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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 04:53 Uhr

Hat der Euro eine Zukunft ?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz spricht sich in seinem Buch unter anderem für die Einführung eines Süd- und eines Nord-Euro aus

Der Wirtschaftswissenschaftler Robert Mundell hat eine Untersuchung über die Voraussetzungen vorgelegt, dass eine Währungsunion zwischen Ländern funktionieren kann. Dafür erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. Aus seiner Analyse geht hervor, dass die Euroländer zu unterschiedlich sind, als dass eine gemeinsame Währung ohne Weiteres funktionieren könnte. Bedingung sind der notwendige politische Rahmen und zahlreiche soziale und ökonomische Faktoren sowie Institutionen.

Die Gründer der Eurozone waren jedoch der Meinung, dass, wenn sich die Haushaltsdefizite und Staatsschulden der Euroländer in Grenzen hielten, es in der ganzen Eurozone Wachstum und Stabilität geben würde. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz erläutert in seinem kürzlich erschienen Buch „Europa spart sich kaputt - Warum die Krisenpolitik gescheitert ist und der Euro einen Neustart braucht“, dass diese Annahme offensichtlich falsch war. Den Mitgliedstaaten der Eurozone geht es schlechter als den Ländern der EU außerhalb der Eurozone.

Die Südländer der Eurozone stecken in einer Depression oder tiefen Rezession. Auch Italien und Frankreich stehen vor gravierenden Problemen. Die bessere Situation Deutschlands entstand zum Teil auf Kosten der anderen Euroländer. Ein System, das den Wohlstand und weitere Integration fördern sollte, hat das Gegenteil erreicht.

Den Euroländern wurde durch die Gemeinschaftswährung die Möglichkeit genommen, durch Anpassung der Wechselkurse die Ausfuhr ihrer Güter billiger und attraktiver zu machen. Die Wechselkursänderungen sind neben der Zinsvariierung die wichtigsten Mechanismen, mit denen sich Volkswirtschaften anpassen, um Vollbeschäftigung aufrecht zu erhalten. Dies führte dazu, dass viele Länder ihr Außenhandelsgleichgewicht nicht entsprechend ihren Bedürfnissen erreichen konnten. Eine Folge war eine unverhältnismäßig hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere Jugendarbeitslosigkeit von 30 % und mehr.

Darüber hinaus hat die Sparpolitik Wachstum behindert. Nicht nur in Griechenland, sondern in der ganzen Eurozone sind negative soziale und politische Konsequenzen praktisch vorprogrammiert. Diese Entwicklung mit relativ hoher Arbeitslosigkeit und Angst vor Arbeitslosigkeit treibt immer mehr Bürger in die Arme rechtsextremer Parteien. Die Gemeinschaftswährung bedroht die Zukunft Europas.

Stiglitz schlägt sechs Strukturreformen vor, die er für unabdingbar hält. Regeln und Institutionen der Eurozone müssen geändert werden, sonst zerbricht diese. Dazu gehört auch eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden. Er hat jedoch den Eindruck, dass es nicht wahrscheinlich ist, dass hier ausreichend Fortschritte gemacht werden, da bei vielen Ländern die Solidarität an der Grenze aufhört. Europa sollte deshalb dringend damit anfangen, über Alternativen zu der Einheitswährung nachzudenken.

Stiglitz zeigt verschiedene Möglichkeiten auf. Zum Beispiel einen Süd-Euro mit Griechenland, Portugel und Spanien, der durch Abwertung auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger wird, und einen Nord-Euro. Darüber hinaus ist eine umfassende Schuldenabschreibung bei Griechenland unumgänglich. Am Beispiel der Insolvenz Argentiniens mit Währungsabwertung zeigt Stiglitz auf, wie schnell sich das Land danach wirtschaftlich erholte.

Noch halten die Bürger der Euroländer zum Euro. Bei weiter unbefriedigender Wirtschaftslage kann sich dies, auch unter Einfluss der zunehmend wachsenden extremen Parteien in einigen Ländern ändern. Bei einem weiteren „Durchwursteln“ würde sich die derzeitige Lage noch verschlechtern und es würde dann teurer werden, als es jetzt schon geworden ist.

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