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Stilles Ehrenamt : Herausforderung für das Menschsein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hospizverein Dänischer Wohld möchte Schwerkranke liebevoll, ehrlich und offen begleiten / Empfang zum einjährigen Bestehen

Er sieht seine Aufgabe darin, schwer kranke oder sterbende Menschen und deren Angehörige ehrenamtlich zu begleiten: Ein Jahr nach der Gründung des Hospizvereins Dänischer Wohld kamen am Sonntag rund 80 Gäste im Vereinsheim des Gettorfer TV in der Kirchhofsallee zusammen, um zurück und nach vorne zu blicken und sich auszutauschen.

Jeder Gast wurde mit persönlichen Worten begrüßt, Mitglieder hatten ein Buffet gezaubert, musikalisch umrahmte das Streicherensemble unter der Leitung von Renate Kauke die Veranstaltung mit Mozart und Haydn. „Die Hospizarbeit muss Freude machen“, betonte die Vorsitzende Dr. Friederike Boissevain. „Es ist eine Arbeit, die aus der Fülle heraus entsteht und nicht aus Verzicht.“ Ihr Dank für die große, unerwartete Unterstützung gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass man entgegen aller Prognosen bereits mit der Begleitung anfangen konnte. Amtsdirektor Matthias Meins habe ihre ersten Ideen auf die Ebene des Dänischen Wohlds gehoben, ihnen wurden im Gettorfer Rathaus ein Büro, in Altenholz und Dänischenhagen Räume für Sprechstunden zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde Gettorf leistete 8000 Euro, die Gemeinde Altenholz 10 000 Euro an Startkapital. Sie dankte ihrem Vorstand, den Mitgliedern, Begleitern, Gemeinden, Sponsoren und nicht zuletzt den Hausärzten, um zueinander zu kommen mit denen, die sich Begleitung wünschen. Inzwischen zählt der im November 2012 aus dem Wunsch und Anliegen, die Versorgung Schwerkranker und ihrer Angehörigen in der Region zu verbessern, geründete Verein mhr als 70 Mitglieder. Er versteht sich als regionale Bürgerinitiative, die im Dänischen Wohld Hospizarbeit stärken möchte und die sich dafür einsetzt, dass jeder Mensch unter würdigen Bedingungen sterben darf – wenn möglich zuhause. Für Amtsdirektor Matthias Meins ein Geschenk des Himmels, wenn sich so ein Engagement auftut, auf einem Feld, das vorher brach lag. „Ein sehr stilles Ehrenamt“, sagte er. „Für mich der pure Altruismus, pure Menschenliebe.“

Mehr Menschen als erwartet möchten diese schwierige Aufgabe übernehmen. 41 Hospizbegleiter befinden sich derzeit in Ausbildung oder sind schon ausgebildet, acht Menschen werden seit dem 5. September begleitet. Koordinatorin Dorothea Paulsen, gelernte Krankenschwester und Heilpädagogin, leitet die Ausbildung. „Unser Ziel ist, um noch mehr Akzeptanz zu werben, denn der Wunsch nach Begleitung stellt keineswegs eine Kapitulation dar“, erklärte Dr. Friederike Boissevain. Oft laste nicht Angesprochenes auf Betroffenen und Angehörigen, was durch Schuldzuweisungen, Aggressionen und Sprachlosigkeit einen hohen Tribut fordere. „Scheinbar kleine Dinge werden zu riesigen Problemen.“ Ziel der Begleitung sei, mit dem sterbenden Menschen den für ihn richtigen Weg zu gehen, machte Claudia Prehn aus Friedrichsort, seit vier Jahren Hospizbegleiterin, in ihrem Erfahrungsbericht deutlich. „Ich tue es, weil es wichtig ist“, sagte sie. Sie selbst konnte mit elf Jahren nicht von ihrer Oma Abschied nehmen. Das Thema Tod werde totgeschwiegen und verdrängt, „und doch ist er da“, sagte sie. „Der Sterbende muss alles loslassen. Menschen, die er liebt, Träume, Wünsche, Pläne. Und er fragt sich, kommt etwas danach, oder ist alles dunkel?“ Begleitung ist gemeinsam schweigen, die Hand halten, Gespräche führen über den Sinn des Lebens, den Glauben, Gott, singen, beten, Karten spielen und lachen. „Wichtig ist, dass wir Gefühle aushalten, die jeder hat – Wut, Verzweiflung und Traurigkeit“, sagte sie. Dabei stellt sie immer wieder fest, wie wertvoll die eigene Lebenszeit ist. Und sie erinnert sich, den schönen und für sie wichtigen Dingen mehr Raum zu geben.

In diesem Jahr möchte der Hospizverein seine Arbeit um Trauerbegleitung und die Begleitung von Demenzkranken ergänzen. Ab März sollen sich Hinterbliebene jeden ersten Sonntag im Monat und feiertags von 15 bis 17 Uhr im Gemeindehaus im Pastorengang in Gettorf beim Trauercafé treffen und austauschen können. „Hospizarbeit ist eine Arbeit, die vom Inhalt her eine kontinuierliche Herausforderung für unser Menschsein darstellt“, betonte Dr. Friederike Boissevain. „Wir sind immer noch ganz am Anfang, können jede, wirklich jede helfende Hand gebrauchen, um liebevoll, ehrlich und offen zu begleiten und für die da zu sein, die uns anvertraut werden.“

 

> Wer die Arbeit des Hospizvereins unterstützen möchte, kann Vereinsmitglied werden (Mindestbeitrag 30 Euro/Jahr), Fördermitglied werden (Mindestbeitrag 100 Euro/Jahr), ehrenamtlich mitarbeiten oder mit einer Spende helfen: Hospizverein Dänischer Wohld e.V., Eckernförder Bank eG, Konto.-Nr. 130 422 40, BLZ 210 920 23, IBAN: DE88210920230013042240, BIC: GENODEF1EFO.

 

www.hospiz-im-wohld.de



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erstellt am 14.Jan.2014 | 06:08 Uhr

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