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Foto-Dokumentation : Heimatgemeinschaft auf neuen Pfaden

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die neue Arbeitsgemeinschaft „Foto-Dokumentation“ der Heimatgemeinschaft fotografiert Kultur- und Naturdenkmäler, ordnet sie ein und erhält sie so der Nachwelt. Vorschläge und Mitstreiter gesucht.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2015 | 06:10 Uhr

Eckernförde | In vielen Jahren hat die „Heimatgemeinschaft Eckernförde“ – mit über 3000 Mitgliedern der größte Heimat- und Geschichtsverein in Schleswig-Holstein – verschiedene Arbeitsgemeinschaften aufgebaut, deren ehrenamtliche Mitarbeiter konkrete Themen behandeln. Dazu gehören unter anderem die Arbeitsgemeinschaften „Chronik“, „Paläontologie“, „Naturschutz und Landschaftspflege“ sowie „Plattdeutsch“. Die AG „Familienforschung“ zum Beispiel hilft Bürgern, in aufgearbeiteten Kirchen- und Rathausakten ihre Vorfahren zu bestimmen. Die AG für Vor- und Frühgeschichte erarbeitet derzeit Informationstafeln rund um das historische Windebyer Noor.

In diesem Jahr ist unter dem Stichwort „Foto-Dokumentation“ eine neue Arbeitsgemeinschaft gegründet worden, die Kultur- und Naturdenkmäler sowie Objekte aus Kunst und Handwerk im Einzugsgebiet der Heimatgemeinschaft fotografiert und einordnet. „Auf diesem Feld sind in den vergangenen Jahrzehnten große Verluste entstanden, die nicht einmal im Bild festgehalten wurden“, sagt Dr. Heinrich Mehl. „Erst in letzter Zeit wurde der Verlust des Grabsteins für Anna Elisabeth Helms, der Mutter Lorenz von Steins, auf dem Borbyer Friedhof festgestellt – und es gibt davon nur ein einziges unscharfes Foto.“ Und vor wenigen Wochen sei die Bemalung des Eingangs zur Gaststätte „Frau-Clara“, gemalt von Falko Windhaus, verschwunden.

In der AG Foto-Dokumentation haben sich erfahrene Hobby-Fotografen zusammengetan, die Interesse an Kulturgeschichte und Denkmalpflege haben: Larissa Dyck, Ulrich und Kirsten Kleinfeld, Dr. Heinrich Mehl, Wolfgang Obuch, Barbara Schäfersküpper, Gudrun Schleyer und Werner Tippel. Erste Themen haben sie „durchfotografiert“: die historischen Ecksteine („Radabweiser“) in Eckernfördes Altstadt, Fenster, Türen und Tore aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie attraktive Graffiti im Stadtbild.

Die meiste Zeit in Anspruch nahmen zwei große Projekte, wie Heinrich Mehl erläutert: „Zum einen reiste eine Gruppe der AG zum Gut Ludwigsburg, um in einem Saal des herrschaftlichen Gutes die gemalte Bildtapete ,La Prise de la Smalah D’Abd El-Kader’ aus dem Jahr 1849 aufzunehmen.“ Denkmalpflege und Kunstgeschichte hätten diese in der Welt bisher einmalige Darstellung aus dem französisch-algerischen Krieg 1997 freigelegt, beschrieben und fotografiert. Nun sollte die Tapete noch einmal vollständig fotografisch festgehalten werden. Mehl: „Spannend wird zu erfahren sein, wie eine ausgesprochen französisch-nationalistische Tapete in ein Herrenhaus an der Ostsee bei Eckernförde kommt und wer ihre Auftraggeber waren.“ Die gemalten Szenen zeigen Motive aus dem französisch-algerischen Krieg im 18. Jahrhundert: kämpfende Soldaten in europäischer Uniform und in arabischen Kleidern, Kamelreiter, ein Zelt mit friedlichen islamischen Bewohnern, eine nackte schwarzafrikanische Sklavin.

Das zweite Team besuchte mehrmals mit Kameras den Kranzfelder Hafen, um das im Stabsgebäude 32 an einer Wand zu findende „Nagel-U-Boot“ zu dokumentieren. Das Denkmal hing 1915 über den Rundbogentoren am Rathausmarkt, und wer Geld für den Ersten Weltkrieg spendete, durfte einen Nagel einschlagen. „De Isern Düker“ (Der Eiserne Taucher), wie das Motiv genannt wurde, ist vielfach beschrieben worden, nicht aber die über 90 Plaketten, die rundum befestigt sind und die Vereine, Innungen, Schulen und Regimenter nennen, wenn sie besonders viel gespendet hatten. Heinrich Mehl: „Die Plaketten bedeuten eine großartige Auflistung der bürgerlichen Vereinigungen im Eckernförde der Jahre um 1915.“ Genannt werden der „Eckernförder Schummerclub“ und der „Detaillistenverein von Eckernförde-Borby“, der „Schafkopfclub Germania“, die „Freimaurerloge Ykernborg“ oder der „Staatseisenbahn-Verein“. Eine beschriftete Metallplatte wird vom Foto-Team als kleine Sensation bewertet, sie nennt als Stifter „Offiziere der Kaiserlich-Ottomanischen U-Boots-Schule“. Die arabischen Schriftzeichen werden derzeit mit Hilfe von Islam-Forschern an deutschen Universitäten entziffert. „Sie sind Beleg dafür, dass in Eckernförde oder in Kiel um 1915 türkische U-Boot-Fahrer ausgebildet wurden“, sagt Heinrich Mehl.

Fotografie, Dokumentation und Forschung – das ist die Arbeit der neuen AG, die dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung ist, zu welchem Thema und an welcher Stelle eine systematische Foto-Dokumentation notwendig ist. Und: Die AG steht offen für weitere Interessierte, die sich bei AG-Sprecherin Barbara Schäfersküpper melden können (Tel. 04351/90  73  66, oder bei der Heimatgemeinschaft, Tel. 04351/85  42  7).

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