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Eckernförder Zeitung

21. August 2017 | 16:46 Uhr

„Hein Bülk“ weist den Weg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Bülker Leuchtturm ist der älteste seiner Art in Schleswig-Holstein / Kein Raum mehr für Seefahrer-Romantik

Als ich 1995 zum ersten Mal die Bülker Huk erwanderte, habe ich den Leuchtturm am Strand als ein Malmotiv entdeckt. Ich habe ihn noch in seiner natürlichen Stille erlebt, denn der Ort scheint heute nicht mehr der „Geheimtipp“ geblieben zu sein, sondern wurde eher zum lohnenden Ausflugsziel. Der Turm war noch nicht öffentlich zugänglich, wie es heute der Fall ist. Heute genießt man den Rundblick vom Turm auf die Kieler Förde. nachdem man die 98 Stufen bis zur unteren Plattform des Turmes geschafft hat. Erholen kann man sich danach im angrenzenden Pavillon bei Kaffee und köstlicher Torte.

Seit 150 Jahren tut er nun schon seine Pflicht und ist damit der älteste Leuchtturm an der Kieler Förde. Er ist eng mit der deutsch/dänischen Geschichte verbunden. Unter Kong Christian IX. wurde zunächst ein Lotsen- und Leuchthaus gebaut, das jedoch durch Blitzschlag 1843 ausbrannte. Der Bau eines richtigen Leuchtturms ist zwar 1862 von den Dänen begonnen worden, aber der deutsch/ dänische Krieg stoppte den Bau. Preußen gewann diesen Krieg und stellte 1865 den Leuchtturm fertig. Er ist damit der älteste seiner Art in Schleswig-Holstein. Im Volksmund hieß er immer nur kurz „Hein Bülk“.

Seine Hauptaufgabe war es, die aus der Kieler Förde ein- und ausfahrenden Schiffe mit einem roten Sektorenlicht vor der Untiefe „Stollergrund“ zu warnen. Außerdem liegt dort auch das Wrack des im Jahr 1719 versenkten schwedischen Linienschiffes, der „Prinzessin Hedvig Sophia“. In früheren Jahren wurden vor dem Stollergrund Seebestattungen vorgenommen. Nach einer gesetzlichen Regelung muss seit einigen Jahren die „Dreimeilenzone“ verlassen werden, dann ist ein bestimmter Ort für die Seebestattung nicht mehr vorgeschrieben.

Wer sich die Seekarte ansieht, die den Bereich des Bülker Leuchtturms abdeckt, erkennt, wie gefährlich die Ausfahrt aus der Kieler Förde für die Schifffahrt ist. Untiefen und Sandbänke, Wracks und Riffs lauern am Seegrund. Deshalb wurde dem Turm schon bald zusätzlich ein Feuerschiff zur Seite gestellt.

Im Jahre 1910 bekam der Leuchtturm eine vierfeldrige Scheinwerferoptik, aufgeteilt in rotes und weißes Licht und wurde 1969/70 zu einem „Leit- und Orientierungsfeuer“ umgebaut. Das weiße Licht ist 16 Seemeilen weit zu sehen. Die Farbe des Turmes wurde verändert. Statt einer roten Binde trägt der weiße Turm seitdem eine schwarze Bauchbinde. Die Farbgebung der Leuchttürme wird von der jeweiligen Seezeichenbehörde festgelegt. Maßgebend ist dabei die Unverwechselbarkeit, sowie der Einklang der Farbe mit der Umgebung.

Bis 1970 wohnten in Bülk drei im Schichtdienst beschäftigte Leuchtfeuerwärter. Eine Fernsteuerung machte sie überflüssig. Der Leuchtturm selbst ist bis heute in voller Funktion. Vor zwei Jahren wurde er modernisiert und zurückgebaut. Über der „Laterne“ des Turmes kann man eine Radarantenne für die Fernüberwachung erkennen.

Seefahrer-Romantik hat da wenig Raum.

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erstellt am 03.Nov.2015 | 18:55 Uhr

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