Bergfest : Halbzeit in der Fischräucherei

Katharina Mahrt in einem der Wohnungsräume der Alten Fischräucherei. An den Wänden kamen unterschiedliche Friese zum Vorschein.
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Katharina Mahrt in einem der Wohnungsräume der Alten Fischräucherei. An den Wänden kamen unterschiedliche Friese zum Vorschein.

Die Vereinsvorsitzende Katharina Mahrt schätzt, dass das Projekt nach insgesamt zehn Jahren umgesetzt sein wird.

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24. März 2018, 06:38 Uhr

Eckernförde | Die Alte Fischräucherei ist nichts für Kurzstreckenläufer. Die Mitglieder des gleichnamigen Vereins brauchen einen langen Atem, um ans Ziel zu gelangen: Seit über fünf Jahren arbeiten sie an der alten Fischräucherei Hopp in der Gudewerdtstraße. „Und wir werden wohl noch weitere fünf Jahre brauchen, bis alles fertig ist“, sagt Vorsitzende Katharina Mahrt.

Am 2. Juni 2012 bekam der Verein, der am Donnerstagabend seine Jahreshauptversammlung abhielt, die Schlüssel für das Gebäudeensemble aus dem Jahr 1920. In ihm befindet sich die letzte noch erhaltene Fischräucherei der Stadt. Seither hat sich eine Menge getan: Das Untergeschoss mit Räucherei, Kleinholzschuppen und Packraum ist renoviert, der Schornstein saniert, der Nagelboden wieder hergestellt, und auch Garten und Hof sind wieder in Schuss. Im vergangenen Jahr galt das Hauptaugenmerk der Wohnung im ersten Stockwerk, in der sich früher unter anderem das Kontor befand. Hier sind die Räume entkernt, mehrere Schichten Tapete und Farbe von den Wänden entfernt und das Geländer im Treppenhaus abgeschliffen worden. Im Dachgeschoss sind die Räume gedämmt und teilweise schon gestrichen, und das Dach ist neu eingedeckt worden. Das Kontor soll im alten Stil wieder hergerichtet werden, der Rest der Wohnung soll als Ausstellungsraum dienen. Im Dachgeschoss bringt der Verein Archiv, Büro und Aufenthaltsraum unter. Die Einrichtung kann frühestens Ende des Jahres erfolgen – solange wird es noch dauern, die Räumlichkeiten zu renovieren.

Die Arbeit wird zu einem großen Teil von den ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern erledigt. Ob Heizungstechniker oder Maurer – viele von ihnen sind gelernte Handwerker. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, auch eine neue Treppe vom Packraum in den Nagelboden inklusive Wandabriss und -neubau zu verlegen, weil die alte zu steil ist. 211 Mitglieder zählt der Verein zurzeit – 17 mehr als vor einem Jahr. Sie zahlen 30 Euro jährlichen Mitgliedsbeitrag. 40 Mitglieder sind in dem aktiven Räucherei-Team und kümmern sich um die Bauarbeiten, die Bewirtung und Führungen von Besuchern, die Internetseite des Vereins und den Garten. Einer von ihnen ist der 2. Vorsitzend Werner Pötzsch, der auf der Jahreshauptversammlung in seinem Amt bestätigt wurde.

„Die Alte Fischräucherei ist ein Millionenprojekt“, sagt Katharina Mahrt und rechnet vor: 450 000 Euro hat der Kauf des Gebäudeensembles gekostet, 300 000 Euro an Fördergeldern wurden in den ersten Jahren verbaut, Eigenleistungen im Wert von 250 000 Euro allein im ersten Bauabschnitt erbracht. Für die Jahre 2017 und 2018 wurden 145000 Euro Fördermittel bewilligt. 15 Prozent davon trägt die Stadt, 85 Prozent der Europäische Fischereifonds.

Bis jedoch die Ausstellung eröffnet werden kann, werden wohl noch zwei Jahre ins Land gehen. Bis alles wie geplant fertig ist, noch fünf Jahre. Doch solange müssen die Besucher nicht darben, denn auch ohne Ausstellung gibt es genug zu sehen. Im vergangenen Jahr haben beispielsweise 46 Führungen stattgefunden, 18 kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, und an 37 Sonnabenden hatte die Räucherei für den Publikumsverkehr geöffnet. Das Geld, das dabei eingenommen wird, benötigt der Verein nicht fürs Renovieren. Mahrt: „Wir haben allein 20 000 Euro jährlich an Betriebskosten zu zahlen.“ Für alle, die einen Blick in die Alte Fischräucherei werfen wollen, bietet sich am Ostersonnabend die Gelegenheit dazu. Dann findet von 11 bis 16 Uhr wieder das Schauräuchern statt.

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