Heinz Teufel: Ökologie und Kunst

von
03. September 2018, 12:27 Uhr

Neben hochrangigen Autoren wie dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, dem Philosophen Hans Küng oder dem Journalisten Heribert Prantl ist auch der Eckernförder Fotograf Heinz Teufel im Jahr 2010 um einen Beitrag für den Jubiläumsband der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gebeten worden. Hier sein Beitrag in fast vollständiger Länge, der Grundlage seines Denkens und Handelns ist (siehe Bericht oben):

„Natur ist durch die Evolution des Universums entstanden, der Mensch aus ihr hervorgegangen. Zerstört nach Jahrmilliarden der Entwicklung Natur sich selbst durch ein Alphatier, das sich selbstverliebt als Mensch bezeichnet und sich außerhalb der Natur wähnt, das eigenmächtig naturgegebene Strukturen und Strategien totalitär und grenzenlos zum ausschließlich eigenen Vorteil nutzt? Des Menschen zügelloser Wille zur Macht, zur uneingeschränkten Fortpflanzung und zur maßlosen Befriedigung seiner Habsucht, wirkt katastrophal zerstörend auf die Natur. Erkennen wir, dass die Verhaltensmuster, durch die wir so zerstörend wirken, zwar natürliche Muster und Strategien der Evolution sind, dass die Natur aber, auf dynamisches Gleichgewicht ausgerichtet, alle hierarchisch dominanten Ansätze durch Regelkreise ganzheitlich anpasst. Im Unterschied dazu vernichtet menschliches Verhalten, geprägt von Grenzenlosigkeit, diese dynamisch komplexe Einheit des Lebens. Aber nicht die Natur wird verschwinden, der Mensch wird sich selbst zerstören.

Erklärungsversuch: Das Leben wandelte sich und wuchs in Reaktion auf seine Umwelt von der Zelle bis zum bewusst denkenden Menschen. Alle Schritte zum Leben, vom Sternenstaub bis zur Idee, bilden sich analog in uns ab, werden körperlich gelebt und geistig reflektiert. Durch die Evolution unseres Gehirns sind alle Wandlungen der lebenden Natur analog in diesem geborgen. Diese reichen von primitiven Verhaltensmustern über humane Strukturen bis zur kreativen Ideenfindung. (...)


Der Mensch als Teil der Schöpfung

Der Mensch erlebte in seinen Anfängen durch Bewusstwerdung eine Distanz zur Natur und zum eigenen Körper. Er trennte Körper und Geist, Kultur und Natur. Der Mensch verließ in Folge seiner Erkenntnisse die Regelkreise der Natur und passte einseitig die Natur an seine Bedürfnisse an. Die Realität mit unseren Vorstellungen von Wirklichkeit verwechselnd, zerstören wir seither diese Welt, selbstverliebt, selbstherrlich dominant.

Des Menschen Rechtfertigung für sein Verhalten, im Auftrag Gottes zu handeln, ist naiv. Es gibt keine Schöpfung im Sinne der Bibel, durch diese idealistischen Annahmen entbindet der Mensch sich selbst von der Natur und von seiner Selbstverantwortung, als Teil der Schöpfung handeln zu müssen. Der Mensch ist selbstverständlich ein Glied im ganzheitlich kausal sich entwickelnden Universum, der Natur, des Lebens. (...)

Zu wenig ausgeprägt ist die Fähigkeit zur Einsicht in die Ganzheit der Schöpfung und des Lebens. Unsere Doppelmoral, entgegen besseren Wissens zum eigenen Vorteil zu handeln, taugt nichts. Der Zustand unserer Welt verlangt ein Umdenken und veränderte Handlungsstrategien: Wir müssen eine Doppelstrategie entwickeln. Idealisieren wir Bescheidenheit, passen wir unsere materielle Habenstruktur an die gegebenen Möglichkeiten an, gestalten wir unsere Umwelt als synergetische Einheit von Natur und Kultur und entwickeln wir geistige Welten.

Mensch sein bedeutet für mich, eine neue Qualität der Schöpfung selbstverantwortlich zu realisieren, die Einheit von Körper und Geist zu leben, die Einheit von Natur und Kultur zu gestalten, unsere relative Freiheit zu nutzen, bewusst zu sein und verantwortlich für sich selbst und das Ganze zu handeln. Passen wir uns durch ganzheitlich ökologisch zu entwickelnde Strategien an und schreiben wir die Geschichte der Evolution mit geistigen Mitteln gestaltend fort. Der Mensch muss die Natur in sich selbst überwinden und darüber hinaus ethisch, moralisch sich neu bewerten.


Geistige Erneuerung des Menschen

Von wesentlicher Bedeutung ist für mich die Notwendigkeit einer geistigen Erneuerung des Menschen und unserer Kultur durch die Kunst. Nutzen wir vielschichtig die Möglichkeiten, uns auszudrücken und einzubringen. Gestalten wir als Künstler interdisziplinär orientiert Umwelt. Machen wir uns mit fotografischen Mitteln ein Bild von der Welt, anstatt diese real besitzen zu wollen. Nutzen wir unsere Möglichkeiten, durch Visualisierung und Inszenierung eigener Vorstellungen und Erkenntnisse, durch Ausdruck persönlicher Gefühle, uns mitzuteilen und einzubringen. Die Sprache der Kunst, der Fotografie wird durch Gestaltung informativ, kommunikativ, ermöglicht den Dialog.“



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen