Handicap-Disco - "ein Stück Integration"

Sorgen als „DJ Hammer“ und „DJ Nagel“ für die richtige Musik: Die Organisatoren Sascha Rabe und Matthias Clement.
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Sorgen als „DJ Hammer“ und „DJ Nagel“ für die richtige Musik: Die Organisatoren Sascha Rabe und Matthias Clement.

In Diskotheken werden sie oft ausgelacht und ausgegrenzt. Deshalb treffen sich Menschen mit Behinderungen einmal im Monat in der Jugend- und Kulturwerkstatt "Haus" an der Reeperbahn, wo sie zu fetziger Musik tanzen und feiern können.

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20. April 2009, 10:04 Uhr

Eckernförde | Kaum haben sie das "Haus" betreten, geht es gleich auf die Tanzfläche: Knapp 90 Besucher mit und ohne Behinderungen nahmen am Freitagabend an der mittlerweile fünften Handicap-Disco des Schlei-Klinikums teil und fühlten sich dort sehr wohl: "Ich bin hier unter meinesgleichen", sagte Michaela Harder aus Fleckeby. Zwar gehe sie auch in andere Diskotheken, "aber da wird man immer angelabert". Dazu habe die 25-Jährige keine Lust.

Das passiert Menschen, die "anders sind als andere", oft, wissen auch Matthias Clement und Sascha Rabe. Die beiden haben selbst eine Behinderung und arbeiten in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WFB). Sie organisieren die Handicap-Disco und sorgen als "DJ Nagel" und "DJ Hammer" für die Musik. "Wenn man woanders zum Tanzen hingeht, machen sich die anderen Menschen oft lustig", sagt Clement und berichtet von einem Vorfall beim Osterfeuer am Südstrand, bei dem einer seiner Kollegen mit Steinen beworfen wurde, nur weil seine Tanzbewegungen aufgrund der Behinderung ungewöhnlich aussahen. "Da bleiben viele lieber zu Hause, als so etwas auf sich zu nehmen."

Bei der "Handicap-Disco" ist das anders: Jeder darf kommen, keiner wird schief angeschaut, wenn er zu der Musik "abrockt" - das haben sich die Veranstalter auf die Fahnen geschrieben. Mit wachsendem Erfolg: Mittlerweile besuchen bis zu 90 Gäste die Party. "Wenn das so weitergeht, brauchen wir andere Räume", meint Rabe.

Dass das schwer werden dürfte, lassen zumindest die Schwierigkeiten erahnen, die Lüder Drechsel, Begleiter des Heimbeirates des Hauses Windeby hatte, als er die "Handicap-Disco" vor gut einem Jahr gründen wollte. Mehrere Veranstalter hat er kontaktiert, von vielen gab es nicht einmal eine Antwort. "Das wäre aber das Mindeste gewesen", ärgert sich Drechsel.
Erst bei Alfred Kossakowski vom "Haus" hatte er Erfolg. Der Leiter der Kulturwerkstatt habe sofort zugestimmt. "Wir haben schon oft Dinge für Menschen mit Behinderungen angeboten", erklärt Kossakowski. So habe er bei dieser Disco auch schon einige bekannte Gesichter gesehen.

Die Räumlichkeiten im "Haus" hätten viele Vorteile, erläutert Drechsel. So sei der Jugendtreff sehr zentral, sodass auch Menschen mit Handwagen oder Rollstühlen die Disco erreichen könnten. Außerdem kämen auch andere "Haus"-Besucher, sodass die Veranstaltung nicht isoliert sei. "Das ist ein Stück Integration", so der Heilpädagoge. Außerdem habe man früher immer nach Kiel fahren müssen. In der Landeshauptstadt gibt es schon seit längerem eine Disco für Menschen mit Behinderungen. Allerdings hätten dort aufgrund der geringen Transportmöglichkeiten nicht alle dabei sein können. Das sei jetzt anders. "Jeder, der will, kann kommen." Das gefällt auch Maurice Wozny aus Eckernförde. Der 24-Jährige geht gerne tanzen. Ihm gefällt besonders die Musik in der "Handicap-Disco": "Die ist viel besser als in anderen Discos", sagt er. Auf jeden Fall sei diese Disco eine Chance, Kontakte zu knüpfen, sagt Lüder Drechsel, und Sascha Rabe fügt hinzu, dass sich noch einiges tun müsste, damit Menschen mit Behinderungen diese Gelegenheit auch in anderen Diskotheken haben: "Die Jugendlichen müssten Verständnis für andere Menschen entwickeln. Das müssen sie auch in der Schule lernen."


Nächste Disco Die nächste Handicap-Disco mit DJ Hammer und DJ Nagel findet am Freitag, 15. Mai, in der Zeit von 19 bis 22 Uhr im „Haus“ an der Reeperbahn statt. Eintritt: 1 Euro.

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