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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 03:15 Uhr

Hausgemachter Bratapfel im Mittelmeer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eckernförder Marinesoldaten zu Weihnachten auf dem Tender Main im Einsatz

von
erstellt am 24.Dez.2016 | 06:18 Uhr

Proviantmeister Jan M. (33) ist seit Oktober im Mittelmeer. Als Besatzungsmitglied des Tenders Main nimmt er an der Operation „Sophia“ teil. Mit rund anderen 100 Soldaten verbringt der Oberbootsmann die Weihnachtstage im Einsatz, erst im April wird das Schiff im Heimathafen zurückerwartet. Als „Chefkoch“ des Schiffes bereitet der Proviantmeister das Festmahl – seine Kombüse wird zur Weihnachtsbäckerei. Die Redaktion hatte Gelegenheit, mit ihm ein Interview zu führen.


Wie feiern die Soldaten aus Eckernförde im Einsatz das Weihnachtsfest?
Der Tender Main wird über Weihnachten einige Tage in der maltesischen Hauptstadt Valletta liegen. Hier können sich die Soldaten nach den fordernden Seephasen kurz erholen. Natürlich müssen einige an Bord bleiben: Der Grundbetrieb wird durch eine militärische Hafenwache geleistet. Wer keine Wache hat, kann nach Hause fliegen – oder auch die Familie nach Malta holen. Für alle, die am Weihnachtsabend an Bord sind, gibt es ein gemeinsames Weihnachtsessen. Traditionell hat eine besinnliche Stimmung ja auch mit kulinarischen Genüssen zu tun. Da ist natürlich der Proviantmeister als „Chefkoch“ in der Pflicht. Und zwar mit handwerklicher Liebe.

Wird ein Baum aufgestellt?
An Bord gibt es für jede Dienstgradgruppe eine Messe – die Ess- und Wohnzimmer der Soldaten. Die werden mit Girlanden, Kränzen und Lichterketten geschmückt – für ein bisschen weihnachtliche Stimmung an Bord. In Valletta wird ein Weihnachtsbaum für die Messe besorgt – aber erst kurz vor dem Fest. Wir laufen erst am 20. Dezember ein. Zur Einstimmung ist die Kombüse aber schon ein paar Tage lang weihnachtlich dekoriert. Auch wenn der Sturm kurz vor Einlaufen am 20. Dezember dem einen oder anderen den Appetit verdorben hat.

Erhalten Sie Geschenke von ihren Familien? Wie gelangen diese Geschenke ins Einsatzgebiet oder an Bord?
Die Familien können über den Heimathafen Eckernförde Geschenke ins Einsatzgebiet versenden und ihren Lieben damit Weihnachtsgrüße übermitteln. Marinesoldaten freuen sich immer auf Pakete. Auf diesem Wege haben uns auch Christstollen als Weihnachtsgrüße aus dem Verteidigungsministerium erreicht.


Finden gemeinsame Weihnachtsfeiern oder sogar Gottesdienste statt?
Am 4. Advent fand ein gemeinsames Christstollenessen statt. Das Flugdeck wurde zu einem Weihnachtsmarkt umfunktioniert, damit bei Temperaturen um 20 Grad auch Weihnachtsgefühle bei der Besatzung aufkommen. Die Soldaten haben mit ein paar kleinen „Buden“ ihren eigenen Weihnachtsmarkt gestaltet. Der christliche Segen erreicht uns an Heiligabend aber per Telefon, da sich kein Militärpfarrer an Bord befindet. Auf Malta kann die Besatzung an einer Weihnachtsandacht teilnehmen.

Wird „weihnachtlich“ gegessen oder sogar gebacken?
Die Kombüse wird zur Weihnachtsbäckerei – das können die Smuts ja auch. Der Duft frischgebackener Kekse wird sich an Bord verbreiten. Die Köche werden 25 Kilogramm Mehl, sechs Kilogramm Butter und dreieinhalb Kilogramm Marzipan zu Köstlichkeiten für die Besatzung verarbeiten. An Heiligabend bereiten die Smuts ein traditionelles Weihnachtsessen: Kartoffelsalat mit Würstchen. Am ersten Weihnachtstag gibt es für die Besatzung das nächste Highlight: Gänsekeule an Rotkohl mit Semmelknödel und als Dessert „Hausgemachten Bratapfel“!

Haben die Soldaten während des Weihnachtsfestes Kontakt zu ihren Familien? „Handychance“, „Skype“ oder ähnliches?
Der Tender hat Satellitentelefone an Bord, die die Besatzung Tag und Nacht auf See und im Hafen kostenfrei nutzen kann. Außerdem können wir im Hafen Nachrichten über die Internetleitung versenden. Zu Weihnachten nutzen das natürlich auch alle – es ist ja ein Familienfest.

Kommt bei viel Arbeit und Warmwetter überhaupt richtige Weihnachtsstimmung auf?
Es ist natürlich schwierig, bei Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad in richtige Weihnachtsstimmung zu verfallen – die wir ja meist mit winterlichem Wetter verbinden. Da versucht die Besatzung mit weihnachtlichem Glanz nachzuhelfen und freut sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest im Hafen und die Möglichkeit, die Familien treffen zu können. Andererseits – in der Weihnachtsgeschichte hat ja auch kein Schnee gelegen! Das „Christkind“ kam in Bethlehem zur Welt – und dort dürften ähnliche Temperaturen geherrscht haben wie gerade bei uns. Die paar Tage im Hafen über Weihnachten helfen schon bei der Weihnachtsstimmung. Aber wir sind hier nun einmal im Einsatz – bald geht es wieder raus. Silvester stehen wir in See.


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