Mühlentag in Rieseby : Handwerkstradition zum Staunen

Testeten einen traditionellen Hobel: Falk Plujowsky, Jörg Böttger und Franziska Plujowsky.
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Testeten einen traditionellen Hobel: Falk Plujowsky, Jörg Böttger und Franziska Plujowsky.

1786 in Eiderstedt erbaut fand Mühle Anna 1908 ihren Platz in Rieseby / Heute ist sie ein Fenster zur Vergangenheit

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21. Mai 2018, 19:35 Uhr

Rieseby | Seit Jahren findet am Pfingstmontag in Schleswig-Holstein das Mühlenfest statt. Die historischen Bauwerke begeistern Jung und Alt mit Ihrer Technik und der Nostalgie vergangener Tage. Die Mühle Anna hat jedoch noch eine ganz besondere Geschichte. Die ursprüngliche Mühle wurde 1880 erbaut und ist 1908 abgebrannt. Früher war sie auch nicht mit dem Haupthaus verbunden. Die Mühle, die wir heute sehen können, ist auch älter. Sie wurde bereits 1786 in Eiderstedt an der Nordsee in Westerhever erbaut. Der Abbau und Wiederaufbau der Mühle dauerte von 1908 bis 1910, dann ging sie bis 1976 in Betrieb. In den folgenden Jahren hat die Gemeinde das Hauptgebäude als Wohnraum umgebaut und vermietet. 1997 hat sich der Mühlenverein gegründet und sie in Stand gesetzt. Eine Menge Arbeit für die ehrenamtlich tätigen Helfer des Vereins. Heute ist die Mühle betriebsbereit, jedoch wurde aus Gründen der Sicherheit die Hauptwelle zum Antrieb der Mühlsteine nicht mehr angeschlossen. Drehen kann sie sich ab Windstärke 4 auch ohne Segel. Stolz erzählen der erste und zweite Vorsitzende des Mühlenvereins Karl-Heinz Lappöhn und Peter Märten, dass in diesem Jahr das Dach der Mühle neu mit Schiefer eingedeckt wurde. In diesem Zug wurden auch gleich die Fenster mit ersetzt. Die Galerie, der große Umlauf um die Mühle, ist gesperrt. Um auch diesen öffnen zu können, müssten etliche kostenintensive Sicherheitsmaßnahmen gebaut werden. Gerade haben der Mühlen- und der Förderverein das Dach aus Spenden und Eigenleistungen für 55 000 Euro saniert.

Wer fragt, bekommt eine Antwort oder es gezeigt. Das konnte man bei dem Mühlenfest erleben. So erklärte Karl-Heinz Lappöhn den Besuchern, wie der Müller die Mahlstärke mit einem Hebel einstellte. Die ausgeklügelte Technik des 18. Jahrhunderts hat es dem Müller leicht gemacht, den mehrere hundert Kilo schweren Mahlstein mit einer Hand auf und ab zu bewegen. Wie der Bäcker das Mehl zu Brot verarbeitete, zeigte Heiko Ulrich. Den Ofen hatte er schon gestern angeheizt. Heute Morgen hatte die Glut noch 400 Grad Celsius. Zum Brot backen brauchte er gut 220 Grad.

Früher wurden die Werkzeuge per Hand gefertigt. Der achtjährige Falk Plujowsky probierte mit Jörg Böttger den Hobel aus. Nach Kurzem merkten beide die Kraftanstrengung. Interessant für den Tischlermeister, der heute mit modernsten Maschinen arbeitet. Er und seine Lebensgefährtin haben großes Interesse an den alten Techniken und finden es wichtig, dass auch die nachfolgenden Generationen von diesem Wissen noch etwas haben und erlernen. Gerade noch haben sie sich angeschaut, wie und wo Bienen leben, schon waren Lia (4) und Jonas (6) bei den Schafen. Die Eckernförder Familie hat vor zwei Jahren das erste Mühlenfest erlebt und sich jetzt zur Tradition gemacht, am Pfingstmontag die Mühle Anna zu besuchen. Nun warteten die vier gespannt darauf, dass ein Schaf geschoren wird.

Karl-Heinz Lappöhn schätzt, dass bis zum Abend des Mühlentags gute 1300 Besucher die Mühle besichtigt und reichlich Kaffee und Kuchen verzehrt haben. „Ein gelungener Tag“, lautete das Fazit des Mühlenvereins-Vorsitzenden.

Dirk Vetter

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