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Planungs- und Gestaltungsbeirat : Herbe Kritik: Kaiserhof-Planung durchgefallen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Planungs- und Gestaltungsbeirat der Stadt Eckernförde hat kein gutes Haar an den vorgelegten Neubauplänen Kaiserhof / Lindenhof gelassen: Zu unsensibel, zu massiv, keine hinreichende städtebauliche Qualität. Der Architekt muss seine Pläne überarbeiten.

Zu Gesicht bekommen haben die aktuelle Planung für den Kaiserhof und den Lindenhof bislang nur wenige. Der Kreis dürfte exklusiv bleiben. Denn die gestern Abend in der Sitzung des Planungs- und Gestaltungsbeirats der Stadt vom Kieler Architekten Olaf Schmidt-Bleyl vorgestellte Planung wird so nie realisiert. Der erst seit kurzem im Amt befindliche Gestaltungsbeirat – bestehend aus fünf unabhängigen Architekten, Landschaftsarchiteken und Stadtplanern aus Lübeck, Hamburg und Flensburg – hat kein gutes Haar an den Plänen gelassen. Und das formulierten die Experten auch klar und deutlich. „Wir sind nicht einverstanden mit Ihrer Planung, das ist der falsche städtebauliche Ansatz. Wir sind sehr, sehr überrascht über die ganze Herangehensweise“, sagte Helmut Riemann. Er riet dem Architekten, sich bei der Überarbeitung stärker am historischen Vorbild des Kaiserhofs zu orientieren, der unbedingt als Solitär erhalten bleiben müsse und keinen wie auch immer gearteten Plattenanbau vertrage.

Bemängelt wurde die Massivität des dreigeschossigen „Platzdominators“ an der Bergstraße, wie Schmidt-Bleyl es selbst formulierte. „Dieser Kasten neben dem Platz ist doch grauenhaft“, befand Beiratssprecher Riemann in der ungewohnt offenen Aussprache. Auch die zweigeschossige Flachdach-Wohnbebauung als Lindenhof-Ersatz an der Bergstraße passe nicht ins Bild. Die Beiratsmitglieder bescheinigten dem Planer zudem einen unsensiblen Umgang mit dem historischen Kaiserhof und dem dörflichen Charakter des Borbyer Wohnumfeldes, der gesamten Planung fehle städtebauliche Qualität. Zudem werde die typologische und gewachsene Sonderstellung zwischen Borbyer Dorfplatz und der Ostsee mit einem willkürlich erscheinenden Wechsel zwischen Flach- und Satteldachbauten architektonisch vollkommen unpassend umgesetzt. Unter dem Strich sei es „erschütternd“, was der Beirat an die Hand bekommen habe, erklärte Helmut Riemann.

Architekt Schmidt-Bleyl wie auch Investor und Bauherr Michael Mattner aus Henstedt-Ulzburg mochten der harschen Kritik zwar teilweise folgen, verwiesen aber einigermaßen konsterniert immer wieder auf die Gestaltungsvorgaben, die ihnen von der Stadt Eckernförde gemacht worden seien. Man habe im Verlauf des Verfahrens enge Vorgaben bekommen, verteidigte Schmidt-Bleyl seine Planung, die ursprünglich mal ganz anders ausgesehen habe und eher dem entsprochen hätte, was sich der Beirat vorstelle. Investor Mattner kritisierte den scharfen Ton, mit dem der Beirat seine Kritik öffentlich vorgebracht habe und stellte sich demonstrativ hinter seinen Architekten. „Herr Schmidt-Bleyl war schon auf einem anderen Weg, ist dann aber umgedreht worden“. Auch er wolle den historischen Kaiserhof erhalten, müsse aber auch auf die wirtschaftliche Umsetzung des Projekts achten. Er hätte sich gewünscht, dass die Beiratsmitglieder ihre Kritik vorab in einem Gespräch mit ihm und seinem Architekten vorgebracht hätten. Mattner appellierte an alle Beteiligten, künftige Gespräche sachlich und fair im Sinne einer für alle Seiten guten Lösung zu führen.

Bürgermeister Jörg Sibbel versuchte, die Wogen zu glätten. Er lobte den Gestaltungsbeirat für seine akribische Arbeit, zeigte aber auch Verständnis für die Enttäuschung des Investors. Das B-Plan-Verfahren gerade in diesem Gebiet sei mit der eingeläuteten Quartiersuntersuchung und der spät ausgesprochenen Veränderungssperre aufgrund anderer Bauabsichten in dem Gebiet sehr komplex.

„Wir wollen nicht holzen, sondern Ihr Bauvorhaben befördern und Sie unterstützen“, gab Riemann dem Investor und seinem Architekten mit auf den Weg.

 

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erstellt am 18.Sep.2013 | 06:36 Uhr

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