Platz eins in Deutschland : Heimatkunde mit Zungenbrecher: Hellschen-Heringsand-Unterschaar

Rekordverdächtig: 30 Buchstaben und zwei Bindestriche
Rekordverdächtig: 30 Buchstaben und zwei Bindestriche

Diese Gemeinde trägt mit 32 Zeichen den längsten Ortsnamen. Darüber macht sich Autorin Bärbel Hoffmann so ihre Gedanken.

shz.de von
03. Januar 2018, 14:33 Uhr

Eckernförde | Wenn man in einer der schönsten Küstenstädte überhaupt wohnt, in Eckernförde, stellt man schon mal die Frage: Wo würden denn Sie gern wohnen? Vielleicht doch in Hellschen-Heringsand-Unterschaar?

Das ist eine von über 11.000 Gemeinden in unserer Republik. Wir müssen nur nach Dithmarschen fahren, wenn wir uns das Ortsschild ansehen wollen, das sicher mit seinen 32 Zeichen extrem groß ausfällt – und bestimmt auch teurer als ein normales ist. Um die 180 Einwohner müssen sich mit dem längsten Namen einer Gemeinde in Deutschland herumschlagen.

Grünes Land und weiter Himmel: Hellschen-Heringsand-Unterschaar
Michael Staudt
Grünes Land und weiter Himmel: Hellschen-Heringsand-Unterschaar

Entstanden ist der Name nach 1934, als die Kirchspielgemeinde Wesselburen aufgelöst wurde und aus den Orten Hellschen, Heringsand und Unterschaar neu gegründet wurde. So einfach ist das, man reiht einfach alle Namen aneinander und lässt die Einwohner Sprechübungen machen, damit sie alles fehlerfrei und in der richtigen Reihenfolge aussprechen können.

Aber damit nicht genug, auch den längsten Ortsnamen finden wir, richtig, in Dithmarschen. Ist halt ein weites Land. Ich habe mir immer gewünscht, dass der Name meiner Geburtsstadt Eckernförde nicht so lang ist, denn ich schrieb schon früher viel, und der Absender muss auf die Briefe drauf – bei Postkarten bin ich luschig. Wenn denn jemand Kiel angab, habe ich denjenigen früher beneidet. Das ist kein Scherz, denn ich schreibe immer noch viel, ich meine handschriftlich, Sie wissen schon, so mit Papier und Stift … Nun heißt es bei mir immer 24340 Eck.

Also stelle ich mir vor, wie es den Menschen mit dem 26 Buchstaben langen Dithmarscher Ortsnamen geht, nämlich, Achtung, Zungenbrecher: Schmedeswurtherwesterdeich. Auch dieses Ortsschild ist sicher eine Kostenfalle, zumal ja keine Bindestriche drin vorkommen. Wer nun in Schmedeswurtherwesterdeich – ich kann es schon fast perfekt aussprechen und fast flüssig schreiben –, ja, wer also an einen Einwohner schreiben will oder muss, braucht längere Briefumschläge, oder es gibt ja diese längeren Ansichtskarten, aber die kosten auch mehr Porto, und das bei ständig steigenden Gebührenerhöhungen der Bundespost. Ich glaube, ich wäre umgezogen, z. B. nach Bäk im Herzogtum Lauenburg. Drei Buchstaben als Adresse- ein Traum für Vielschreiber …

Übrigens: Wenn nun jemand glaubt, ich surfe ständig im Internet und finde dabei merkwürdige Sachen, Zahlen, Begebenheiten, dann irrt er. Meistens beziehe ich mich auf Wissenswertes aus unserer Zeitung bzw. dem Wochenendjournal und suche danach erst ganz gezielt nach mehr Information. Zum Beispiel gab es einige Zeit eine Rubrik in besagtem Journal, die da hieß: „Ach nee! Wussten Sie eigentlich, dass …?“

Aber zurück zu meiner Recherche über Schmedeswurtherwesterdeich: Dort gibt es schöne Immobilien zu kaufen, z.B. sprang mir vor einiger Zeit ein tolles Bauernhaus von 1870 mit Riesenstall und einer 1,4 Hektar großen Koppel für einen Schnäppchenpreis von 345.000 Euro ins Auge, oder auch ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Zimmern für 310.000 Euro, und alles in wunderschöner Lage zwischen Kaiser-Wilhelm-Koog, Marne, Brunsbüttel und ganz viel Elbe.

Kann es sein, dass den potentiellen Hausverkäufern der Ortsname beim Schreiben auch zu lang war? Eine Bitte: Nicht nach den Objekten suchen, ist schon eine Weile her, vielleicht hat doch jemand zugeschlagen, jemand, der nicht so oft schreibt.

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