmal Herbst und Welke spüren.

Halte, Blatt, geduldig still,

wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Lied und wehr dich nicht,

lass es still geschehen.

Lass vom Winde, der dich bricht,

dich nach Hause wehen.


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