Energiewende : Heiße Diskussion um Windkrafträder

Zu lebhaften Diskussionen führen die Planungen, sechs Windräder nahe Gut Saxtorf zu errichten.
Zu lebhaften Diskussionen führen die Planungen, sechs Windräder nahe Gut Saxtorf zu errichten.

Großes Interesse an Vortragsveranstaltung der Riesebyer Wählergemeinschaft / Schwierigkeiten bei der Einspeisung von Windenergie

Avatar_shz von
17. März 2014, 06:00 Uhr

Zu einer Vortragsveranstaltung mit dem Thema „Wenn die Windriesen kommen“ hatte die Wählergemeinschaft Rieseby (WGR) am Sonnabend in das Sportbistro eingeladen und damit für ein volles Haus gesorgt. Politiker und Bürger aus Rieseby, aber auch aus den Nachbargemeinden waren gekommen, um sich die Vorträge anzuhören und an der anschließenden Diskussion teilzunehmen. Gezeigt wurde außerdem ein Film vom Green Screen-Festival über Windräder im Allgäu.

WGR-Vorsitzender Frank Frühling erklärte zur Begrüßung noch einmal, wo genau die sechs Windkraftanlagen geplant sind, von denen vier die Leistung von 7,5 Megawatt und zwei von drei Megawatt erbringen sollen. Der Standort wird zwischen Gut Saxtorf und den Gemeindegrenzen zu Loose und Holzdorf festgelegt. Da der erste Redner, Tobias Axmann, aufgrund beruflicher Gründe nicht erscheinen konnte, wurde dieser Part von seinem Vater Roland Axmann übernommen. Sehr anschaulich erklärte er die Zusammensetzung des Strompreises und den Zusammenhang zwischen Stromherstellung und der Abnahme von Strom beziehungsweise der Notwendigkeit des Zukaufs von Strom, wenn nicht genug durch Wind erzeugt werden kann. „Windeinspeisung ist nicht hundertprozentig planbar“, erklärte er, denn der Wind wehe wie er wolle. Da Windstrom Vorrang zur Kohleenergie habe, müsste bei voller Windenergie der Kohlestrom heruntergefahren werden. Dies lassen sich die Kohlekraftwerke bezahlen. Wenn dann wieder nicht genug Wind ist, muss Strom aus anderen Energien hinzu gekauft werden, der dann auch wieder bezahlt werden muss. So müssen die Verbraucher zweimal zahlen: einmal wenn zuviel Strom hergestellt wird, und einmal wenn nicht genug Strom da ist. „Das Problem dabei ist, dass es noch nicht möglich ist, Strom zu speichern“, so Axmann. Zudem komme das weitere Problem der fehlenden Netzwerke dazu. „Das ist so als wenn Sie sich ein Auto kaufen und gar keine Straße zur Verfügung haben“. Schlau wäre es daher gewesen, erst das Netz aufzubauen und dann die Stromerzeugung.

Eindeutig gegen die Errichtung der sechs Windkrafträder bei Saxtorf sprach sich der zweite Redner und Jäger Dirk Piening aus. Er äußerte seine Bedenken, da die ausgewiesene Fläche in einer Biotopverbundszone läge und wies auf die Tiere hin, die in Schwansen zu Hause sind – wie Kraniche und Seeadler, aber auch gefiederte Gäste wie Singschwäne und Zwergschwäne.

Beide Vorträge führten zu lebhaften Diskussionen im Publikum. Immer wieder ergriffen Teilnehmer das Wort zugunsten des Naturschutzes und des Tourismus, bis Carola Hoffmeyer die Frage aufwarf: „Welche Alternativen haben wir zur Windenergie? Letztendlich geht es darum, wie viel Energie wir verbrauchen. Wenn wir uns nicht einschränken möchten, müssen wir uns der Forderung stellen und Alternativen suchen.“ Piening schlug dazu ein Repowering der an der Westküste schon vorhandenen Windkraftwerke vor. Esther Morrison aus Sieseby wies darauf hin, dass das Gebiet Schwansen ein feinhaariges Ökosystem sei, in dem der Mensch seine Energien wieder auftanken könne. „Deshalb dürfen hier nicht einfach sechs Windräder hingestellt werden“, meinte sie. Auch die ehemalige Holzdorfer Bürgermeisterin Sylvia Green-Meschke wollte die Landschaft ohne Windkraft wissen und berichtete von Schattenwurf der Flügel und Lärmbelästigung der Windräder. Thomas Ahrens aus Sieseby machte den Vorschlag, erst einmal den Bau der Stromtrassen abzuwarten um dann zu klären, ob es überhaupt noch weiteren Bedarf für Stromerzeugung gäbe.

Die Riesebyer Wählergemeinschaft hatte mit der Veranstaltung ein Thema angepackt, dass niemanden kalt ließ. Die Gäste diskutierten hin und her und ließen sich nach der Pause von Finanzwirt Christian Tiemann noch die wirtschaftliche Einschätzung nahe bringen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen