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SÜDLICHES TEMPERAMENT IM OSTSEEBAD : Harte Arbeit und leidenschaftlicher Tanz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Klein Bolonia in Eckernförde: Der Flamenco-Workshop endete am Sonntag mit einer Fiesta im Carls. Das Abschlusskonzert voller sinnlicher Kraft fand vor ausverkauftem Haus statt.

Eckernförde | Im hohen Norden Deutschlands gibt es eine spanische Dependance? Kaum vorstellbar – und doch tanzen hier seit 20 Jahren Eckernförderinnen, die „Los Balticos“, den feurigen Flamenco. Doris Schlüter, selbst begeisterte Flamenco-Tänzerin, war viele Jahre Teilnehmerin an Flamenco-Workshops in Bolonia, im Süden Andalusiens – und setzte dann eine gute Idee in die Tat um: Sie gründete „Klein Bolonia“ als spanischen Ableger fürs entfernte Eckernförde.

Im spanischen Bolonia gibt es Kurse in den Fächern Tanz, Gesang, Gitarre, Castagnetten und das jeweils im Mai und September jeden Jahres. In Eckernförde werden nun solche Kurse ebenfalls seit vielen Jahren angeboten, allerdings nur einmal im Sommer – und dann für fünf Tage. Der Andrang zu den diesjährigen Workshops war groß. Auch Männer trauten sich zu Tanz - und Gitarrenunterricht. Und die spanische Lebensfreude schwappte bei allen über: Jung und älter, schmal und mollig, Anfänger und bereits Könner, alle trafen sich zum viel verheißenden Arbeitsprogramm. Die Ergebnisse führen dann Koordinatorin Doris Schlüter und die „Schüler“ mit berechtigtem Stolz vor.

So geschehen am Sonntagabend im Carls – vor ausverkauftem Haus. Im ersten Teil des Programms zeigten Anfänger und Fortgeschrittene ihr Können. Mit festen Hacken an den Schuhen und viel spanischer Dekoration im Haar stampften sie den Rhythmus, schwangen sie die Rüschenröcke und tanzten sich spanisch-rote Wangen. Sie sangen forsch und selbstbewusst südspanische Lieder, zeigten, was man mit Castagnetten so alles machen kann, und die von Profi-Gitarrist Rayko Schlee spanisch auffrisierten Gitarrenspieler holten südliche Akkorde ins Ostseebad. Eine bravouröse Leistung der Workshop-Teilnehmer, die auf der Bühne förmlich aufblühten.

Gemeinsam mit Gitarrist Rayko Schlee waren weitere „Azabache Flamenco“-Künstler von Berlin zum Klein-Bolonia nach Eckernförde gekommen. Ein Luxus, wenn man sah, wer sich da für die fünf Workshop-Tage als Lehrer zur Verfügung gestellt hatte: Sänger Luis „El Peluca“ ist ein Cantaor festerero, das bedeutet, er hat die Gabe, aus dem Moment heraus Texte und Gesänge zu improvisieren. Seine Bulerias und Soleares singt er mit solcher Intensität, das wirkt wie ein orientalischer Wüstensturm und reißt mit – die Tänzerinnen reagieren nur zu gern auf seine animativen Worte und Gesten. Das facht sie an, sie tanzen – so scheint es – noch leidenschaftlicher und wilder vor seinem Gesang. Neben Gitarrist und Sänger sind es aber auch die drei Flamenco-Tänzerinnen, die mit ihrem professionellen Können alles in den Schatten stellen, was man bei Touristen-Aufenthalten in Spanien je sah.

Der zweite Teil des Abendprogramms gehörte den „Profis“. Ob als Dreiergruppe oder im Solotanz – sie waren stark, leidenschaftlich, ausdrucksstark. La Mona kommt von Ballett, Jazz und Tango, fand ihre künstlerische Heimat in Jerez de la Frontera, ist heute als Flamenco-Tänzerin gefragte Choreografin und Dozentin. Joelle Guerrero, als Tochter spanischer Emigranten in Frankreich geboren, fühlt sich dem traditionellen Flamencotanz verpflichtet, tanzt ihn zwar ausdrucksstark, dabei elegant und häufig eher zurückhaltend. Sie organisiert seit über 20 Jahren internationale Workshops in Andalusien. Und schließlich Ana Menjibar, die im schwarzen Habit ohne Rüschen und Volants einen Flamenco aus der Hölle hoch holte, der mit Hitze, Leidenschaft, Wut, Hass, Verzweiflung nur noch schwer atmen ließ. Und wie schön – auch sie wurde sinnlich, schwenkte weich ihre Hüften und lächelte.


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