Altenholz-Stift : „Hauptsache, wir können weitermachen“

Auch Marie Salzer (l.) nutzt den zusätzlichen Wochenmarkt in Stift und kauft hier bei Heike Hill, die bereits seit 27 Jahren auf dem Markt in Stift Käse verkauft.
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Auch Marie Salzer (l.) nutzt den zusätzlichen Wochenmarkt in Stift und kauft hier bei Heike Hill, die bereits seit 27 Jahren auf dem Markt in Stift Käse verkauft.

Kaufleute haben Übergangslösungen nach dem Brand der Stifter Ladenzeile gefunden / Wochenmarkt jetzt dienstags und freitags

shz.de von
06. Januar 2015, 06:00 Uhr

Von der Normalität ist man, zumindest wenn es ums Einkaufen geht, in Stift nach dem verheerenden Brand der Ladenzeile noch weit entfernt. Zwar haben die ersten Händler ihr Geschäft in Provisorien wieder aufgenommen, Lebensmittel bekommt man aber vorerst nur bei Aldi, außerhalb Stifts oder auf dem Wochenmarkt. Dieser wurde um einen zusätzlichen Termin erweitert, um älteren und weniger mobilen Einwohnern die Einkäufe zu erleichtern. Fand der Markt bislang nur am Freitagnachmittag statt, kann man sich jetzt auch am Dienstagvormittag mit vielen Dingen des täglichen Bedarfs dort eindecken. „Die Händler haben das sofort gut aufgenommen. Zunächst lief es zwar etwas schleppend an, aber die Kunden müssen sich an den Termin wohl erst gewöhnen“, sagte Bürgermeister Carlo Ehrich, der auch darauf hinwies, dass für die Marktbeschicker am Dienstag keine Standgebühren anfallen.

Zudem stellte Ehrich fest, dass es weniger Stände als am Freitag sind, was aber daran liegen wird, dass viele der Standbetreiber am Dienstag feste Termine auf anderen Märkten haben. Am vergangenen Dienstag war es noch ruhiger. Gerade mal fünf Stände fand man auf dem Platz. Heike Hill aus Langwedel, die seit 27 Jahren auf dem Stifter Markt Käse verkauft, hatte auch dafür eine Erklärung: „Viele Kollegen machen zwischen den Feiertagen Urlaub“. Auch sie bestätigte, dass es anfangs sehr schleppend anlief, mittlerweile der Termin aber mehr angenommen werde von den Kunden, hauptsächlich den Älteren. „Mal sehen, wie es sich entwickelt“, sagte die Händlerin, die ihre anderen Termine an den Dienstagen zunächst abgesagt hat. „Wir haben hier so viele treue Kunden, denen wollen wir jetzt erstmal helfen“, so Hill. Auch Marie Salzer aus Stift nutzte die Gelegenheit, bei Heike Hill einzukaufen. „Sonst fahre ich mit dem Bus nach Klausdorf zu Famila oder gehe zu Aldi. Aber ich bin froh, dass es den Markt jetzt zweimal in der Woche gibt“, so die 81-jährige, die ebenso froh darüber ist, dass die Bäckerei Steiskal wieder ständig mit einem Verkaufswagen vor Ort ist.

Auch Gisela Gutsche aus Stift, die sich bei Thorsten Jöhnk am Stand des Hühnerhofs Postkamp mit frischem Gemüse und Milch eindeckte, freut sich über den zusätzlichen Termin. „Alles, was ich hier bekommen kann, kaufe ich in Stift und den Wochenmarkt nutze ich jetzt vermehrt“, sagte die 78-jährige, die besonders das Allee-Café vermisst. „Gar nicht so sehr für mich, aber viele ältere Leute trafen sich dort jeden Tag zum Kaffeetrinken – wo sollen die jetzt hin?“, fragt sie sich.

Neben dem Blumengeschäft Kalinka aus der Ladenzeile haben auch Anke und Jens Petersen mit ihrem Zeitschriften-, Lotto- und Tabakwarengeschäft einen Container bezogen. „Es ist relativ schwierig. Das Angebot ist natürlich etwas kleiner als vorher, wir haben hier nur den halben Warenbestand und es kommen auch etwas weniger Kunden“, sagte Anke Petersen, die das darauf zurückführt, dass es momentan keinen Lebensmittelmarkt gibt. „Wir haben vorher alle voneinander profitiert, das fällt jetzt erstmal weg“, schlussfolgert die Geschäftsfrau, die aber auch betont, dass die Kunden sehr dankbar und „superlieb“ sind. Ihr Fazit: „Da müssen wir jetzt durch“.

Sascha Berg hatte als einer der Ersten bereits Anfang Dezember seinen Friseursalon im ersten Stock über der Apotheke gegenüber der zerstörten Ladenzeile wieder eröffnet. „Wir haben zwar nur die Hälfte an Bedienungsplätzen und sind auch nur über die Treppe erreichbar, im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden. Es ist zwar nur ein Provisorium, aber Hauptsache ist, dass wir weitermachen können“, so Berg. Man müsse sehen, wie es weitergeht; aus Stift weggehen möchte er aber nicht – schließlich gibt es den Salon Berg in Stift schon seit Eröffnung der Ladenzeile vor über 50 Jahren.

Bis wieder Normalität eintritt, wird es noch etwas dauern. Bürgermeister Carlo Ehrich ist aber überzeugt, dass mithilfe des Städtebauförderungsprogramms und einer sorgfältigen Planung am Ostpreußenplatz ein modernes und attraktives Nahversorgungszentrum entstehen wird. Im Februar soll die Brandruine abgeräumt werden, Gespräche mit dem Eigentümer, Stadtplanern und Architekturbüros laufen bereits oder sind in Vorbereitung und auch die Geschäftsleute und die Öffentlichkeit sollen mit einbezogen werden. „Wir wollen“, so Ehrich, „die Leute nachhaltig dazu bringen, wieder in Stift einzukaufen. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Bis ein neues Nahversorgungszentrum steht, wird es noch etwas dauern“. Aber irgendwann wird in Stift sicher auch beim Einkaufen wieder Normalität herrschen.

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