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Hunde-Ausbildung in Lindau : Helfer, Freund und Trostspender

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Lindauer Akademie für Assistenzhunde bildet Hunde zum Alltags-Unterstützer für Menschen mit verschiedenen Erkrankungen aus.

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 08:04 Uhr

Eckernflörde | „Maggy, Check“, schallt es durch die Speicherpassage. Für die Labradordame ist dies das Kommando, ihr Frauchen abzusichern gegenüber anderen Menschen. Brav stellt sie sich hinter Rona Reinberg. „So kann die Person sich die Schaufenster angucken, ohne Angst zu haben, dass ihr von hinten jemand zu nahe kommt“, erklärt die die Leiterin der Lindauer Akademie für Assistenzhunde (AfA), Kati Zimmermann.

Der Sinn dahinter ist jedoch schwerwiegender, als es auf den ersten Blick aussieht. Menschen, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, können leicht panisch werden, wenn sie großen Menschenmengen ausgeliefert sind. Der Hund gibt dabei Halt und Schutz. Für Maggy hingegen ist die Übung reiner Spaß, der am Ende sogar mit Futter belohnt wird. Die ein Jahr alte Hündin befindet sich noch mitten in der Ausbildung zum Assistenzhund. „Momentan trainieren wird mit knapp 20 Hunden“, erklärt Zimmermann, die dabei von ihrer Hündin Silver (3) unterstützt wird. Zu erkennen sind die Tiere an ihren gelben Decken. Silver ist eine sogenannte LPF–Hündin. Das bedeutet, dass sie in lebenspraktischen Fähigkeiten ausgebildet wurde. Dazu gehört Waschmaschine ausräumen, aber auch Socken ausziehen.

Im Laufe der 20-monatigen Ausbildung erhält jeder Hund eine Spezialisierung. So können sie auch als Depressionshelfer, oder Diabetiswarner trainiert werden. „Das wird dann in einem ausführlichen Gespräch mit dem Kunden geklärt“, erläutert Zimmermann. Auch bei der Suche nach einem passenden Tier wird geholfen. Wichtig ist dabei zu beachten, dass die Tiere charakterlich zu ihrem künftigen Besitzer passen. Wenn ein adäquates Tier gefunden ist, beginnt die Ausbildung. In dieser Zeit kann der Hund auch von Paten übernommen werden. So hat Familie Reinberg zum Beispiel die Patenschaft für Maggy übernommen. Die Labradorhündin wohnt nun bei ihnen und wird von Daniela Reinberg trainiert. Dabei steht sie stets im Austausch mit Kati Zimmermann.

Auch die Ausflüge nach Eckernförde unternehmen sie zusammen. In der Stadt lernen die Hunde, Ablenkungen zu ignorieren und sich voll auf den Besitzer zu konzentrieren. Mit dabei ist immer „Co-Trainerin“ Silver. Die erfahrene Hündin kennt alle Kommandos und ist eine Ruhepol für die Jüngeren. Zum ersten Mal dabei war die vier Monate alte Lilly. Noch relativ hektisch und unruhig folgte sie Silver durch die Speicherpassage. „Bei ihr braucht man noch etwas mehr Zeit, aber sie steht auch noch am Anfang der Ausbildung“, sagt Zimmermann. Lilly ist auch schon in festen Händen. Regelmäßig treffen sie und ihr späterer Besitzer sich. Dies sei wichtig, um die Bindung zwischen beiden noch weiter zu fördern.

Ein Großteil der Ausbildung findet in der Akademie Lindau statt. Dort lernen die Tiere wichtige Kommandos auszuführen und auf Befehle zu hören. Für ihren späteren Einsatz ist das enorm wichtig. „Es gibt immer wieder Situationen, in denen der Hund den Menschen so schnell wie möglich aus einer Menschenmenge bringen muss.“ Für diese Situation gibt es das Kommando „Rand“. In dem Fall läuft der vierbeinige Helfer zielgerichtet die nächste Wand an und leitet den Menschen so auf dem kürzesten Weg aus der Menge. Daran anschließend soll der Vierbeiner Trost spenden. Dass Tiere beruhigend wirken, ist bekannt, doch diese Hunde erhalten in 20 Monaten eine Ausbildung, die sie vom Tröster und Freund zu einem wahren Helfer macht. Besonders die Diabetiswarnhunde können dabei sogar lebensrettend werden. „Sie können riechen, wenn der Blutzuckerspiegel gefährlich abfällt und geben dann Warnung“, sagt Zimmermann.

Um dem Vierbeiner bei seiner Aufgabe zu helfen, gelten für ihn besondere rechtliche Grundlagen. Mit der gelben Decke darf er sogar in Geschäfte gehen, in die andere Hunde nicht dürfen. „Die Leute müssen verstehen, dass der Hund dann kein Tier mehr ist, sondern ein medizinisches Hilfsmittel“, betont Zimmermann. Auch deshalb sind die Ausflüge in die Stadt so wichtig – die Paten und Hunde leisten gleichzeitig Aufklärungsarbeit. Streicheln ist allerdings verboten, denn die Hunde müssen stets konzentriert sein.

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