Kabarett : Herkules aus Dresden holt die verbale Keule raus

Hochgradig explosives Kabarett aus Dresden (v.l.): Die “Herkuleskeule” mit  Michael Rümmler, Brigitte Heinrich und Rainer Bursche.
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Hochgradig explosives Kabarett aus Dresden (v.l.): Die “Herkuleskeule” mit Michael Rümmler, Brigitte Heinrich und Rainer Bursche.

Die Kabarettgruppe „Die Herkuleskeule“ war auf Einladung der Theatergemeinschaft in der Stadthalle und ging wieder tabulos und schmerzfrei dahin, wo’s lustig ist.

shz.de von
12. April 2014, 06:46 Uhr

Das war hammerhart und echt ’ne Keule – aber was erwartet man, wenn man zum politischen Kabarett geht? Weicheier und Softies sind da nicht angesagt, schon gar nicht, wenn Dresdens berühmtes Kabarett-Theater „Herkuleskeule“ auftritt.

Die drei Kabarettisten Rainer Bursche, Brigitte Heinrich und Michael Rümmler agierten nicht zum ersten Mal hoch gerühmt in der Fördestadt: Ihrem exzellenten Ruf folgten am Donnerstagabend darum auch über 400 Theater- und Kabarett-Fans in die Stadthalle.

Bissig, böse, brisant machen sich die drei Querdenker, Bedenkenträger und „Rufer in der Wüste“ über alles her, was in der politischen Landschaft so wunderbar heil scheint und doch so viel Un-Heil birgt. Jeder kriegt sein Fett ab. Da hat Putin grad noch Glück, denn in der kabarettistischen Sause geht kaum etwas über Angela Merkel. Hier hat Brigitte Heinrich ihr „scharfes Fresschen“ gefunden, und sie verblüfft mit einer bitterbösen Parodie auf die Kanzlerin – Dialekt, Mundwinkel, Tonfall und Körpersprache inbegriffen („Du bist Europas Domina“ – „Die eiserne Jeanne d’Arc – Merkel aus der Uckermark“ – „Du bist nicht schön, doch Macht ist geil“). Aber nicht nur da war man sprachlos. Die Allround-Kabarettistin hat es mit großartiger Stimme und noch größerer schauspielerischer Gabe drauf, bekannte Lieder, Schlager, Chansons – je nach Thema umgedichtet – für eine aktuelle Problematik umzuwidmen.

Mit dem 80-jährigen Opa Neugebauer (Rainer Bursche) lassen sich ebenfalls zeitnahe „politische Unebenheiten“ umwerfend – weil skurril überzogen – und handfest verkörpern: zum Beispiel die demografische Entwicklung, Renten oder Altersheime. Penner? „Der Nachteil des Nichtstuns ist, dass man nicht weiß, wann es vorbei ist.“ Finanzkrise? „Armut ist der beste Schutz vor Besitzverlust.“ Politiker? „Ohne Volk hätten wir es einfacher.“ – „Wir wollen den mündigen Bürger aber keinen, der den Mund ausmacht.“ – Und: „Wir lassen uns einfach nicht mehr von euch wählen.“

Und die drei fantastischen Ost-Kabarettisten, wie sie als Vertreter daher kommen, als Senioren und Ernährungsberatungsvertreter, am besten noch als Volksvertreter – das war schön biestig. Weitere ordentlich aufgespießte Themen für Wutbürger? Klimakatastrophe, Weltuntergang, Kirche und Kindesmissbrauch, Marktwirtschaft, Finanzkrise, Penner, NSA, Terroranschläge, Emanzipation, „Korruption-Filz-Dekadenz-sittlicher Verfall – Berlusconi…“ Wurde da überhaupt irgendwas oder -wer verschont?

Nach diesem scharf-bissigen Rundumschlag mit viel tabufreier Kritik fühlte man sich gut durchgepustet.

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