Musik : Handgemachter Rock in Reinform

Hannes Wendt (Mitte) mit Band: Das Ensemble brachte viel mehr als nur Cover-Hits und gute Musik ins Carls mit. Sie waren die Musiker und lebten ihre Musik mit allen Sinnen.
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Hannes Wendt (Mitte) mit Band: Das Ensemble brachte viel mehr als nur Cover-Hits und gute Musik ins Carls mit. Sie waren die Musiker und lebten ihre Musik mit allen Sinnen.

Hannes Wendt & Band feiern im Carls/ gelungener Neustart und viel mehr als nur eine Cover-Band.

shz.de von
02. Januar 2018, 06:00 Uhr

Eckernförde | Hannes Wendt & Band im Carls: Hinter dieser Ankündigung verbirgt sich mit Hannes Wendt die Hälfte der legendären Fuckin’ Kius Band. Er war einer der beiden Frontmänner, die seit den frühen 1980er-Jahren den Rock’n’Roll in allen Facetten lebten und predigten: Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Wer das wusste, wurde im zweiten Teil des Konzertes an diese Vergangenheit erinnert.

Interessanter war der neue Hannes Wendt. Offensichtlich erfordern lebensechte Musikerlebnisse eine Vita von Künstlern, die oft haarscharf kurz vor dem Abgrund noch die Kurve kriegten – und denen in weiteren Versuchen schließlich der Sprung in eine neue Karriere gelang. Hannes Wendt (Gesang, Artistik, Fantasie) ist das mit seiner Band zu wünschen.

Am Schlagzeug Mathias Schwarz, Keyboard Gunnar Walling, Bass Andy Franke und Haui Schulz (Gitarre), lieferten die fünf eine Show der Extraklasse: Wirbelwind Hannes stellte schnell auf Augenhöhe den Kontakt mit dem Publikum her. Er ist der Mann mit (Bühnen-) Erfahrung und Ideen, von dem der Abend lebte. Ihm reichte es nicht, mit seiner Band nur 80er-Rock-Klassiker nachzuspielen. Stattdessen lieferten sie lebendige, feine und sehr präzise gespielte Rockmusik der kraftvollen Art. Viel Fantasie dabei – wie eine vollbusige Elfe, die auf einem Roller im Tutu-Rock über die Bühne schwebte oder ein echter, lebender „Armleuchter“, der hier und da auf der Bühne für einen Lichtpunkt sorgte. Dazu handfester Gitarren-Rock: Kraftvolle, handgemachte Musik mit Super-Edelsound, den die Fünf mit großer Gelassenheit präsentierten.

„Präsentierten“ passt übrigens nicht; „spielten“ auch nicht, sie „waren es“: Musiker in Reinform, die fürs Publikum spielten und scheinbar keinen Wert darauf legten, sich als Stars zu präsentieren. Sie waren es aber – jedoch von der angenehmsten Art. Überall zwischen ihnen sprang, hopste, rannte und wirbelte singend, tanzend Hannes Wendt. Er schonte sich nicht, begeisterte mit seiner Stimme und genau passendem Gesang. Super!! Auch der Spaß kam nie zu kurz: Entweder in seinen Ansagen, oder weil er sich selbst mit Geschichten aus seinem Vorleben im Job als „lebende Discokugel“ auf die Schippe nahm. Hannes Wendts Stimme, sein Gesang, seine Art des Auftritts und der Sound stehen für ein Naturtalent. Er ist (noch?) ein Geheimtipp.

Grandios, wie er David Bowies „Heroes“ wieder zum Leben erweckte. Das war keineswegs „Out Of Control“ – wie es in einem anderen Titel dieses Abends hieß. „Everyone Wants A Winner“ sang er auch. Ein Wunsch, den Hannes Wendt mit seinem Neustart längst erfüllt hatte: Wer an diesem Abend im Carls war, gehörte zu den Gewinnern. Erinnerte sich an vergangene Zeiten, die sich unvergesslich mit epochalen Titeln wie „Sympathy For The Devil“ und „Jumping Jack Flash“ von den Rolling Stones ins Gehirn eingebrannt haben. Dazu gehören auch „Like A Rolling Stone“ vom Literatur-Nobel-Preisträger Bob Dylan und mit Iggy Pops „The Passenger“ eine Tanznummer, bei der man nicht ruhig stehen bleiben konnte.

Damit war klar: Hannes Wendt & Band sind viel mehr als eine Cover-Band. Mit dieser Formation haben die alten Zeiten ausgedient. Der Neustart ist gelungen.


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