Hanseatische Erlebnisreise ins Reich der Gewürze

Am „Schnuppertisch“ in Spicy‘s Gewürzmuseum in der Hamburger Speicherstadt.
Am „Schnuppertisch“ in Spicy‘s Gewürzmuseum in der Hamburger Speicherstadt.

Das Gewürzmuseum in der Hamburger Speicherstadt ist auch ein Erlebnis für die Sinne

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06. Mai 2015, 12:31 Uhr

Es hat sich in meinem Leben nicht immer gefügt, dass ein fürsorgliches weibliches Wesen da war, für das leibliche Wohl der Familie, der Kinder, zu sorgen. Und so ließ es sich nicht vermeiden, dass ich diese Aufgabe wahrzunehmen hatte. Es hat mal jemand ausgerechnet, dass wir volle zweieinhalb Jahre unseres Lebens ausschließlich dem Essen widmen. Eine Beschäftigung, der wir deshalb unsere ganze Aufmerksamkeit schenken. Nun beschränkt sich die Ernährung nicht nur darauf, dem Organismus mit den zur Lebenserhaltung, zum Wachstum und zur Leistung von Arbeit notwendigen Stoffen zu versorgen. Das Essen soll auch schmackhaft und bekömmlich sein. Und wie dies zu bewerkstelligen ist, muss gelernt werden. Bücher mit Kochrezepten gab es in Griechenland bereits seit dem 5. Jahrhundert vor Christus. Als Hilfestellung für meine Kochkünste diente mir eine etwas aktuellere Lektüre, das Dr. Oetker Kochbuch. Dessen Erläuterungen waren auch für meinen begrenzten Kochverstand begreifbar. Ich wurde darin als „junge Frau“ angesprochen. Als Mann begab ich mich also in eine weibliche Domäne. Wenn man in das Reich der Hausfrau, in die Küche eindringt, fallen einem die wohlgeordneten Behältnisse mit den verschiedenartigsten Gewürzen auf, mit denen sie die große Kunst beherrscht, den Speisen einen vorzüglichen Geschmack zu geben. Mir wurde bald klar, dass der richtige Einsatz von Gewürzen viel Wissen und Erfahrung voraussetzt und meine Leistungen auf diesem Gebiet hielten sich sehr in Grenzen.

Als ich vor kurzem in Hamburg in der historischen Speicherstadt ein Gewürzmuseum entdeckte, wurde ich neugierig, meinen Horizont auf diesem Gebiet zu erweitern. Ein Besuch schien mir besonders lohnend, denn es ist das einzige Gewürzmuseum der Welt. Speisen werden gewürzt seit vielen tausend Jahren. Auf einer altbabylonischen Keilschrifttafel (1700 v. Chr.) fand man mehr als 30 Kochrezepte, in denen Kümmel, Koriander und Knoblauch eine Rolle spielten. Man erfährt, dass Zimt das älteste Gewürz der Welt ist und Safran das teuerste. In der 350 Quadratmeter großen Ausstellung wird das Thema Gewürze von vielen Seiten dargestellt. Über 900 Ausstellungsstücke geben einen Eindruck, wie Gewürze angebaut, geerntet und weiterverarbeitet werden. Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist die Rolle der Gewürze in der Geschichte. Der Land- und Seeweg aus den Gewürzländern wie Indien und Indonesien war lang und bis ins 18. Jahrhundert gefährlich. Hinzu kam, dass durch die vielen Zwischhändler auf dem Transportweg die Gewürze sehr teuer wurden. Wer das Handelsmonopol hatte, konnte hohe Profite machen und sagenhaft reich werden. Diesereich gewordenen Kaufleute nannte man im Volksmund „Pfeffersäcke“, wobei diese Bezeichnung ganz generell für Großkaufleute, Handelsherrn und Schiffseigner gewählt wurde, die die Führungsschicht seit dem 17. Jahrhundert in Hamburg bildete.

Hamburg ist heute der drittgrößte Gewürzumschlagplatz der Welt. Pro Jahr kommen 80  000 Tonnen Gewürze an. Das Gewürzmuseum ist ein Erlebnismuseum. Man kann die Gewürze riechen, schmecken und anfassen. Es werden Kochvorführungen, Gewürzseminare und weitere Veranstaltungen angeboten, seine Kenntnisse über Gewürze zu erweitern. Ein Sprichwort sagt zwar: Hunger, Arbeit und Schweiß sind die besten Gewürze. Das Museum zeigt jedoch, dass die 2000 Geschmacksknospen, die ein erwachsener Mensch hat, noch zusätzlich auf vielfältige Weise animiert werden können.

>Spicy Gewürzmuseum, Am Sandtorkai 34, 20457 Hamburg




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