zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 23:42 Uhr

Theater : Hamlet: Original und originell

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Grandioser Paukenschlag zum Auftakt der Theatersaison mit „Hamlet“ vom „Neuen Globe Theater“.

Eckernförde | Das war ja was am Mittwochabend: Wieder einmal gastierte „Hamlet“ in der Stadthalle. Die Theatergemeinschaft hatte dieses Gastspiel zum Auftakt der neuen Saison aus Potsdam herbeigeholt und bewies mit der frisch gegründeten Theatertruppe „Neues Globe Theater“ ein glückliches Händchen. Diese exquisite Aufführung sollte man sofort weiterreichen – mit den besten Empfehlungen.

Die Art des Theaterspiels ist nicht neu: Shakespeares Globe Theater im London des 17. Jahrhunderts war ebenfalls lebenspralles Volkstheater, spielte über Stunden bei Tageslicht vor zumeist stehendem Publikum, Musik – gespielt und gesungen – gehörte dazu, genauso wie das bei Shakespeare gewohnte „gender switching“. Frauenrollen wurden damals ausschließlich von Männern gespielt.

Das Licht im Saal blieb an; so gab es keine Lichtgrenze zwischen Publikum und Akteuren. Alle waren schön nah beisammen, und das leidenschaftliche Spiel der Akteure beeindruckte, ging ungefiltert unter die Haut. Volksnah auch die Sprache: Gespielt wurde in einer aktuellen, gut verständlichen Übersetzung – in lockerer Mischung aus Shakespeares göttlichen Wortspielen, dramatischen Sprachwendungen und heutigem, manchmal flapsigem Alltagsdeutsch. Dass bei allem heftigen Miterleben von Freude, Rache, Trauer, Wahnsinn jedoch keiner wie einst stehen musste, war bloß gut: „Hamlet“ dauerte zwei Stunden und 45 Minuten - zuzüglich Pause.

Die Handlung? Dänischer Prinz Hamlet kehrt heim zur Beerdigung seines Vaters. Die Mutter hat sich inzwischen mit dessen Bruder vermählt. Hamlet erscheint der Geist des toten Vaters, der spricht von Mord, fordert Rache.

Alles zusammen wirft den fröhlich-sensiblen Hamlet völlig aus der Bahn. Seine Umgebung hält ihn für verrückt. Schluss mit beginnender Liebe zu Ophelia, der Tochter des Ministers Polonius, den er versehentlich erschießt. Kämpfe mit Laertes, ihrem Bruder – Lügen, Intrigen, Verrat und schließlich sind (fast) alle tot.
Höhepunkte: Saro Emirze spielt nicht den Hamlet, er ist es. Überzeugend, zweifelsfrei und so leidenschaftlich, dass man mitleidet. Die bärtige Königin Gertrud (Andreas Erfuth), die muskelgestählte 1.90-Meter-Ophelia (Christoph Schulenberger) im transparenten Spitzengeriesel, das im Hochrutschen schon mal sehr Männliches freigibt – alle sind sie hinreißend, die harten Fechtszenen umwerfend. Nicht zu vergessen: Polonius (Sebastian Bischoff). Er punktet als alter, hellwacher Mann, als Totengräber und toller Musiker. Oft wusste man nicht: Lachen? Weinen? Echt Shakespeare halt.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen